Fußball

So läuft der 8. Spieltag Geilo-Bayern droht das Guardiola-Déjà-vu

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Gierig, gierig.

(Foto: imago/MIS)

Gerade erst wendet der FC Bayern den ersten Saison-Gau ab, da droht die nächste Krise: Der Angstgegner wartet. Die BVB-Bubis ziehen in die nächste Schlacht. Hertha setzt im Topspiel nicht auf Pimmelbildchen, sondern auf Marcelinho.

Was macht der FC Bayern?

Die Bayern sind wieder "mia san mia". Sie sind wieder gierig. Sie sind wieder geil. Das sagt Stürmer Thomas Müller. Im Original gesprochen klingt das so: "Wir sind geil auf Siege, geil auf Erfolg." Verantwortlich für dieses fast orgasmische Rauschgefühl war ein 4:1-Erfolg der Münchener in der Champions League gegen den PSV Eindhoven. Der war 30 Minuten fantastisch anzuschauen und 60 weitere so lala bis ganz okay unterhaltsam mit einigen defensiven Wacklern. Die Sieglos-Krise beendet, den überkritischen Klubboss Karl-Heinz Rummenigge widerlegt und sich Trainer Carlo Ancelotti wieder zum väterlichen Freund gemacht – so schnell geht's für die Bayern im Herbst 2016. Doch die große Euphorie will sich einfach nicht einstellen. So heißt es in der Spielanalyse des Trainers: "Die Reaktion war gut, die Haltung war gut, das Spiel gegen Frankfurt (Anmerk. d. Red.: nur 2:2 im letzten Ligaspiel) war eine gute Lehre für uns." Vor allem mit dem Offensivspiel war der Italiener sehr zufrieden. Und: Diesmal habe seine Elf "nur 20 Minuten" geschlafen.

Vorbei sind die Zeiten des Guardiola'schen Superlativs. Vorbei sind die Zeiten des Super-super-Abfeierns. Aber vorbei sind derzeit auch die Zeiten der bis zur Langeweile getriebenen Maximal-Dominanz des Gegners. Deswegen gelten die Bayern auch als angreifbar. In der Liga fahren die Klubs nicht mehr mit dem Wunsch nach München, einstellig zu verlieren, nein, sie wollen punkten. "Wir wollen auf jeden Fall nach München fahren, um zu gewinnen. Die Bayern sind schlagbar und wir werden ihnen alles abverlangen", sagte André Hahn, Stürmer von Borussia Mönchengladbach, dem nächsten Gegner der Bayern am Samstagabend (18.30 Uhr im n-tv.de Liveticker). Wie das mit dem Punkten geht, das wissen sie bereits. Aus den letzten vier Spielen gegen den Rekordmeister holte die Elf von Coach André Schubert acht Punkte – die Fohlen beherrschten den Guardiola-Galopp. Diesen Tempolauf wollen die Bayern dringend stoppen: "Wir müssen die Gier und Leidenschaft beibehalten, dafür sind wir da, dafür sind wir Profis", sagt der gegen den PSV Eindhoven überragende Arjen Robben. Aber seine Mannschaft hat ja ohnehin verstanden, zumindest Thomas Müller. Die Bayern sind wieder gierig, sie sind wieder geil. Mindestens bis Samstagabend.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

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So jubeln echte Männer.

(Foto: imago/Eibner)

