Technik

HoloLens in Deutschland Microsoft verbreitet AR-Revolution

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Eine Geste mit Zeigefinger und Daumen ersetzt bei der HoloLense den Mausklick.

(Foto: kwe)

Ab sofort verkauft Microsoft die HoloLens auch in Deutschland. n-tv.de hat die AR-Brille ausprobiert und erklärt, was künftig mit Microsofts "Mixed Reality" möglich sein wird.

Seit dem vergangenen März können Entwickler in den USA und Kanada die AR-Brille HoloLens kaufen. Ab sofort bietet Microsoft das Gerät in zwölf weiteren Ländern an, darunter Deutschland. Es könnte der Startschuss für eine weltweite AR-Revolution sein, denn die Möglichkeiten der Technik sind gewaltig. n-tv.de konnte sich bei einer Demonstration in London davon überzeugen.

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Für Ingenieure und Architekten ist die HoloLens ein perfektes Werkzeug.

(Foto: Microsoft)

Microsoft selbst spricht nicht von Augmented Reality (erweiterte Realität), sondern von Mixed Reality (gemischter Realität). Dahinter steckt der Gedanke, dass die HoloLens schließlich nicht nur die von uns wahrgenommene Realität mit digitalen Inhalten ergänzt, sondern umgekehrt auch die virtuelle Realität in die Wirklichkeit holt.

Dafür projiziert die Brille Elemente als Holographien vor die Augen des Trägers. Die Bilder werden dabei von winzig kleinen Displays im Gestell erzeugt und über Lichtleiter in den Bügeln in Wellenleiter übertragen - drei durchsichtige Schichten in den Brillengläsern. Sie sind jeweils für eine der Farben Rot, Grün und Blau zuständig.

Extra-Prozessor an Bord

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Mixed Reality kann auch sehr unterhaltsam sein.

(Foto: Microsoft)

Für die Erzeugung der holografischen Bilder benötigt die HoloLens keinen PC, sie ist selbst ein Computer mit allen nötigen Komponenten. Damit die 3D-Projekte verzögerungsfrei angezeigt werden können, hat das Gerät zusätzlich zum Zentral- (CPU) und Grafik-Prozessor (GPU) einen Holografie-Prozessor (HPU). Er ist speziell für die Verarbeitung der Daten zuständig, die die umfangreiche Sensoren-Ausstattung der Brille liefert. Dazu gehören Kameras, die die Umgebung und Abstände wahrnehmen, Lage- und Beschleunigungssensor.

Eine große Herausforderung ist dabei, mit den Bordmitteln die Umgebung schnell zu vermessen und die Position der Brille im Raum zu bestimmen. Ganz wichtig sind auch Informationen zum Umgebungslicht, damit die 3D-Objekte bei verschiedenen Beleuchtungen erkennbar bleiben. Vier Mikrofone nehmen Umgebungsgeräusche auf, eine Kamera zeichnet das Geschehen so auf, wie es der Brillenträger sieht. Informationen kann die HoloLense über WLAN und Bluetooth empfangen und senden.

Klang überträgt die HoloLens über Lautsprecher, die in den Bügeln über den Ohren sitzen und so die Umgebungsgeräusche nicht abschirmen. Töne kommen dabei immer aus der Richtung des virtuellen Objekts, egal wie sich der Brillenträger oder die Quelle bewegen.

Perfekter Sitz wichtig

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Das Gewicht der Brille lastet hauptsächlich auf dem Tragering.

(Foto: Microsoft)

Bevor man die Brille aufsetzen kann, muss der Augenabstand des Trägers gemessen und auf die HoloLens übertragen werden. Ein Dioptrienausgleich ist aber nicht nötig, das Visier ist verschiebbar, sodass man bequem eine Brille tragen kann. Damit die rund 600 Gramm schwere HoloLens perfekt sitzt, hat sie ähnlich wie ein Fahrradhelm einen Tragering, ihr Gewicht drückt daher nicht auf Nase oder Ohren. Die AR-Brille selbst kann geneigt oder vor- und zurückgezogen werden. Eine genaue Justierung ist wichtig, weil das Blickfeld der Brille bisher noch relativ klein ist.

