Marktberichte

Dow klettert auf über 18.000 Befreiungsschlag folgt auf Ölpreis-Schock

Erst ein Kurssturz zu Handelsbeginn, dann ein deutliches Plus am Handelsende: Der deutsche Aktienmarkt startet wild in die neue Woche. Experten werten das als Zeichen der Stärke.

"Der Dax ist mit einem blauen Auge davongekommen", kommentiert n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff den ersten Handelstag der neuen Woche am deutschen Aktienmarkt. Ein mehr als versöhnliches Fazit, bedenkt man, dass der Leitindex im Tagestief bis nahe an die 9900er Marke gefallen war. Tonangebend war laut Althoffs Kollegin Katja Dofel das "Doha-Drama", also die gescheiterten Gespräche von Opec- und führender Nicht-Opec-Staaten zur Deckelung der Ölfördermenge. Am Nachmittag half dann dem sich erholenden Markt zudem eine ins Plus drehende Wall Street - der Dow schließt auf dem höchsten Niveau seit Juli.

Der Dax schloss 0,7 Prozent fester bei 10.120 Punkten. Vom Tagestief bei 9921 Zählern zeigte er sich damit deutlich erholt, das Tageshoch von 10.144. lag deutlich näher. Der MDax gewann 0,3 Prozent auf 20.401 Punkte. Der TecDax verbesserte sich 0,2 Prozent auf 1654 Zähler.

Charttechnik: Stichwort 38,2-Prozent Fibonacci-Retracement

"Das Minus heute Morgen kann schon die notwendige Konsolidierung gewesen sein", stufte Martin Siegert, Charttechniker bei der Landesbank Baden Württemberg, den zwischenzeitlichen Rücksetzer ein. Wichtig wäre nun, dass der Dax die Marke bei 10.098 Punkten nachhaltig herausnehme. Das wäre als Befreiungsschlag zu werten, unterstrich er. Als Zielzone sieht Siegert auf Sicht der kommenden drei bis vier Wochen 10.450 Zähler. Bei 10.485 Punkten liegt das bisherige Jahreshoch vom 4. