Fußball

So läuft der 13. Spieltag Tuchel tickt, Ancelotti bangt um Clásico

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"Das ist sehr unbefriedigend": Thomas Tuchel.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Auch wenn der FC Arsenal interssiert sein soll: Ralph Hasenhüttl findet sein Glück bei RB Leipzig und will mit dem Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga auch Schalke schlagen. Und falls der FC Bayern verliert, weint Carlo Ancelotti.

Was macht RB Leipzig?

Das britische Boulevardball "The Sun" hatte ja in dieser Woche in mehreren Artikeln hartnäckig daran gearbeitet, Ralph Hasenhüttl als Nachfolger von Arséne Wenger beim FC Arsenal aufzubauen. Der Trainer der Leipziger Rasenballsportler sei zwar "in England relativ unbekannt", aber das sei Wenger schließlich auch gewesen, als er 1996 nach London kam. Zudem habe Hasenhuttl, wie sie ihn nennen, als achtmaliger österreichischer Nationalspieler eine "weitaus bessere Karriere als Spieler gehabt als Wenger, José Mourinho und Jürgen Klopp zusammen". Und was sagt Hasenhüttl? "Ich habe schon von schlimmeren Schicksalen gehört, als Nachfolger des dienstältesten Trainers in England gehandelt zu werden. Es war jetzt nicht unbedingt rufschädigend." Aber an dem Gerücht sei halt nichts dran. " Deshalb müssen wir uns darüber keine Gedanken machen. Ich habe hier in Leipzig mein Glück gefunden."

Schalker Serie

Mit fünf Niederlagen gestartet, ist der FC Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga seitdem ungeschlagen. Der erste Saisonsieg war das 4:0 gegen Mönchengladbach am sechsten Spieltag. Und dann: 1:1 beim FC Augsburg, 3:0 gegen den FSV Mainz, 0:0 bei Borussia Dortmund, 3:1 gegen Werder Bremen, 1:0 beim VfL Wolfsburg und 3:1 gegen den SV Darmstadt 98.

Und so bereitet er sich und seine Mannschaft auf den 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga vor, konkret auf die Partie gegen den FC Schalke 04 (Samstag ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Ungeschlagen wie der Tabellenführer aus Leipzig sind die Gäste und ihr Trainer Markus Weinzierl nicht, waren die Gelsenkirchener doch mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet. Seitdem aber haben sie nicht mehr verloren, gewannen fünf Mal und spielten zwei Mal unentschieden. "Ich sehe Schalke als eine Mannschaft, die durch ihren Lauf und ihre Erfolgserlebnisse zuletzt eine gewisse Entwicklung genommen hat. Sie funktionieren als Team und die Automatismen greifen jetzt", konstatierte Hasenhüttl. "Deshalb sehe ich das Spiel gegen Schalke vielleicht sogar als die kompletteste Aufgabe, die uns erwartet." Das Zentralstadion mit seinen 42.959 Plätzen ist ausverkauft. Er freut sich drauf: "Es ist alles angerichtet. Samstagabend, 18.30 Uhr - was kann es Schöneres geben?"

Was ist denn bloß mit Bayern los?

Nun hat auch Carlo Ancelotti die fragwürdigen Segnungen der Blitztabelle entdeckt. "Es ist für uns eine große Möglichkeit, wieder an die Tabellenspitze zu kommen", sagte der Trainer des FC Bayern vor der Partie beim 1. FSV Mainz. Dabei ist es einfach nur so, dass seine Münchner an diesem Freitagabend spielen - und die Leipziger dann wie erwähnt am Samstag. Und schlagen sie die Schalker, thronen weiter auf Platz eins. Da können die Bayern machen, was sie wollen. Das weiß natürlich auch Ancelotti: "Das Wichtigste ist, am Ende der Saison an erster Position zu stehen und den Titel zu gewinnen."

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leipzig, Leipzig, Leipzig: Carlo Ancelotti.

