Wirtschaft

Boni, Busse, Flugzeuge Wie China Arbeiter in die Fabriken treibt

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In China winken Arbeitern teils hohe Prämien, wenn sie ihre Arbeit wieder aufnehmen.

(Foto: imago images/Xinhua)

China scheut keine Mittel, um die schleppende Industrieproduktion wieder in Gang zu bringen. Arbeiter werden mit Shuttlebussen eingesammelt. Sogar Charterflüge werden organisiert. Firmen versuchen, mit großzügigen Geldgeschenken die Arbeitsbereitschaft zu erhöhen.

Die chinesische Wirtschaft schafft es nur zögerlich, die Corona-Starre abzuschütteln. Die Behörden versuchen, das Hochfahren der Produktion deshalb mit allen Mitteln zu beschleunigen. Damit es bei Smartphones, Spielzeug und anderen Waren, die China in die ganze Welt liefert, zu keinen gravierenden Engpässen kommt, organisieren Städte wie Shanghai und Peking inzwischen Shuttle-Fahrten. Kostenlose Züge und Busse sollen die Arbeiter, die jetzt wegen der Epidemie wochenlang zu Hause waren, zügig an ihre Werkbänke zurückbringen.

Am Montag organisierten und bezahlten zwei Stadtregierungen sogar einen Charterflug für 170 Arbeiter von Hanzhong in Zentralchina. Wie die britische Zeitung "Financial Times" berichtet, war das Ziel des Fliegers das Handelszentrum von Yiwu in der Provinz Zhejiang. Yiwu ist ein wichtiges Zentrum für den Handel mit Kleinwaren. 2013 wurden von hier mehr als 170 verschiedene Produkte in nahezu alle Länder der Welt exportiert.

Zahlreiche Regionen haben die Transport- und Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus mittlerweile gelockert. Sie reagierten damit auf eine direkte Aufforderung von Staatspräsident Xi Jinping, der die Firmen des Landes am Wochenende dazu aufrief, ihre Arbeit wiederaufzunehmen. Etwa die Hälfte der chinesischen Bezirke habe keine Coronavirus-Fälle, appellierte er. Provinzen mit geringen Ansteckungsrisiken sollten ihre Wirtschaft hochfahren, während solche mit immer noch hohen Risiken sich auf die Eindämmung der Epidemie konzentrieren sollten.

Druck auch vom Finanzmarkt

Der Druck, die Wirtschaft in Gang zu bringen, ist mit den jüngsten weltweiten Börsenturbulenzen gewachsen. Bereits zu Beginn der Woche hatte die weitere Ausbreitung des Virus die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Am Mittwoch geht die Rutschpartie weiter. Hintergrund ist die Sorge vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie - unter anderem durch Maßnahmen von Behörden oder Unternehmen wie etwa Reisebeschränkungen oder Werksschließungen. Die globalen Lieferketten sind davon in hohem Maße betroffen.

Auch die Unternehmen machen deshalb Druck. Der weltgrößte Vertragsfertiger Foxconn, zu dessen Kunden neben Apple auch andere namhafte Elektronikanbieter gehören, lockt seine Mitarbeiter mit großzügigen Geldgeschenken, um sie zur Rückkehr zu bewegen und damit sicherzustellen, dass die iPhone-Herstellung nicht ausgebremst wird. Statt maximal rund 3000 Yuan werde ihnen nun ein Bonus von bis zu 7000 Yuan monatlich in Aussicht gestellt, wenn sie zur Arbeit kommen, berichtet der taiwanische Branchendienst Digitimes unter Berufung auf Quellen aus der Industrie. Statt 400 winkt Arbeitern, die jetzt wieder zur Arbeit antreten, damit eine Prämie von bis zu 900 Euro.

Ähnlich handhabt es der konkurrierende Vertragshersteller Pegatron, ebenfalls ein Apple-Zulieferer. Er bietet umgerechnet 1300 Euro, um Leiharbeiter auf seinen Campus in Shanghai zu locken. Nach offiziellen Angaben hat China 291 Millionen sogenannter Wanderarbeitnehmer, das entspricht mehr als einem Drittel der gesamten Erwerbsbevölkerung von 775 Millionen. Formelle und informelle Quarantänemaßnahmen der lokalen Behörden im ganzen Land machen es für viele immer noch kompliziert, ihre Wohnorte zu verlassen.

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China-Produktion dümpelt bei einem Drittel der Kraft

Nach offiziellen Angaben hat die Mehrzahl der großen Unternehmen in China in sieben wichtigen Provinzen im Osten die Produktion zwar inzwischen wieder aufgenommen. Doch kleine und mittlere Firmen tun sich mit dem Hochfahren schwer. Von ihnen sollen erst schätzungsweise 30 Prozent die Werkstore wieder geöffnet haben. Bis China wieder im Normalbetrieb ist und so viel produziert wie vor Ausbruch des Coronavirus, könnten nach jetzigem Stand noch Wochen vergehen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters schätzt der taiwanische Börsenmakler KGI, dass die gesamte Produktion bis zum Monatsende lediglich 30 bis 40 Prozent erreicht haben dürfte.

Neue Zahlen signalisierten zu Wochenbeginn eine gewisse Entspannung der Lage. So meldeten 24 der 31 chinesischen Provinzen für Sonntag keine Neuinfektionen. Das ist der beste Wert, seit am 20. Januar erstmals landesweite Statistiken veröffentlicht wurden. Das Virus ist nach den Worten Xis die größte Gesundheitskrise in China seit der Gründung der Volksrepublik 1949. Die Epidemie werde "unvermeidlich" große Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft und Gesellschaft haben, es handele sich aber um kurzfristige und kontrollierbare Effekte, sagte er.

Quelle: ntv.de, ddi