Marktberichte

Wall Street schließt satt im Plus 10.000 lassen den Dax erstrahlen

Am Montag schenkt der Markt die 10.000er Marke kurz vor Handelsende noch her. Am Dienstag verabschiedet sich der Leitindex darüber, steht kurz sogar über 10.100. An den US-Börsen sorgen steigende Ölpreis für Kursgewinne.

"Daumen drücken, dass es bis zum Handelsende hält", sagt n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf am Dienstagnachmittag noch. Das Daumendrücken hat geholfen, der Dax ist über der psychologisch wichtigen 10.000er Marke aus dem Handel gegangen. Ein wildes Auf und Ab ging dem aber voraus und erst ein deutlicher Aufschlag an der Wall Street sicherte dann ab.

Der Dax schloss 0,7 Prozent fester bei 10.045 Punkten. Das Tageshoch markiert er früh bei 10.107 Stellen. Am Montag war der Leitindex bis auf 10.069 Zähler im Tageshoch geklettert, hat dann aber bei 9980 Stellen geschlossen. Der MDax gewann 0,9 Prozent auf 20.228 Punkte. Der TecDax verbesserte sich 0,6 Prozent auf 1630 Zähler.

Stützend wirkte Marktteilnehmern zufolge zum einen ein nachgebender Yen. Dazu zog der Ölpreis wieder an. Das Augenmerk der Anleger richtete sich in erster Linie aber auf eine Vielzahl von Quartalsberichten. Vor allem im MDax war Großkampftag bei den Geschäftsausweisen angesagt.

Rohstoffe: Ölpreis klettert

Der Ölpreis legte im Handelsverlauf immer deutlicher zu - nach kräftigen Schwankungen in den vergangenen Handelstagen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Abend 44,85 Dollar und damit 2,8 Prozent mehr als zum US-Settlement am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) schwankte erneut, stand dann aber 1,3 Prozent höher bei 43,99 Dollar.

Am Montagabend waren die Ölpreise noch deutlich abgerutscht, nachdem kanadische Ölfirmen Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Förderung getroffen hatten. Zuvor hat ein Waldbrand in der kanadischen Ölprovinz Alberta die Ölproduktion gebremst und die Preise zeitweise kräftig steigen lassen. Nach wie vor wird aber in Kanada deutlich weniger Öl gefördert und in die USA geliefert. Experten wollten daher einen Rückgang der US-Ölreserven nicht ausschließen.

Dax: Thyssenkrupp im Abwärtssog

Im Dax enttäuschten vor allem zwei Einzelwerte: Bei Munich Re fielen die Zahlen etwas schlechter als ohnehin befürchtet aus, wie es im Handel hieß. "Die Ergo-Restrukturierung scheint sich immer mehr zu einem Klotz am Bein der Munich Re zu entwickeln", kommentierte ein Marktteilnehmer. Sie dürfte damit in Zukunft noch stärker in den Fokus rücken. Für die Munich-Re-Titel ging es etwa 2,6 Prozent abwärts. Sie übernahmen damit die rote Laterne im Dax.

Die hatte zuvor lange Zeit Thyssenkrupp inne. Zeitweise sackten die Titel rund 5 Prozent ab, nachdem sie bereits zum Wochenauftakt mehr als 5 Prozent nachgegeben hatten. Am Ende stand bei den Thyssenkrupp-Papieren aber nur ein Minus von etwa 0,1 Prozent. Der Konzern senkte den Jahresausblick und legte Quartalszahlen vor, die schwächer als erwartet ausgefallen waren.

Auf der Gegenseite standen erneut Volkswagen, die rund 4 Prozent zulegen konnten. Auch zum Wochenstart hatten die Titel zu den größten Gewinnern gezählt. Deutsche Bank verbesserten sich etwa 2 Prozent, RWE 2,5 Prozent.

MDax: Hannover Rück macht's besser

Die Zahlen der Hannover Rück kamen im Handel gut an. "Die Daten sehen insgesamt sehr gesund aus", sagte ein Händler. Zwar sei das Anlageergebnis der Hannoveraner schwächer als erwartet ausgefallen, dank einer deutlich besseren Schaden-Kosten-Quote sei das operative Ergebnis aber deutlich weniger als erwartet zurückgegangen. Hannover Rück zogen zeitweise mehr als 3 Prozent an, schlossen dann aber leicht im Minus.