Auf der Sammer'schen Motzki-Skala erreicht Borussia Dortmund derzeit den höchsten Wert aller Bundesligisten. Kaum eine Pflichtspielveranstaltung vergeht, ohne dass sich ein BVB-Mann in allerhöchste Rage redet. War's in der Bundesliga zuletzt Thomas Tuchel, der seine hochbegabten Feinfüße vor den wilden Horden marodierender Grätsch-Fieslinge bewahren wollte, echauffierte sich Sportdirektor Michael Zorc nach dem Champions-League-Spiel in Lissabon (2:1) über die Unsportlichkeiten der portugiesischen Fair-Play-Verweigerer. Gegen diesen grassierenden Motzki-Virus scheint die Mannschaft indes immun zu sein. Keine Geschimpfe, kein Gejaule über zu harte Gangarten. Die schwarzgelbe Bubi-Bande wehrt sich. Und das tapfer. Gegen Lissabon reiften die Hochbegabten zu einer aufopferungsvoll arbeiteten Malocher-Bande, wie man sie im Ruhrgebiet nur noch von goldenen Bergbauzeiten kannte. Das war Männerfußball. Und den werden sich die Tuchel-Talente bewahren müssen. Den nächsten Nachweis seiner Schlacht-Erprobtheit muss der BVB am Samstagnachmittag beim FC Ingolstadt liefern. Denn beim sieglosen Liga-Schlusslicht hat Trainer Markus Kauczinski die "Wochen der Wahrheit" ausgerufen. "Wir haben die Gelegenheit, viele Dinge ins richtige Licht zu rücken." Zum Beispiel auch die eigene Arbeit. Zwar gibt's klubintern noch keine Kritik am Trainer, doch 34 Spiele ohne Sieg wird auch Kauczinski sich nicht erlauben können.

Wo wird's brisant?

... und der zuletzt schwache Marcelinho ...

Marcelinho kehrt zur Hertha zurück, wenn auch nur kurz.

Für die nötige interne Brisanz in Berlin (Tabellenvierter, 14 Punkte) sorgt Youngster Sinan Kurt mit seinen möglicherweise verschickten Pimmelbildchen. Für die externe Brisanz der Gegner aus Köln (Tabellenzweiter, 15 Punkte). Denn auch wenn es vermutlich immer noch kein Fußballfan in Deutschland glauben möchte, in diesem Spiel am Samstagnachmittag geht es um die temporäre Tabellenführung, der FC Bayern (17 Punkte) spielt ja erst am Abend. Die Aussicht auf Platz 1 macht aber nicht jeden glücklich. Zumindest dann nicht, wenn aus dem temporären ein chronischer Zustand wird - wie vergangene Saison beim Leicester-Wunder in der Premier League. "Wenn der FC Meister werden sollte, müssten wir knapp zwei Millionen Euro auszahlen", klagt Wettbürobetreiber Mark Debler gegenüber dem Sportinformationsdienst. Mit seinem Bruder hatte der Neffe von Kölns Ex-Nationalspieler Gerd Strack vor der Saison die Quote 999:1 auf den Titelgewinn der Geißböcke angeboten. Obwohl die Quote mittlerweile auf 400:1 reduziert wurde, sind rund 70 Tipper eingestiegen. Nicht dazu gehört Trainer Peter Stöger: "Wenn ich auf der sicheren Seite sein möchte, würde ich diese Wette so nicht platzieren", sagte der Österreicher, zeigte sich aber dennoch "überrascht, dass in Köln nur so wenige Leute diese Wette platziert haben". Doch der Kölner Weg vom "Spitzenzweiter" zum "Spitzenreiter" ist hart, denn die Rheinländer plagen sich seit Jahren mit der Berlin-Allergie herum. In zwölf Spielen gab's zuletzt acht Niederlagen. Und diese Serie wird am Samstag weiter ausgebaut. Davon geht jedenfalls Hertha-Trainer Pal Dardai aus. "Wir spielen zu Hause, mit unserer spielerischen Qualität haben wir Vorteile. Wir sind Favorit und müssen diese Rolle annehmen". Dabei steht dem Ungarn ein unerwarteter Joker zur Verfügung: Ex-Spielmacher Marcelinho. Der möchte wieder in Berlin spielen. Zwar erst am 25. März, zu seinem Abschied. Dennoch will er am Samstag mal kurz in die Hertha-Kabine grüßen und die Jungs heiß machen. Fürs Topspiel. Nun gut.

