Technik

Asus vereint Tango und Daydream Zenfone AR zeigt die Zukunft schon jetzt

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Dreamteam: Das Asus Zenfone AR und Googles Daydream View.

(Foto: jwa)

Das Asus Zenfone AR ist ein einzigartiges Smartphone: Es unterstützt Googles VR-Plattform und bringt mit Tango Augmented Reality für die Hosentasche. Welche Möglichkeiten bieten beide Plattformen? Und was hat das Asus-Flaggschiff sonst noch drauf?

Die Realität erweitern oder gleich durch eine virtuelle Wirklichkeit ersetzen, das sind derzeit zwei große Themen für die Unterhaltungselektronik-Branche. Google spielt bei beiden vorne mit: Mit Daydream hat der Konzern 2016 eine eigene Virtual-Reality-Plattform samt zugehöriger VR-Brille vorgestellt. Das Augmented-Reality-Projekt von Google, dessen Ziel es ist, die sichtbare Realität um virtuelle Inhalte zu erweitern, heißt Tango. Das Asus Zenfone AR ist eines der ersten Smartphones, die sowohl Daydream als auch Tango unterstützen. Eine echte Besonderheit also.

Starker Spielgefährte

Technische Daten

  • System: Android 7.0
  • Display: AMOLED, 5,7 Zoll, 2560x1440p, 515 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 821
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 128 GB
  • Kamera: 23 MP, f/2.0, OIS, Infrarot- und Bewegungserkennung
  • Frontkamera: 8 MP
  • WLAN ac, NFC, Bluetooth 4.2
  • Fingerabdruck-Sensor
  • Hi-Res Audio
  • Akku: 3300 mAh
  • Abmessungen: 158,67 x 77,7 x 8,95 mm
  • Gewicht: 170 g

Eindruck wecken, das soll das große, starke Smartphone vom ersten Augenblick an. Dafür sorgt schon der Karton, in dem das Testgerät verpackt ist. Er ist ungewöhnlich groß und schwer. Der Grund: Asus will sein Super-Phone bestmöglich präsentieren, und dazu gehört eben nicht nur das Smartphone, sondern auch ein paar gute In-Ear-Kopfhörer und eine Daydream View von Google. Die VR-Brille mit Stoffüberzug ist die Eintrittskarte in Googles VR-Welt.

Das Testpaket ist gut ausgestattet, die Botschaft ist klar, das Zenfone AR fordert: Spiel mit mir! Deshalb nur ein schneller Blick auf die technischen Daten: Das AMOLED-Display ist hell und scharf, 2560 x 1440 Pixel machen es VR-tauglich. Der Snapdragon-821-Prozessor ist zwar aus dem vergangenen Jahr, aber immer noch stark und zudem laut Asus auf VR und AR optimiert – als das Smartphone gebaut wurde, war der neuere 835 noch nicht zu haben. Der Arbeitsspeicher im Testgerät ist zwar nur 6 Gigabyte groß (Asus wirbt mit 8 GB), aber immer noch großzügig genug bemessen. Gute Voraussetzungen also, die durch gute Benchmark-Testergebnisse bestätigt werden. Fit genug ist das Zenfone AR schon mal.

Die 23-Megapixel-Kamera taugt für gute Fotos und bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und Aufnahmemodi, mit denen auch ambitionierte Handy-Fotografen gut arbeiten können. Pluspunkte gibt‘s auch für Design und Verarbeitung: Trotz des großen Displays und der aufwändigen Technik im Gerät wirkt es weder zu groß noch klobig, die Rückseite aus Kunstleder fühlt sich gut an. Ein Aluminiumrahmen fasst das Gerät ein, die Ränder ums Display sind angenehm schmal. Abgesehen von seinen speziellen Fähigkeiten ist das Zenfone AR damit alltagstauglich und in der Lage, als Erst-Smartphone alle wichtigen Aufgaben zu übernehmen.

VR und AR als Spielwiese

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Das Zenfone AR unterstützt Googles Plattformen Tango und Daydream.

(Foto: jwa)

Hinter seine Alltagsbegleiter-Fähigkeiten kann man also ruhigen Gewissens einen Haken setzen. Doch interessant ist, was es noch so drauf hat. Smartphones mit VR-Brille sind nichts neues, entsprechend kann das Zenfone AR in dieser Kategorie nicht begeistern, sondern "nur" erwartungsgemäß abliefern. Das Bild durch Googles Daydream View ist scharf, alle Anwendungen laufen flüssig und ohne Ruckler oder Verzögerung. Auch bei längerem Tragen wird das Gerät am Kopf nicht zu schwer. Nützlich ist die kleine Fernbedienung, die es bei der Daydream View dazu gibt und mit der man mühelos durch die Virtuelle Realität navigieren kann.