Bei Aurubis genau das umgekehrte Bild: Auf Abgaben von rund 1 Prozent folgte ein Endaufschlag von rund 0,5 Prozent. Europas größter Kupferkonzern erwartet bei der Wartung seiner Hütte im bulgarischen Pirdop keine Verzögerungen. "Aktuell laufen die Arbeiten planmäßig und wir rechnen mit dem Wiederanfahren der Anlagen Anfang Juni", so Aurubis.

Topgewinner Aareal

Die Aareal Bank habe solide Quartalszahlen vorgelegt, sagte Christian Koch von der DZ Bank. Sie seien aus qualitativer Sicht aber von einem hohen Ertrag aus dem Handel gekennzeichnet. Niedrigere Einnahmen im Neugeschäft bereiteten keine Sorge, weil die Volumen im Kerngeschäft der Bank (CRE) stabil seien. Aareal-Titel sprangen  zeitweise mehr als 12 Prozent an und schlossen dann etwa 9 Prozent fester.

"Nicht schlecht, aber auch keine Inspiration", kommentierte ein Händler die Zahlen von K+S. Zwar liege der bereinigte Gewinn je Aktie mit 0,77 Euro deutlich über der Erwartung von 0,66 Euro, jedoch sei diese bereits gering gewesen. Vom Ausblick auf das laufende Jahr gingen zudem keine positiven Impulse aus. Hier erwartet das Unternehmen den Umsatz weiter unter Vorjahresniveau und sieht den Gewinn deutlich darunter. K+S-Aktien gehörten dennoch mit einem Aufschlag von etwa 3 Prozent zu den größten MDax-Gewinnern.

TecDax: Evotec überzeugen

Nordex präsentierten sich etwa 0,4 Prozent fester. Der Konzern steigerte seinen Umsatz jüngst deutlich: Die Erlöse legten im ersten Quartal um rund 28 Prozent auf 637 Millionen Euro zu. Grund dafür war nach den Angaben des Konzerns vor allem die operative Leistung in den Bereichen Produktion und Installation. Der Auftragseingang ging in der Zeit von Januar bis März aber um 16 Prozent auf 541 Millionen Euro zurück.

Evotec habe sich "im üblicherweise schwachen ersten Quartal erstaunlich gut geschlagen", sagte ein Händler. Das EBITDA liege mit 7,2 Millionen Euro weit über der Schätzung seines Hauses von rund 1 Million Euro. Vor allem im wichtigsten Geschäftsbereich "Execute" habe der Umsatz die Prognose deutlich übertroffen, hieraus resultiere der unerwartet hohe operative Gewinn. Evotec waren mit einem Plus von mehr als 7 Prozent Top-Gewinner im TecDax.

SDax: Heideldruck hilft Koenig & Bauer

Koenig & Bauer zogen im Windschatten von Heideldruck deutlich an: mehr als 7 Prozent. "Heideldruck hat endlich geliefert", sagte ein Beobachter. Die schon seit zwei Jahren erwartete Besserung trete nun ein. Koenig & Bauer stehen nun unmittelbar am Allzeithoch vom vergangenen November. Ein nachhaltiger Ausbruch über 36 Euro deutete auch aus charttechnischer Sicht auf Anschlusspotenzial hin.

Der Kurs von Heideldruck sprang mehr als 12 Prozent an. Die Analysten des Bankhauses Lampe sprachen von einer zunehmenden Investitionsbereitschaft in der Branche. Sie empfahlen Koenig & Bauer sowie Heideldruck zum Kauf.

USA: Wall Street schließt mit kräftigem Plus

Dow Jones
Dow Jones 26.220,00

Steigende Ölpreise haben für ein kräftiges Plus an der Wall Street gesorgt. Die Indizes verzeichneten dabei ihre stärksten Tagesgewinne seit fast zwei Monaten und schlossen in der Nähe ihrer Tageshochs. Allerdings wollten Teilnehmer die positive Entwicklung nicht überbewerten. "Die heutigen Aufschläge sollten im Kontext eines Marktes gesehen werden, der sich weiterhin seitwärts entwickelt", sagte Analyst Michael Antonelli von R.W Baird & Co. Die Indizes bewegten sich im Anschluss an die Aufschläge aus dem frühen Handel mangels weiterer Impulse seitwärts. Zudem waren die Umsätze weiterhin niedrig.