Die erste Aufregung um Bayer Leverkusen hat sich gelegt. Genauer gesagt ist die Verbal-Klopperei zwischen den ehemaligen Nationalelf-Buddies Rudi Völler und Mario Basler wieder verebbt. Für alle Unwissenden eine kurze Zusammenfassung: TV-Experte Basler findet Bayer langweilig, wie er bei Sport1 zum Champions-League-Spiel gegen Tottenham erklärte, und Sportdirektor Völler findet daraufhin, Basler sei ein Pausenclown. Kinderkram. Aber mit Stresspotenzial. Das gibt's auch am 8. Spieltag. Denn verlöre Leverkusen daheim gegen Hoffenheim, wäre der Saisonfehlstart endgültig in Stein gemeißelt. Und nervige Journalistenfragen programmiert. Damit allerdings kann Rudi Völler nicht so gut umgehen:

Ganz anders als Julian Nagelsmann, der sich stets fröhlich durch den Fragenhagel (wobei der in Sinsheim nicht ganz so hart prasselt wie andernorts) hangelt. Zufrieden mit dem Saisonstart? Freilich. Schließlich sind seine Männer ja noch ungeschlagen. Dass die Punkte aber häufig wild erspielt oder tüchtig erzittert wurden, macht den jüngsten Bundesliga-Trainer nicht so glücklich. Denn eitel, wie er ist, macht er sich Sorgen um seine individuelle Optik: "Das brauche ich nicht immer. Ich habe eh schon Geheimratsecken bis zum Himmel." Um der sich ankündigten Pläte vorzubeugen, nimmt er seine Mannschaft nun in die Pflicht: "Wir  haben Ideen entwickelt, wie wir Bayer weh tun können. Wir brauchen aber auch eine gute Umsetzung dieser Ideen."

Wo wird's kuschelig?

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Davie Selke würde gegen seinen Ex-Klub gerne spielen.

(Foto: imago/Revierfoto)

Das Wohlfühlduell des Spieltags findet in Leipzig statt. Super-Aufsteiger RaBa empfängt Werder Bremen. Und die sind der Amtsübernahme von Trainer Alexander Nouri glücklich wie zu goldenen Otto-Rehhagel-Zeiten. Aus den letzten drei Spielen gab's sieben Punkte. Vergessen der lethargische Skripnik-Fußball. Den kennen sie übrigens auch in Sachsen nicht. Seit Trainer Ralph Hasenhüttl den Klub durch die Bundesliga jagt, gibt's nur Vollgas. Viele Gewinner, aber auch einen Verlierer. Und der hat das Kicken ausgerechnet an der Weser gelernt: Davie Selke. Der Edelreservist hat vor dem ersten Duell gegen seinen Ex-Klub nur einen Wunsch. Er will endlich spielen. "Am liebsten von der ersten Minute an." Und der Moment, dieses Gefühl mit den Einlaufkindern an der Hand das Stadion zu betreten, scheint ganz nah. So sagt es zumindest Hasenhüttl: "Ich finde, dass er sich überragend präsentiert. Wenn man sich so in seiner Rolle verhält, hat man eine Chance verdient. Die wird auch bald kommen."

Überragend präsentiert hat sich zuletzt auch Caglar Söyüncü, zumindest was das Interesse der Medien an ihm angeht. Denn das Freiburger Abwehrtalent war bei der 1:2-Niederlage in Hoffenheim an allen Toren maximal beteiligt. Bedeutet Folgendes: eine fantastische Torvorbereitung und zwei stümperhafte Fehler. "Er macht gerade Unglaubliches durch, da macht man halt auch Fehler. Wir können das tragen, wir sind in Freiburg. Wenn das irgendwo geht, dann hier", sagt sein Trainer Christian Streich. Bereits beim 0:3 in Köln hatte Söyüncü "brutales Lehrgeld" bezahlt und war an zwei Gegentoren beteiligt gewesen. Ob der 20-Jährige nun gegen den FC Augsburg bereits wieder ein Stückchen gereift ist, erneut Lehrgeld zahlen muss oder eine Denkpause bekommt – alles offen. Denn mit Amir Abrashi, Pascal Stenzel und Manuel Gulde kommen drei Defensivkräfte zurück. Immerhin hat das Team noch Bock auf ihren Patzerkönig: "Wir motivieren Caglar natürlich, weil er unheimliches Talent hat. Das kann mal passieren. Ich hoffe, er steht da drüber und, dass wir es nächste Woche besser machen", sagt Mitspieler Vincenzo Grifo.

Was ist sonst noch so los?

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Trainer Markus Gisdol setzt beim Beheben auch auf Pierre-Michel Lasogga.