Interssanter wird‘s beim Thema AR, denn das Zenfone AR hat auf der Rückseite nicht nur eine gewöhnliche Kamera, sondern zudem eine Kamera, die Bewegungen erfasst, und einen Infrarot-Sensor, der Entfernungen misst. Neben Lenovos Phab 2 Pro ist es damit das einzige Tango-Smartphone. Und das Lenovo-Geräte ist riesig, schon eher ein Tablet als ein Smartphone. Eine echtes Unikat also - die große Frage ist aber: Wofür braucht man jetzt schon Tango? Im Test stellt sich schnell heraus, dass die Plattform zwar enormes Potenzial hat, aber noch in den Kinderschuhen steckt.

Tango hat Potenzial

Ähnlich wie die bereits verfügbaren VR-Anwendungen schnell ihren Reiz verlieren, ist Tango aktuell nicht viel mehr als nette Spielerei und ein Vorgeschmack darauf, was auf dem Gebiet noch passieren kann und wird. Die bisher verfügbaren Apps sind allesamt nett, aber im Nutzen beschränkt. Für einen ersten Test bietet sich die App "Measure" an, die Räume und Gegenstände vermisst. Das ist zwar überaus nützlich, bisher aber nur bedingt alltagstauglich, denn im Test arbeitete die App nur ungenau. Abweichungen von rund zehn Zentimetern waren die Regel, gelegentlich lag sie aber auch mal über einen Meter daneben. Der Heimwerker-Traum vom Vermessen vom Sofa aus geht also noch nicht in Erfüllung.

Andere Anwendungen, zum Beispiel die Anprobe-App von GAP, der Auto-Konfigurator von BMW oder die Home-Shopping-App von Wayfair für Möbel und Einrichtungsgegenstände zeigen ein mögliches Anwendungsgebiet für Endnutzer: bequemes Einkaufen von Zuhause aus, inklusive Anprobieren, Ausprobieren und Einrichten. Die App Dinosaurs Among Us zeigt ein weiteres Einsatzgebiet von AR: Bildung und Wissensvermittlung. Nutzer können Dinosaurier als 3D-Modelle mitten in den Raum stellen und um sie herum laufen oder Bilder von Sauriern an die Wand hängen. Die App beziehungsweise das Gerät merkt sich dabei die genaue Position. Man kann also den Raum verlassen, wiederkommen und die Saurier sind immer noch da.

Das Zenfone ist zukunftsfähig

Erstaunlich ist, wie schnell man als Nutzer die erweiterte Realität akzeptiert und manchmal kurz verwundert ist, wenn man den Blick vom Smartphone-Display löst und im Zimmer plötzlich gar kein Dino mehr steht. Das zeigt aber auch schon eine der Schwachstellen von Tango. Bisher gibt es nämlich keine passende AR-Brille dafür, sodass man das Smartphone immerzu in der Hand halten und aufs Display starren muss. Erst wenn es eine Tango-Brille gibt, mit der Nutzer ähnlich wie bei Microsofts Hololens die Hände frei haben, macht AR richtig Spaß. Und richtig nützlich wird die Technologie erst, wenn aus den Entwicklerstuben noch bessere, ausgefeiltere Apps kommen.

Die Einsatzmöglichkeiten reichen nämlich weit, doch so weit ist Tango noch nicht. Wichtig und nützlich ist beim Zenfone AR vor allem, dass es die nötige Hardware dafür hat und zukunftsfähig ist. Das macht es zu einer Zwischenlösung. Experimentierfreudigen Nutzern gibt es einen exklusiven, spannenden Ausblick auf das Potenzial von AR und zugleich einen Zugang zu Googles VR-Plattform. Darüber hinaus ist es auch ohne seine AR- und VR-Fähigkeiten ein starkes und schickes Gerät. Doch einen wirklichen Kaufgrund gibt es für Nutzer, die "nur" ein gutes Smartphone suchen, nicht - zumal das Gerät rund 900 Euro kostet. Und weil Tango noch in den Kinderschuhen steckt, kann man getrost noch etwas abwarten und erst bei der nächsten Generation auf den Zug aufspringen.

Quelle: n-tv.de

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