Wirtschaft

Tech-Riesen, Onlineshops, Reiche Das sind die Gewinner der Pandemie

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Apple hat weltweit am meisten von der Corona-Krise profitiert, aber auch Alphabet und Facebook.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Im Homeoffice sind wir auf digitale Technik angewiesen, den Tech-Firmen geht es so gut wie lange nicht. Aber auch andere Branchen wie der Onlinehandel oder selbstverständlich die Impfstoffhersteller profitieren von der Corona-Krise. Der Gewinn ist allerdings nicht für alle von Dauer.

Zwei Jahre sind wir jetzt schon im Pandemie-Modus. Wir sitzen im Homeoffice, bestellen Essen im Internet und sprechen mit unseren Freunden per Videokonferenz. Davon profitieren vor allem die Tech-Firmen. Die großen Gewinner der Pandemie kommen aus dem Silicon Valley. "Apple zählt zu den ganz großen Gewinnern", sagt Alexander Kritikos, Vorstandsmitglied im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Leiter der Forschungsgruppe Entrepreneurship, im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". Auch andere hätten enorme Anstiege zu verzeichnen gehabt, "Facebook, Amazon, Netflix. Aber auch die Spieleindustrie, Nintendo zum Beispiel, hat enorm profitiert in der Zeit."

Die "Financial Times" hat die Gewinner der Pandemie in einer Liste zusammengestellt. Auf Platz eins landet Apple, gefolgt von Microsoft und der Google-Mutter Alphabet. Der iPhone-Hersteller hat 2021 einen Rekordgewinn gemacht. Und Anfang Januar hat das Unternehmen auch den Börsen-Rekord geknackt: Apple ist das erste Unternehmen der Welt, das einen Wert von drei Billionen Dollar erreicht hat. Das ist übrigens mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung von Großbritannien. Auch andere Tech-Riesen finden sich unter den weltweiten Pandemiegewinnern, Chiphersteller wie Nvidia, aber auch Onlinehändler, Inneneinrichter, Hersteller von Alkohol und Luxusartikeln sowie natürlich Gesundheitsunternehmen.

In Deutschland profitierten vor allem Versandhändler von der Pandemie. "Alle Unternehmen, die in der Lage waren, unterschiedlichste Konsumgüter virtuell zu verkaufen und dann zu verschicken. Wenn wir jetzt an große deutsche Unternehmen denken: Delivery Hero, Hello Fresh, Zalando oder eben auch Serviceunternehmen wie Teamviewer", erläutert Kritikos.

Neben der Lebensmittel- habe auch die Spieleindustrie profitiert. Und auch Unternehmen, die anderen Firmen bei der Digitalisierung geholfen hätten. "IT-ler, Softwaredienstleister, Webdienstleister. Die haben natürlich auch enorm davon profitiert, dass plötzlich viele Unternehmen gezwungen waren, auf virtuelle Angebote umzustellen." Große Gewinner seien auch die Medizin- und Gesundheitsbranche und die pharmazeutische Industrie.

Mainz dank Biontech bald schuldenfrei

Gerade die Impfstoffhersteller wie Biontech oder Pfizer haben von der Pandemie profitiert. "Biontech war die größte Überraschung und hat auch dazu geführt, dass das Gebiet, in dem Biontech liegt, plötzlich überrascht ist von den unglaublich hohen Steuereinnahmen, die sie über die Gewerbesteuer dort generieren konnten", sagt Kritikos. Die Stadt Mainz, wo die Firma ihren Hauptsitz hat, war eigentlich hochverschuldet. Dank Biontech könnte die Stadt Ende dieses Jahres schuldenfrei sein.

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Warum wäre ein Waffenstillstand für Wladimir Putin vermutlich nur eine Pause? Warum fürchtet die NATO die Suwalki-Lücke? Wieso hat Russland wieder iPhones? Mit welchen kleinen Verhaltensänderungen kann man 15 Prozent Energie sparen? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

Alle Folgen finden Sie in der ntv App, bei RTL+ Musik, Apple Podcasts und Spotify. "Wieder was gelernt" ist auch bei Amazon Music und Google Podcasts verfügbar. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden.

Der Impfstoff-Erfolg hat auch dem Gründer-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci viel Geld eingebracht. Sahin taucht zum ersten Mal auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt auf. Mit einem Vermögen von etwa sieben Milliarden Dollar liegt er aktuell auf Platz 373 und gehört damit zu den 20 reichsten Deutschen.

Die Nummer eins der reichsten Menschen der Welt ist aber weiter Elon Musk mit einem geschätzten Vermögen von rund 235 Milliarden Dollar. Tesla hat vergangenes Jahr so viel verdient wie noch nie - trotz Pandemie und Chipkrise. Musk habe auf die erfolgreichen Themen Klima und Elektromobilität gesetzt, erklärt Alexander Kritikos im Podcast.

Netflix muss sich gegen Konkurrenten durchsetzen

Die Organisation Oxfam kritisiert, die Superreichen wie Jeff Bezos würden durch die Pandemie immer reicher, gleichzeitig gebe es aber immer mehr Armut auf der Welt. Auch Kritikos stellt die Frage der gerechten Verteilung: "Subjektiv wird es immer bei vielen Menschen Befremden auslösen, wenn sie sehen, dass einzelne Personen sehr stark davon profitieren. Darauf muss sich ein Sozialstaat in Zukunft besser einstellen und sich fragen: Ist die Art und Weise, wie wir in Deutschland umverteilen, über Steuern und Transfers, ausreichend?"

Der Boom durch die Pandemie hält nicht ewig an - für einige Unternehmen scheint er schon vorbei zu sein. Der Streamingmarkt erlebt gerade schwierige Zeiten - auch Netflix, dessen Aktienwert Ende Januar um rund 20 Prozent abgestürzt ist. Die Branche ist riesig und übersättigt. Irgendwann haben alle ein Abo und sind dann versorgt oder man muss sich zwischen mehreren Anbietern entscheiden.

Aber auch andere sogenannte "Stay-at-Home"-Aktien mussten Federn lassen. Unternehmen wie Delivery Hero, Hello Fresh, Zalando oder Teamviewer hätten in kürzester Zeit ihre Kurse halbiert, berichtet Kritikos. "Das hat bei diesen Unternehmen sicherlich auch damit zu tun, dass sie zwar ein enormes Kurswachstum hatten, aber immer noch nicht auf Profite aus waren, sondern eher auf ein hohes Wachstumstempo. Sie hatten das Ziel, Marktführer in ihren jeweiligen Bereichen zu werden. Sie haben die Profitabilität nach hinten geschoben."

Noch ist die Pandemie nicht vorbei. Und selbst danach werden wir vieles, was wir täglich brauchen, auch weiterhin im Internet bestellen. Eins ist deshalb schon mal klar: Der Onlinehandel wird auch dieses Jahr wieder Rekordumsätze machen. Verlierer dabei sind die Einzelhändler. Dieses Jahr droht noch einmal tausenden Geschäften in Deutschland das Aus.

Wo finde ich "Wieder was gelernt"?

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Quelle: ntv.de

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