(Foto: AP)

In Hamburg kündigt sich Erstaunliches an. Der HSV strebt nach sieben gespielten Runden heute Abend (20.30 Uhr Sky und im n-tv.de-Liveticker) seinen ersten Saisonsieg an. Eine prima Idee. Allerdings steht diesem Vorhaben ein fast unlösbares Problem gegenüber. Denn für einen Sieg braucht man Tore. Mindestens eins. Das aber hat der Klub seit 482 Minuten nicht erzielt. Ganz anders als Gegner Eintracht Frankfurt. Die haben am vergangenen Spieltag die weltbeste Abwehr mit dem weltbesten Torwart (wir sprechen vom FC Bayern) gleich zweimal erfolgreich ausgefummelt (2:2). Und dennoch ist die Laune bei Trainer Niko Kovac im Keller. Der nutzte die obligatorische Pressekonferenz zum Spieltag zur Schimpfstunde über den eigenen Klub. "Man erwartet von uns Erstliga-Fußball mit Zweitliga-Bedingungen", sagte der Kroate. Alles sei nicht bundesliga-tauglich, bemängelte Kovac die Trainings- und Arbeitsbedingungen in Frankfurt. "Unsere Jugendlichen im Riederwald sind viel besser dran", sagte Kovac über das Nachwuchsleistungszentrum. Seine Profis trainieren dagegen rund um die Commerzbank-Arena. Er wolle dies nicht dramatisieren, sagte aber: "Es ist nicht gut. Doch: Es ist schrecklich."  Dem Chefcoach ist zudem aufgefallen, dass seine Profis oft krank seien - und zwar nicht, weil sie nach dem Duschen keine Mützen aufsetzen würden. "Ich weiß nicht, wann die Lüftung zum letzten Mal gereinigt worden ist." Er mache die Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrages auch von der Infrastruktur abhängig, betonte er.

Zum Abschluss des Spieltags am Sonntag treffen die Europa-League-Fighter aus Schalke (1:0 in Krasnodar) und Mainz (1:1 gegen Anderlecht) aufeinander. Für Manager Christian Heidel ist das ein Wiedersehen mit der alten Liebe. Aber darüber zu sprechen, ist eher langweilig. Viel spannender ist da doch die Situation auf Schalke: Drei Siege und ein Remis aus den letzten vier Pflichtspielen – klingt nach Aufschwung nach dem völlig verbockten Saisonstart. Und das gelang trotz immer dünner werdender Kaderstärke. Gegen Krasnodar setzte Coach Markus Weinzierl sogar wieder Spieler ein, deren Fähigkeiten er eigentlich gar nicht schätzt: den Brasilianer Caicara, Ex-Nationalspieler Dennis Aogo und Torverweigerungsstürmer Franco di Santo. Und siehe da: Erst spielt die B-Elf tiptoppen A-Fußball, dann verteidigt sie leidenschaftlich. "Leider hatte wir in der Bundesliga einen schlechten Start. Aber wir sind dabei, den schlechten Start zu korrigieren. Wenn wir so spielen wie heute, können wir mit einer Serie auch in der Bundesliga unsere Ziele noch erreichen", betonte Weinzierl. Läuft wieder auf Schalke.

Der n-tv.de Geheimtipp des Spieltags

Zugegeben: Die Einschaltquote des Spiels SV Darmstadt gegen den VfL Wolfsburg wird den Kollegen vom TV-Sender Sky am Samstagnachmittag vermutlich nicht die Freudentränen in die Augen jagen. Biederer Anti-Abstiegs-Fußball (Darmstadt) trifft auf undefinierbares Irgendwas (Wolfsburg). Leidenschaft (Darmstadt) empfängt unergründliche Lethargie (Wolfsburg). So liest es sich jetzt noch. Aber weil Wolfsburg ja während der Woche ihrem Trainer Dieter Hecking Adieu gesagt hat, soll sich nun alles ändern. So verspricht Interimstrainer Valérien Ismaël einen mentalen Urknall: "Es gibt momentan eine Blockade bei den Spielern, die müssen wir lösen. Ich möchte schon, dass wir mehr Leidenschaft entwickeln." Man ey, was für ein gerissener Hund, dieser Ismaël. Gucken lohnt sich, versprochen (mit leicht gekreuzten Fingern auf dem Rücken).

Quelle: ntv.de

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