Technik
Ist es schädlich, ein Smartphone über Nacht zu laden?
Ist es schädlich, ein Smartphone über Nacht zu laden?(Foto: imago/Science Photo Library)
Freitag, 06. Juli 2018

Man muss nicht alles glauben: Schadet langes Laden dem Akku wirklich?

Von Klaus Wedekind

Viele, vielleicht die meisten Nutzer laden ihr Smartphone über Nacht. Doch es gibt mahnende Stimmen, die sagen, damit verkürze man die Lebensdauer des Akkus. Stimmt das? Und wenn ja, macht es wirklich einen Unterschied?

Wenn man die Frage googelt, ob man sein Smartphone über Nacht aufladen soll, findet man sehr viele Artikel zu dem Thema. In den meisten Beiträgen rät man den Nutzern, dies tunlichst bleiben zu lassen, da man so die Lebensdauer der Akkus verkürze. Stattdessen solle man beachten, dass eine Batterie am schonendsten betrieben wird, wenn sich ihr Ladestand permanent irgendwo zwischen 30 und 80 Prozent befindet.

Die angegebenen Werte schwanken, aber es ist tatsächlich richtig, dass ein Akku besonders gestresst wird, wenn man ihn tief entlädt oder wenn man ihn bis an seine Kapazitätsgrenze vollpumpt. Deshalb wäre es eigentlich am besten, wenn man das Handy immer mal wieder zwischendurch lädt. Aber mal ehrlich, wer möchte sich schon den ganzen lieben Tag lang Gedanken machen, ob sich die Handy-Batterie im Wohlfühl-Bereich befindet?

Theorie und Praxis

Das muss man zum Glück auch nicht, denn was in der Theorie richtig ist, wirkt sich in der Praxis kaum aus. Denn seine Ladeelektronik verhindert, dass ein Akku ununterbrochen an der 100-Prozent-Marke gequält wird. Ist die Batterie voll, macht sie eine Pause und lädt erst wieder nach, wenn der Pegel unter einem bestimmten Stand gefallen ist, der nie bei 100 Prozent liegt, sondern in einem schonenderen Bereich.

Manche Hersteller versuchen, Nutzergewohnheiten zu analysieren, um ein zu 100 Prozent geladenes Smartphone genau dann bereitzustellen, wenn es gebraucht wird. Ein gutes Beispiel dafür ist Sonys Batteriepflege. So etwas klappt gerade dann gut, wenn ein Nutzer regelmäßig das Handy anschließt, wenn er zu Bett geht und abstöpselt, wenn er aufsteht.

Eine lange Verweildauer am Netzteil verkürzt so zwar immer noch die Lebenszeit der Batterie. Aber der Effekt ist so gering, dass man ihn vernachlässigen kann. Will man es unbedingt doch noch ein bisschen besser machen, kauft man eine Steckdose mit Zeituhr, die nach spätestens zwei Stunden abschaltet.

Beim kommenden iOS 12 können Nutzer sehen, welche Kapazität der Akku noch hat.
Beim kommenden iOS 12 können Nutzer sehen, welche Kapazität der Akku noch hat.(Foto: n-tv.de)

"Diese Vorgehensweise ist sicher"

Interessant ist, dass sich viele der Artikel, die vom Nacht-Laden abraten, sich auf Beiträge von "Battery University" aus dem Jahr 2010 beziehen, die die negativen Effekte beschreiben, wenn ein Akku konstant bei 100 Prozent gehalten wird. Die Artikel wurden allerdings regelmäßig aktualisiert und dem technischen Fortschritt angepasst.

Am Ende des Beitrags "Wie man die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus verlängert" stellt der Autor die Frage, ob man einen Laptop vom Stromnetz trennen sollte, wenn er nicht benutzt wird. Dies sei unter normalen Umständen nicht nötig, da der Ladevorgang stoppe, wenn der Akku voll sei und nur erneut etwas nachgetankt wird, wenn der Ladestand unter ein bestimmtes Niveau fällt, schreibt er. Die meisten Nutzer ließen ihr Gerät an der Steckdose, schreibt "Battery University", "und diese Vorgehensweise ist sicher."

Hitze ist der wahre Feind

Wirklich schädlich für einen Akku sind dagegen zu tiefe und zu hohe Temperaturen. So rät Apple seinen Nutzern, ein iPhone möglichst nur zwischen 0 und 35 Grad zu betreiben. Man sollte daher auch vermeiden, ein Gerät bei hohen Temperaturen aufzuladen, weil dies den Akku immer zusätzlich erwärmt.

Und wann ist es im Sommer kühler? Richtig, nachts. Stärker erwärmt wird eine Batterie dabei auch nur, bis sie gefüllt ist. Beim späteren, kurzen Nachladen findet so gut wie kein Temperaturanstieg statt. Zusätzlich kann es helfen, wenn man das Handy ausschaltet und auf eine Oberfläche legt, die Wärme gut ableitet.

Ein Akku altert immer

Doch egal, wie gut man einen Smartphone-Akku pflegt: Seine Lebenszeit ist begrenzt. Man misst diese nicht in Jahren, sondern Ladezyklen. Ein Zyklus ist dabei vollendet, wenn die Batterie einmal zu 100 Prozent geladen wurde. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies in einem Rutsch oder in vielen kleinen Vorgängen geschieht. Nach rund 400 bis 500 Ladezyklen ist der Abbau so weit fortgeschritten, dass eine Batterie nicht mehr die volle Kapazität erreicht. Apple garantiert beispielsweise, dass ein iPhone-Akku nach 500 Zyklen noch 80 Prozent schafft.

Aufhalten kann man den Zerfall nicht, nur verlangsamen. Selbst wenn man ein Gerät nicht nutzt, baut ein Akku stetig ab. Um bei einer längeren Lagerung den Alterungsprozess zu minimieren, sollte man den Ladestand bei ungefähr 50 Prozent halten und einen Aufbewahrungsort mit Zimmertemperatur wählen.

Quelle: n-tv.de