Fußball

Corona-Experimente im Stadion Wie die Bundesliga den Saisonstart wagt

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Geisterspiel zum Saisonauftakt: In München müssen die Bayern vor leeren Rängen starten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den FC Bayern erwischt es zuerst: Zum Saisonauftakt muss der Fußball-Rekordmeister vor leeren Rängen gegen Schalke spielen - die Corona-Zahlen in München sind zu hoch. Anderswo dürfen Tausende Zuschauer ins Stadion.

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga begann so, wie die alte geendet hat: ohne Zuschauer im Stadion. Das galt zumindest für das Auftaktspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC Schalke 04. Spielverderber bleibt das Coronavirus. Denn der Austragungsort für den Saison-Auftakt liegt im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.

Hinweis: Alle Details aus dem Spielverlauf finden Sie hier bei bei ntv.de.

Weil die Stadt München die per Bund-Länder-Einigung vereinbarte Obergrenze von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschreitet, musste der deutsche Fußball-Rekordmeister vor leeren Rängen spielen. An den anderen Bundesliga-Standorten sieht die Situation zum Auftakt des Spielbetriebs unter Corona-Bedingungen etwas besser aus.

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Wie viele Zuschauer dürfen ins Stadion?

Der Saisonstart 2020/21 erfolgt nur unter Auflagen: Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel haben sich die Ländervertreter auf einen sechswöchigen Testbetrieb geeinigt. Im Mittelpunkt stehen zwei Kernpunkte. Zum einen darf das Fallaufkommen am Austragungsort bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 35 nicht übersteigen.

Diese Kennzahl gibt die Zahl an Neuinfektionen im Zeitraum der zurückliegenden sieben Tage je 100.000 Einwohner an und soll das Infektionsgeschehen vor Ort vergleichbar machen. Zum anderen darf das Fassungsvermögen der Stadien unter Pandemie-Bedingungen lediglich bis zu 20 Prozent der Gesamtkapazität an Zuschauerplätzen ausgelastet werden.

Welche Regeln gelten vor Ort?

Zu diesen bundeseinheitlichen Regeln kommen Verordnungen, die von Land zu Land variieren. So müssen die Klubs ihren jeweiligen Landesbehörden speziell ausgearbeitete Zuschauer- und Hygienekonzepte vorlegen, die kritische Punkte wie Anreisemaßnahmen, Ticketpersonalisierungen und Zuschauerverteilungen berücksichtigen.

Das Limit beim Fallaufkommen liefert lediglich eine Orientierungsmarke. Unter Umständen ist ein Spielbetrieb mit Zuschauern möglich, auch wenn diese Obergrenze überschritten wird. Sollten die Gesundheitsbehörden vor Ort etwa zu dem Schluss gelangen, dass der Anstieg der Fallzahlen auf einen lokal eingrenzbaren Ausbruch zurückgeht, dürften die Fans - in verringerte Gesamtzahl - dennoch ins Stadion.

Wie sieht die Infektionslage vor Ort aus?

FC Bayern München - FC Schalke 04 (Freitag, 20.30 Uhr)
Als einziger der neun Auftaktspielorte überschreitet München - Stand: 18. September, 0.00 Uhr - die vereinbarte Obergrenze, wie die Grafik von ntv.de auf Basis der jüngsten Meldedaten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt demnach im Stadtkreis München bei 40,9. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden stieg dieser Wert am Freitag sogar über 50. Diese Entwicklung dürfte sich in den RKI-Daten leicht verzögert zeigen.

Nachdem am Mittwoch die zugelassene Zuschauerzahl auf zehn Prozent der Stadionkapazität reduziert worden war, wurde tags darauf die Erlaubnis komplett gestrichen. "Die Uhren stehen wieder auf null", kommentierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die bajuwarische Rückwärtsrolle. Normalerweise finden in der Münchener Arena rund 75.000 Zuschauer Platz, nun gab es zum Saisonstart ein Geisterspiel mit spektakulär vielen Toren.

Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld (Samstag, 15.30 Uhr)
Für die Stadt Frankfurt am Main weist das RKI mit 18,6 einen Wert aus, der deutlich unter der kritischen Marke liegt. Somit darf die Eintracht vor Zuschauern in die neue Saison starten. Allerdings schöpft sie gegen Arminia Bielefeld nicht das komplette Kontingent aus: Statt der erlaubten 7400 Zuschauer werden nur 6500 Fans im Stadion dabei sein. Grund sind lokale Bestimmungen: Die SGE verweist auf die mit dem Gesundheitsamt im Vorfeld getroffenen Vereinbarungen.

1. FC Union Berlin - FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr)
Sogar mehr als 20 Prozent lässt dagegen der 1. FC Union Berlin zu seinem Auftaktspiel ins Stadion. Möglich macht das die Berliner Infektionsschutzverordnung, die vergleichsweise großzügig Freiluft-Events mit bis zu 5000 Zuschauern erlaubt - die Eisernen schöpfen somit aus dem Vollen. Rein rechnerisch geht das unter Berliner Bedingungen zu 22,7 Prozent des regulären Platzangebots. In Unions Heimatbezirk Treptow-Köpenick liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 6,6.

1. FC Köln - TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr)
Heikler sah es bereits im Vorfeld des ersten Spieltags am Rhein aus. Die Stadt Köln verzeichnet aktuell ein erhöhtes Fallaufkommen, das sich laut RKI-Daten vom frühen Freitagmorgen mit 31,1 nahe an der Obergrenze bewegte. Dennoch plante der Effzeh gegen die TSG Hoffenheim fest mit bis zu 9200 Zuschauern, was einer Stadionauslastung von 18,8 Prozent entspricht.