(Foto: dpa)

Aber es beschäftigt den Branchenprimus schon, dass der Emporkömmling, der im letzten Spiel des Jahres am 21. Dezember in München gastiert, bisher ungeschlagen die Nase vorne hat. " Leipzig hat eine sehr gute Mannschaft. Sie sind sehr gut gestartet. Ich bin sicher, sie werden ein großer Gegner bis zum Saisonende sein." Okay, und was ist mit dem FSV? Da sagt Ancelotti: "Mainz spielt mit großem Willen und Intensität. Und Bayern hatte mit Mainz in den letzten Jahren immer Probleme." Stimmt das? So halb. Die jüngsten vier Partien im Rheinhessischen gewannen die Münchner. Andererseits haben sie in diesem Jahr zwei Spiele in der Liga verloren: vor zwei Wochen mit 0:1 in Dortmund; um im März mit 1:2 zu Hause gegen Mainz.

Aber da war ja auch Uli Hoeneß noch nicht wieder inthronisiert. Der stellt sich präsidial vor den Trainer. Oder hinter ihn; wahrscheinlich beides. Jedenfalls sagte er der "Sportbild": Falls sich da ein Trend abzeichne, "Ancelotti bei jeder Gelegenheit zu kritisieren, muss der Klub etwas dagegen tun". Allerdings forderte Hoeneß auch: "Wir spielen nicht gut, und das muss besser werden. Auch der Sieg gegen Leverkusen war ein Kraftakt. Die Eleganz, die wir hatten, ist uns verloren gegangen. Uns fehlt der Rhythmus." Na ja, zumindest für eine Nacht könnten sie an die Spitze zurückkehren. Daran entscheidet sich auch, ob Ancelotti sich am Samstag (ab 16.15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die Partie des FC Barcelona gegen Real Madrid in der spanischen Primera Division anschaut. "Ob ich den Clásico sehen kann, hängt von  unserem Spiel ab. Wenn wir verlieren, muss ich weinen - und dann  kann ich das Spiel nicht sehen."

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Schlecht, Trainer Thomas Tuchel jedenfalls war nach der Niederlage in Frankfurt am vergangenen Spieltag ernsthaft sauer: "Technisch, taktisch, von der Mentalität und der Bereitschaft her war unsere Leistung ein einziges Defizit. Die ganze Saison ist ein einziges Auf und Ab, das ist sehr unbefriedigend." Die Spieler werden sich ihren Teil gedacht haben: Wie tickt Tuchel wirklich? Gesagt hat niemand etwas. Außer natürlich Hans-Joachim Watzke, aber der ist ja auch kein Spieler, sondern der Geschäftsführer der Dortmunder. Der unterstützte seinen Trainer nach dessen mit Eiseskälte vorgetragener Fundamentalkritik: "Wem, wenn nicht Thomas Tuchel, soll es zustehen, die Leistung und die Herangehensweise der Spieler zu kritisieren? Thomas war nach dem Spiel sehr enttäuscht. Und diese Enttäuschung zeigt ja schon, wie sehr er sich mit seiner Aufgabe identifiziert und wie sehr er sich - wie wir alle - einen weiteren Sieg gewünscht hätte. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, die Kritik des Trainers in der Öffentlichkeit zu kommentieren. Thomas soll seine eigenen Akzente setzen." Nun geht’s am Samstag im Westfalenstadion gegen die Borussia aus Mönchengladbach, die als Tabellendreizehnte mit 13 Punkten satte acht Zähler weniger auf dem Konto hat als der BVB auf Platz sieben. Kein Grund für Trainer André Schubert, nicht einen kleinen Scherz zu wagen: "Ich habe noch nie in Dortmund verloren", sagte er. "Ich habe dort aber auch noch nie gespielt."

Wo wird's brisant?