Der Dow-Jones-Index stieg um 1,3 Prozent auf 17.928 Punkte. Der S&P-500 erhöhte sich um 1,2 Prozent auf 2.084 Punkte. Der Nasdaq-Composite verzeichnete ein Plus von 1,3 Prozent auf 4.810 Punkte. Der Umsatz fiel auf 854 (Montag: 966) Millionen Aktien. Es gab dabei 2.358 (1.438) Kursgewinner und 717 (1.646) -verlierer. Mit einer unveränderten Tendenz schlossen 108 (98) Titel.

Amazon
Amazon 1.805,60

Mehr Musik spielte bei der Kursentwicklung ausgewählter Einzelaktien. Für die Amazon-Aktie ging es um 3,5 Prozent auf 703,25 Dollar nach oben. Die Papiere schlossen damit auf einem Allzeithoch. Positiv wirkte sich vor allem eine Studie von Bernstein aus. Die Analysen halten die Aktie für unterbewertet und haben das Kursziel auf 1.000 Dollar von zuvor 770 Dollar angehoben.

Dagegen brach die Aktie von Solarcity um 20,8 Prozent ein. Das Unternehmen bekommt die Kosten nicht in den Griff. Deshalb rutschte Solarcity, dessen Chairman Tesla-Gründer Elon Musk ist, im ersten Quartal überraschend stark in die Verlustzone. Auch der Ausblick auf das Geschäftsjahr enttäuschte.

Hertz gewannen 0,2 Prozent. Zwar verfehlte der Autoverleiher mit den Zahlen für das erste Quartal die Erwartungen des Marktes, doch hält er an seinem operativen Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr fest. Dem Preisdruck in der Branche will Hertz mit verstärkten Kostensenkungen begegnen.

Devisen: Euro schwankt unter 1,14

Der Euro bewegte sich am Dienstag kaum. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,1390 Dollar und damit etwa 0,1 Prozent mehr als zum Wochenstart. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1375 Dollar fest nach 1,1395 Dollar zu Wochenbeginn. Seit Ende der vergangenen Woche bewegt sich der Euro in einer vergleichsweise engen Handelsspanne von weniger als einem halben Cent.

Ein überraschender Anstieg der deutschen Exporte konnte den Euro kaum bewegen. Die Ausfuhren hatten im März an den starken Vormonat angeknüpft und um 1,9 Prozent zugelegt. Allerdings war die deutsche Industrieproduktion ebenfalls im März deutlich stärker gesunken als erwartet. Nach wie vor steht die Geldpolitik in den USA besonders stark im Fokus der Anleger.

Asien: Nur Nikkei überzeugt

An den ostasiatischen Börsen war keine einheitliche Tendenz vorherrschend. Während sich die Kurse in Schanghai nur geringfügig von den heftigen Verlusten zu Wochenbeginn erholten, ging es in Tokio dank des schwächeren Yen kräftig nach oben: Der Nikkei-Index schloss 2,2 Prozent höher bei 16.565 Punkten.

In Schanghai stieg der Composite nur leicht. Die chinesischen Verbraucherpreise waren dabei im April etwas weniger stark gestiegen als erwartet und lagen immer noch klar entfernt vom Ziel der chinesischen Zentralbank. Die Teuerung bewegt sich somit in einem Rahmen, der Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen der People's Bank of China lässt.

Die übrigen Märkte zeigten sich ebenfalls kaum verändert. In Australien legte der S&P/ASX200 0,4 Prozent zu. Der südkoreanische Kospi zog 0,1 Prozent an, der Hangseng in Hongkong ebenfalls. Marktbeobachter erklärten die Zurückhaltung der Anleger auch mit Verunsicherung nach dem jüngsten kräftigen Rücksetzer der Preise für Öl und andere Rohstoffe.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/DJ/dpa

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