Dann jedoch machte die Pandemie auch den Gastgebern in Köln einen Strich durch die Rechnung.  "Die Experten erwarten, dass die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in Köln am Samstag einen Wert nahe an 35 beziehungsweise über 35 erreicht", fasste FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle die Corona-Lage in der Domstadt am späten Freitagabend zusammen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und die Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, wollten eine Teilöffnung des Stadions nicht mehr riskieren.

"Wir alle hätten uns gewünscht, mit Zuschauern zu spielen", sagte Wehrle. "Aber wir sind gut beraten, die Pandemie gemeinsam mit der Politik und der Gesellschaft zu bewältigen. Jetzt ist es am wichtigsten, dass die Fallzahlen in Köln nicht weiter steigen. Wenn wir so unseren Beitrag dazu leisten können, dann machen wir das natürlich."

Werder Bremen - Hertha BSC (Samstag, 15.30 Uhr)
Der in der vergangenen Saison knapp gerettete SV Werder will zum Saisonstart gegen Hertha BSC 8500 Zuschauer ins Weserstadion lassen. Das entspricht 20,2 Prozent der Stadionkapazität, ist aufgrund einer Genehmigung des Bremer Senats jedoch zulässig, obwohl damit die Richtmarke der Bund-Länder-Einigung überschritten wird.

"Werder hat ein exzellentes Hygienekonzept vorgelegt, auf dessen Grundlage ich es beim gegenwärtigen Infektionsgeschehen für vertretbar halte, wieder Zuschauer ins Stadion zu lassen", sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte am vergangenen Sonntag. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hansestadt liegt derzeit bei 10,7 und damit nah am bundesweiten Durchschnitt, der vom RKI aktuell mit 11,5 Fällen aus den letzten sieben Tagen je 100.000 Einwohner angegeben wird.

VfB Stuttgart - SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr)
Zurückhaltung ist das neue Motto beim VfB: Statt der behördlich genehmigten 12.000 Zuschauer lassen die Schwaben im Südwest-Derby gegen Freiburg nur 8000 Fans ins Stadion, was einer Auslastung der Ränge von 13,2 Prozent entspricht. "Von 0 auf 12.000 ist ein großer Schritt", begründete Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger die defensive Strategie. Die Stuttgarter Sieben-Tage-Inzidenz ist mit einem Wert von 25,4 relativ hoch.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr)
Die mit Abstand meisten Fans im eigenen Stadion wird der BVB zum Saisonstart empfangen können: Rund 10.000 Zuschauer erwartet die Borussia gegen die Namensvetterin aus Mönchengladbach. Und das sind gerade mal 12,3 Prozent der Stadionkapazität. Vorsicht ist auch in Dortmund das Gebot der Stunde. In der größten Stadt des Ruhrgebiets ist die Sieben-Tage-Inzidenz mit einem Wert von 8,5 verhältnismäßig gering.

RB Leipzig - FSV Mainz 05 (Sonntag, 15.30 Uhr)
In Leipzig geht der Gastgeber fast ans Limit. Zum ersten Heimspiel der neuen Saison gegen Mainz ließ die örtliche Gesundheitsbehörde 8500 Besucher zu. Das entspricht 19,5 Prozent der regulären Stadionkapazität. "Es ist eine großartige Nachricht - vor allem für unsere Fans, aber auch für das Team", meinte RB-Trainer Julian Nagelsmann: "Das letzte Spiel mit Zuschauern liegt fast sechs Monate zurück und wir haben immer wieder betont, wie sehr uns die Fans und die Atmosphäre fehlen."

Das Konzept umfasst zwei zentrale Maßnahmen. Es besteht zum einen eine Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Betreten des Stadions. Zum anderen soll das Anreiseaufkommen so minimal wie möglich gehalten werden. Deshalb werden die Eintrittskarten auch nur an Inhaber einer Dauerkarte sowie an Bewohner mit einem Wohnort in Sachsen verlost. Das Corona-Konzept der Sachsen könnte als Leipziger Modell Schule machen: Die Tickets zum Spiel werden nicht frei verkauft, sondern unter interessierten Fans nach Anmeldung mit vollem Namen und Anschrift unter bestimmten Bedingungen verlost. Ausschlaggebend ist dabei das Infektionsgeschehen am jeweiligen Wohnort: Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz dort vor dem Spiel unter 20 bleibt, wird der Interessent zur Ticket-Verlosung zugelassen. Im Freistaat Sachsen liegt das Fallaufkommen auf Landesebene derzeit bei 3,2.

VfL Wolfsburg - Bayer Leverkusen (Sonntag, 18 Uhr)
Pech hat der VfL Wolfsburg. Die Mannschaft darf zum Saisondebüt am Sonntag gegen Bayer Leverkusen nur vor 500 Zuschauern auf den Rängen der Volkswagen-Arena spielen. Entsprechend dünn wird sich die akustische Stadionkulisse für die Spieler anfühlen. Der VfL hatte nach dem Länder-Beschluss gehofft, 6000 Plätze nutzen zu können.

Das wäre die volle 20-Prozent-Kapazität unter Corona-Auflagen gewesen. Insgesamt passen in Wolfsburg bei Bundesliga-Spielen 30.000 Menschen ins Stadion. Um die vollen 6000 Fans zu empfangen, hätte jedoch zunächst die Corona-Verordnung der niedersächsischen Landesregierung angepasst werden müssen. So schnell konnten die Dinge in der Landeshauptstadt Hannover aber nicht in Bewegung gebracht werden. Die für die Testphase im Spielbetrieb der Fußball-Bundesliga aufgebohrte Verordnung wird dem Vernehmen nach erst in der kommenden Woche in Kraft treten.

Quelle: ntv.de