Jetzt ist es amtlich: Beim Hamburger SV herrscht gar kein Chaos. "Auch wenn das einige Personen behaupten." Sagt Dietmar Beiersdorfer. Und der ist immerhin der Vorstands- und Sportchef des Tabellenletzten: "Dennoch haben wir einen Plan. Wir arbeiten fokussiert auf das nächste Spiel, konzentrieren uns auf die wichtigen Aufgaben und lassen uns nicht durch Störmanöver ablenken." Wie genau dieser Plan aussieht, kann der geneigte Beobachter dann am Sonntagnachmittag sehen, wenn der HSV am Böllenfalltor in Darmstadt bei den Lilien antritt.

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"Ich sehen jeden Tag in der Kabine eine Einheit": Christian Mathenia.

(Foto: imago/Philipp Szyza)

Die und ihr Trainer Norbert Meier sind ebenfalls damit beschäftigt, sich gegen den Abstieg zu stemmen, haben allerdings bereits doppelt so viele Punkte gesammelt wie die Hamburger, in dieser Wertung steht es 8:4. Wohl auch deshalb Christian Mathenia seinen ehemaligen Arbeitgeber als Vorbild auserkoren. "Wir können von Darmstadt lernen, und ich finde, wir haben schon gelernt, wir haben unsere Situation verinnerlicht", sagte der Torwart des HSV dem "Kicker". Und er gibt sich da ganz im Sinne Beiersdorfers optimistisch: "Ich sehen jeden Tag in der Kabine eine Einheit, die wieder an sich glaubt." Nicht ganz so überzeugt von den Fähigkeiten seiner Spieler scheint da Trainer Markus Gisdol zu sein. Jüngst traf er sich mit Investor Klaus-Michael Kühne, der elf Prozent der Anteile der HSV Fußball AG hält. Nun hofft Gisdol offenbar, dass der ihm in der Winterpause vielleicht ein paar neue Spieler kauft, die besser sind als die alten. "Ich möchte nicht über die Details des Gesprächs reden, aber ich habe Herrn Kühne als jemanden kennengelernt, der den HSV im Herzen trägt und in der aktuellen Situation sehr mitleidet. Natürlich hoffe ich, dass er uns weiterhin unterstützt. Aber es war ein sehr positives Gespräch", sagte Gisdol dem Bezahlsender Sky.

Wo wird's kuschelig?

Seltsamerweise taucht in dieser Rubrik sehr häufig der SC Freiburg auf. Aber irgendwie haben die Breisgauer ihr Image als Kuschelklub weg. Doch geht es nach Trainer Christian Streich, ist es dort gar nicht so gemütlich. Schließlich hat seine Mannschaft zuletzt dreimal hintereinander verloren, gegen RB Leipzig am vergangenen Freitag war sie gar chancenlos. Das wirft die Freiburger nicht um. "Aber es geht darum, wie wir reagieren." Deshalb gelte vor dem Gastspiel in Leverkusen am Samstagnachmittag: "Wir müssen uns wieder auf das besinnen, was uns stark gemacht hat." Viel zu rennen sei ja gut und schön. "Es ist aber die Frage, wann man welche Wege macht." Apropos Leverkusen: Die Elf von Trainer Roger Schmidt hat als Tabellenzehnter nur einen Punkt mehr als Freiburg - und ist damit ganz und gar nicht zufrieden. Und jetzt fällt auch noch für mindestens zwei Monate Kevin Volland aus. Der deutsche Nationalspieler hat sich einen komplexen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Auch der Schweizer Admir Mehmedi fehlt wegen eines Muskelfaserrisses. Dennoch sagt Sportchef Rudi Völler: "Wir holen uns auf keinen Fall Verstärkung. Wir haben genug Spieler. Es hilft nichts: Wir dürfen jetzt nicht jammern."

Was ist sonst noch so los?

