Technik

Roter Diskus mit E-Bike-Power Copenhagen Wheel verleiht Rädern Flügel

Copenhagen Wheel

Passt in (fast) jedes Fahrrad: das Copenhagen Wheel.

(Foto: jwa)

Das Copenhagen Wheel hat neben den Vorzügen eines E-Bikes einen weiteren Pluspunkt: Man kann es ohne Weiteres in sein eigenes Fahrrad einbauen. Ganz ohne Macken ist das rote Zauberrad aber nicht.

Fahrradfahren kann heute wesentlich weniger anstrengend sein als früher, clevere Technologien erleichtern die Tretarbeit im Sattel des Drahtesels. Doch ob man sich nun für ein E-Bike, ein sogenanntes Pedelec mit Tretkraftverstärkung (das häufig auch E-Bike genannt wird) oder für eine andere Alternative wie das Möve Franklin mit Cyfly-Antrieb entscheidet - in den meisten Fällen ist mit dem Umstieg auf die leichte Mobilität der Kauf eines neuen Rades verbunden. Das Copenhagen Wheel ist eine willkommene Ausnahme von dieser Regel.

Das Rad mit der dänischen Hauptstadt im Namen kommt vom US-Hersteller Superpedestrian, was ungefähr "Super-Fußgänger" bedeutet. Doch beim Copenhagen Wheel geht's natürlich nicht ums Schlendern, sondern ums Radfahren - das dann aber im Idealfall so gemütlich und mühelos wie ein entspannter Spaziergang geschieht. Sein großer Vorteil: Man kann es bei Bedarf ganz einfach wie ein gewöhnliches Hinterrad ins eigene Fahrrad einbauen - das geht mit vielen Rahmen, mehr Auskunft gibt die Website. Alle benötigte Technik steckt im roten Diskus in der Mitte des Rades; zur Wahl stehen drei verschiedene Reifenbreiten, damit es sowohl in ein sportliches Rennrad als auch in ein eher robustes Trekking-Rad passt.

Laufrad mit magischem Diskus

Abgesehen vom roten Kern ist das Copenhagen Wheel ein ganz gewöhnliches Laufrad und einmal montiert, arbeitet es im Grunde wie jedes andere Pedelec - es verstärkt die Trittkraft des Fahrers. Der Effekt ist immer wieder verblüffend, auch wenn man nicht zum ersten Mal in den Genuss des E-Bike-Komforts kommt: Kaum tritt man in die Pedale, bewegt sich das Rad wie von selbst vorwärts. Man muss kaum mehr Kraft aufwenden, sondern im Grunde nur noch seine Beine bewegen. Besonders nützlich ist die Tritt-Hilfe natürlich bei Gegenwind, beim Anfahren an der Ampel oder bergauf.

Copenhagen Wheel

Die Technik des Copenhagen Wheel steckt komplett im roten Diskus.

(Foto: jwa)

Kleiner Dämpfer: Bei 25 km/h ist Schluss mit der Verstärkung - das ist in Deutschland gesetzlich so geregelt, hat also nichts mit dem Copenhagen Wheel zu tun. Schade ist es trotzdem, denn diese Schwelle ist erstaunlich schnell erreicht. Bis dahin gleitet man mühelos durch den Verkehr, ist an der Ampel auf den ersten Metern meistens der Schnellste und muss sich grundsätzlich nicht um Gegenwind oder Steigungen sorgen.

Will man schneller als 26 km/h fahren - das war die im Testzeitraum erreichte Höchstgeschwindigkeit mit aktiver E-Hilfe - muss man voll in die Pedale treten. Dabei ist nicht nur das erhöhte Gewicht des Rades spürbar (das Wheel alleine wiegt 7,6 Kilogramm), sondern auch ein gewisser Widerstand. Ob das Rad tatsächlich aktiv bremst oder es sich angesichts des plötzlich erhöhten Kraftaufwandes nur so anfühlt, war im Test nicht ganz auszumachen.

Koppelung per Bluetooth

Verbunden wird das Copenhagen Wheel per Bluetooth mit dem Smartphone, eine App ist die Steuerungs-Zentrale. Hier sieht man zurückgelegte Strecken, kann den Akkustand prüfen und die verschiedenen Fahr-Modi einstellen. Zur Wahl stehen Standard, Turbo, Eco und Exercise - in diesem Modus bremst das Rad leicht ab und lädt so zum Fitness-Workout im Sattel ein. Außerdem zeigt die App die aktuelle Geschwindigkeit und die Durchschnittsgeschwindigkeit an.

Nützliches Extra: Im Nachhinein kann man jede Fahrt im Detail auf einer Karte sehen und für jeden Punkt auf der Strecke abfragen, wie viel Leistung (in Watt) vom Fahrer kamen, mit wie viel Watt die Trittkraft verstärkt wurde und wie hoch die Geschwindigkeit war. Ein Beispiel aus dem Test: Im Turbo-Modus bringt es das Wheel beim Anfahren nach einer Ampel auf eine Leistung von rund 500 Watt, unterstützt durch 100 bis 150 Watt Eigenleistung des Fahrers. In den offiziellen technischen Daten wird die Leistung der EU-Version mit 250 Watt angegeben.

Akku geht schnell die Puste aus

Copenhagen Wheel

Das Copenhagen Wheel gibt's entweder als Laufrad oder gleich mit einem ganz neuen Fahrrad.

(Foto: jwa)

Die Reichweite mit einer Akkuladung hängt entscheidend vom Fahrmodus und den individuellen Gegebenheiten ab. Laut Hersteller reicht eine Ladung für bis zu 50 Kilometer. Im Test brachte es das Rad eher auf 20 bis 30 Kilometer. Weniger wird's, wenn man vergisst, das Wheel auszuschalten - dann sinkt der Akkustand erst einmal weiter. Ein Stromsparmodus wäre hier sehr hilfreich. Um den Akku wieder vollzumachen, muss das Rad vier Stunden an die Steckdose, zwei Stunden sollen für 80 Prozent Ladung reichen.

Kleiner Vorteil: Beim Rückwärtstreten bremst das Rad nicht nur aktiv mit, sondern lädt auch den Akku ein bisschen wieder auf. Großer Nachteil: Der Akku ist nicht herausnehmbar, man muss also stets das gesamte Rad in die Nähe einer Steckdose bringen - das ist vor allem in der Innenstadt in Mietshäusern ohne Fahrstuhl recht mühsam. Angeblich arbeitet Superpedestrian bereits an einem Nachfolger mit herausnehmbarem Akku.

Ohne Smartphone geht's nicht

Eine Art Wegfahrsperre soll das Wheel auch haben, die dafür sorgt, dass man sich sorgenfrei vom Rad entfernen kann, zum Beispiel zum Einkaufen. Sobald es erkennt, dass sich das gekoppelte Smartphone mit aktiver Bluetooth-Verbindung entfernt, blockiert es. Beim Testrad wollte das aber nicht funktionieren. Ganz ohne Smartphone kann man das Copenhagen Wheel trotzdem nicht benutzen. Ohne erfolgreiche Kopplung verweigert es seine Dienste, das Fahren ist dann mit spürbarem Widerstand recht mühselig. Man sollte also darauf achten, stets einen ausreichend vollen Akku zu haben, sowohl beim Wheel als auch beim Handy.

Im Testzeitraum hat das Fahren mit dem Copenhagen Wheel sehr viel Spaß gemacht. Die Akkulaufzeit könnte aber noch optimiert werden, außerdem können Innenstadtbewohner ihr Rad oft nicht ohne Weiteres in die Wohnung schleppen - ein herausnehmbarer Akku wäre also zusätzlich Gold wert. Schade ist auch, dass man es nur mit gekoppeltem Smartphone nutzen und es nicht zur Not auch anders freischalten kann, zum Beispiel durch einen Zahlencode oder eine frei wählbare Tastenkombination.

Wer auf E-Mobilität umsteigen möchte, ohne gleich ein komplettes neues Rad zu kaufen, findet im Copenhagen Wheel eine geeignete Lösung - muss sich aber der genannten Schwächen bewusst sein. Ein einzelnes Laufrad mit der roten Scheibe kostet 1750 Euro, auf Wunsch bietet Superpedestrian auch Fahrräder mit bereits eingebautem Wheel an.         

Quelle: n-tv.de