Die Größe des Bereichs, in dem holografische Elemente sichtbar sind, ist vergleichbar mit dem Bildschirm eines 42-Zoll-Fernsehers. So muss man bei größeren Objekten den Kopf bewegen oder das Element verkleinern, um alles zu sehen. Außerdem darf man sich den Holografien nicht zu sehr nähern, unterhalb eines Meters Abstand verschwinden sie. Die HoloLens stellt dabei Holografien bereits relativ scharf dar, lediglich die Kontraste sind noch etwas flau.

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Ein perfektes Team: Skype und HoloLens.

(Foto: Microsoft)

Bei der Demo in London demonstrierte Microsoft zunächst, wie schnell die Brille die Umgebung vermisst. Dazu öffnet man das Menü, indem man die geballte Faust im Sichtfeld der Brille öffnet, wählt durch einen gezielten Blick den entsprechenden Befehl aus und aktiviert ihn, indem man mit der Hand ein L anzeigt und den Zeigefinger nach unten klappt. Weitere Kommandos kann man sprechen, beispielsweise eine Aktion mit "Done" ("Erledigt") abschließen. 3D-Objekte greift man und stellt sie beliebig in den Raum, zweidimensionale Fenster platziert man an Flächen und skaliert sie im Rahmen des darstellbaren Bereichs beliebig. Das klappte im Test problemlos, kompliziert ist die Bedienung der HoloLens wahrlich nicht.

Blick über die Schulter

Um zu demonstrieren, wie mit der HoloLens eine Zusammenarbeit über weite Distanzen möglich ist, durften die Teilnehmer der Microsoft-Veranstaltung zunächst eine defekte Stromverbindung reparieren, indem ein via Skype-Videochat zugeschalteter Techniker Anweisungen gab. Dieser sah dabei genau das, was der Brillenträger betrachtete und konnte so zielgerichtete Sprachanweisungen geben und/oder Kabel, Werkzeuge oder Bereiche markieren. Gesuchte Bauteile können virtuell eingeblendet, Pläne dreidimensional angezeigt werden. So können selbst Laien komplizierte Aufgaben mühelos erledigen. Eines der ersten Unternehmen, die so beispielsweise Wartungsarbeiten durchführen möchten, ist Fahrstuhlhersteller Thyssenkrupp.

Das deutsche Unternehmen setzt die HoloLens aber auch für einen weiteren Bereich ein, in dem Mixed Reality wertvolle Dienste leisten kann: die Konstruktion. Über die HoloLense können beispielsweise Mitarbeiter auf der ganzen Welt gemeinsam an einem Projekt arbeiten, Entwürfe dreidimensional in allen Einzelheiten betrachten und Änderungen vornehmen. Auf diese Weise können Firmen Kunden aber auch Vorschläge machen, egal ob es sich dabei um große Maschinen oder die Kücheneinrichtung handelt. Gewaltig sind die Möglichkeiten auch in Forschung und Bildung. In London demonstrierte Microsoft sie mit anatomischen Modellen, die Studenten von allen Seiten betrachten können.

Insgesamt war es beeindruckend zu sehen, was mit erweiterter beziehungsweise gemischter Realität im Vergleich zu den doch recht eingeschränkten Möglichkeiten virtueller Realität machbar ist. Industrie und Forschung stehen in den Startlöchern, in Deutschland gehören neben Thyssenkrupp auch Audi und VW zu den HoloLens-Pionieren. Richtig Gas gibt die faszinierende Technik im kommenden Jahr, wenn Windows 10 mit einem Update "Holographic" erhält, Microsofts Plattform für Mixed Reality. Entwickler können die HoloLens für 3299 Euro kaufen, kommerzielle Anwender zahlen 5489 Euro. Ausgeliefert wird das Gerät im November.

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Quelle: n-tv.de

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