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Alles wird gut: Viktor Skripnik.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Es läuft nicht rund für den SV Werder, auch nicht unter dem neuen Trainer Alexander Nouri, mittlerweile ist die Sieglosserie auf fünf Spiele angewachsen. Aber immerhin dürfen sie sich weiter der Sympathie des alten Übungsleiters sicher sei. Viktor Skripnik sagte vor der Partie am Samstag im Weserstadion gegen den FC Ingolstadt: "Ich bin fest überzeugt, dass Werder den Klassenerhalt schafft. Ein Traditionsklub wie Werder gehört zur Bundesliga." Und sein Nachfolger hatte prompt einen gar lustigen Spruch auf Lager: "Ich würde in der Adventszeit lieber Tore sehen als Törchen öffnen." Dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Derweil hat Kölns Trainer Peter Stöger dem "Express" seinen Plan für das Spiel bei der in der Liga noch ungeschlagenen TSG Hoffenheim erläutert. "Wir wollen versuchen, ihnen nach dem Pokal auch in der Liga eine Niederlage zuzufügen" In der zweiten Runde Ende Oktober siegten die Kölner in der Verlängerung und treten nun im Achtelfinale am 7. Februar beim HSV an. In der Runde der letzten 16 Teams steht auch die Frankfurter Eintracht, das Los führt sie zum Zweitligisten nach Hannover. Erst einmal aber geht’s für die etwas überraschend auf Platz vier der Tabelle rangierenden SGE zum Abschluss dieses 13. Spieltags zum FC Augsburg. Für Torhüter Lukas Hradecky ein guter Anlass, doch mal Niko Kovac zu loben: "Der Trainer macht es richtig gut. Die Vorbereitungen mit Video oder auf der Tafel helfen uns immer weiter. Er sorgt auch dafür, dass wir auf dem Boden bleiben. Er hat einfach Autorität. Die Journalisten finden ihn vielleicht immer nett. Bei uns ist das nicht immer so. Er kann auch hart sein und übt in jeder Sitzung auch Kritik. Er hat uns klar gemacht, dass man immer noch etwas verbessern kann."

Der n-tv.de-Geheimtipp des Spieltags

So richtig entspannt sind sie in Wolfsburg nicht. "Gerade wo es VW schlecht geht, spielt auch noch der VfL scheiße", sagte ein Mitglied aus der Führungsetage des Konzerns der Deutschen Presseagentur. Da kann ja heiter werden, wenn die Mannschaft von Trainer Valérien Ismaël als zweitschlechtestes Heimteam der Liga am Samstag ab 15.30 Uhr die Hertha im Stadion am Mittellandkanal empfängt. Immerhin plant Volkswagen bislang nicht, der Fußballtochter das Geld zu streichen. In Berlin sind diskutieren sie derweil, ob sie auch in Zukunft im Olympiastadion spielen, in dem die Hertha in dieser Saison ihre sechs Partien allesamt gewonnen hat. Oder ob sie sich was Neues bauen lassen, womöglich sogar in Brandenburg. "Wir alle lieben das Olympiastadion", hatte Aufsichtsratschef Bernd Schiphorst am Montag bei der Mitgliederversammlung gesagt. "Jeder weiß aber auch: Ein modernes Fußballstadion sieht anders aus." Beim jüngsten Heimsieg gegen Mainz hatten einige Fans ein großes Banner vor die Ostkurve gehängt: "Bevor Ihr Hertha ins Umland verschleppt, jagen wir Euch in die Wüste!" Sportlich allerdings läuft es mit Platz drei hinter den Leipzigern und den Münchnern bestens. Nur dass Vedad Ibisevic, ihr mit acht Treffern bester Torschütze, wegen der Gelb-Roten Karte gegen den FSV nun gesperrt ist, passt Pal Dardai nicht so ganz ins Konzept. "Der Gegner hat Glück, Ibisevic ist nicht dabei", sagte der Trainer, der nun wohl Julian Schieber eine Chance von Beginn an geben wird.

Quelle: n-tv.de

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