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RAM-Bedarf von Smartphones Wie viel Arbeitsspeicher braucht man?

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Die Speicherauslastung beim Sony Xperia XA1: noch genug Platz.

(Foto: jwa)

Android-Hersteller setzen gerne immer neue RAM-Bestmarken, Apples iPhones kommen mit 2 oder 3 Gigabyte Arbeitsspeicher aus. Was ist besser? Wie viel Arbeitsspeicher sollte ein Handy mindestens haben und wie viel ist genug?

Das wichtigste Bauteil eines Smartphones ist der Prozessor. Er ist quasi der Motor des Handys, ohne geht nichts. Genauso wichtig ist aber der Arbeitsspeicher oder RAM. In ihm werden alle benötigten Daten abgelegt, die laufende Programme und Dienste brauchen, um korrekt zu funktionieren - zum Beispiel das Betriebssystem und alle gestarteten Apps, aber auch Hintergrundprozesse oder Hintergrundbilder.  

RAM steht für "Random-Access Memory", Speicher mit Direktzugriff. Der schnelle Arbeitsspeicher ist kein permanenter Speicherort, er ist flüchtig: Wird eine App beendet, verschwinden auch ihre Daten aus dem Arbeitsspeicher, und wenn er nicht mit Strom versorgt wird, verschwinden alle Daten. Ganz anders beim langsameren internen Festspeicher oder Flash-Speicher, auf dem Musik, Fotos, Videos und andere Dateien gespeichert werden. Er ist nichtflüchtig, hier bleiben die Daten dauerhaft erhalten.

Je mehr, desto besser?

Der schnelle Arbeitsspeicher und der langsame Festspeicher haben eine einfache Gemeinsamkeit: Es ist nie verkehrt, genug davon zu haben. Beim internen Speicher ist das klar: Je größer er ist, desto mehr Platz gibt es für Fotos, Musik und Co. Aber gilt das Gleiche für die Größe des RAM? Gibt es auch eine Obergrenze, deren Überschreitung keinen Sinn ergibt? Oder mit anderen Worten: Braucht man Smartphones mit 6 GB RAM, nur weil es sie gibt?

Eine universelle Antwort gibt es nicht. Grundsätzlich gilt: Wer als Multitasker zwischen vielen Apps hin und her springen möchte, der braucht auch mehr RAM als ein Gelegenheitsnutzer. Je mehr Anwendungen im Arbeitsspeicher bleiben können, desto schneller gelingt der Wechsel zwischen Apps in ihrem jeweiligen letzten Status. Ist der Arbeitsspeicher zu voll, wirft das System automatisch Daten raus, die dann bei Bedarf neu geladen werden müssen. Das verbraucht Zeit und Energie.

Ja, aber ...

Viel RAM ist also gut. Aber: Selbst Apps mit großem RAM-Hunger beanspruchen im Maximum höchstens einige 100 Megabyte. Das zeigt ein Blick in die Speicherstatistik, die es auf jedem Android-Smartphone in den Einstellungen zu finden gibt, ab Android 6 unter Speicher, Daten- und Arbeitsspeicher oder ähnlich.

Den größten Speicherbedarf hat in den allermeisten Fällen das System, und das ist seit Android 4.4 genügsam und kommt mit weniger als 1 Gigabyte aus. Android 7 beansprucht auf dem Sony Xperia XA1 zum Beispiel nur knapp 1 GB. Hinzu kommen noch einige System-Dienste, die zusätzlichen Platz beanspruchen - großzügig geschätzt ein weiteres Gigabyte. Das Mittelklasse-Smartphone hat 3 Gigabyte RAM, rund ein Drittel ist also selbst dann noch frei und kann von anderen Apps oder für Cache und Puffer genutzt werden.

iPhones bieten keinen Einblick in die Speicherausnutzung, gravierende Unterschiede gibt es zwischen beiden Systemen in diesem Fall aber nicht. iOS erlaubt allerdings nicht allen Apps im gleichen Maße wie Android, im Hintergrund weiterzulaufen. Im Gegenzug ist das System effektiver beim Umgang mit Daten im Hintergrund, kann sie besser komprimieren und deshalb bei gleicher RAM-Größe mehr Apps laden. Das hat Android-Authority-Redakteur Gary Sims herausgefunden - wie, das erklärt er in diesem informativen Video.

Also?

Aber wie viel ist nun genug? Für Gelegenheitsnutzer sollten 2 oder 3 Gigabyte völlig ausreichen. iOS-Nutzer kommen damit möglicherweise etwas weiter als Android-Nutzer, wenn sie ihren verfügbaren Speicher voll ausreizen. Wer zwischen vielen Apps häufig hin und her wechseln möchte, die viel Arbeitsspeicher beanspruchen, zum Beispiel Smartphone-Spiele, ist mit 4 Gigabyte auf der sicheren Seite. Mehr ist gut, aber derzeit nicht wirklich nötig.

Die Frage nach der Größe des RAM lässt sich letztendlich am besten mit den Ansprüchen des Nutzers und einem realistischen Nutzungsszenario beantworten - und die allermeisten Smartphone-Besitzer dürften Kapazitäten oberhalb der 4-GB-Grenze im Moment nicht ausnutzen. Das kann sich freilich in Zukunft ändern: Anwendungen mit aufwändigen VR-Darstellungen oder Games mit anspruchsvollster Grafik sind RAM-hungriger und stellen höhere Ansprüche an die Smartphones.   

Quelle: ntv.de

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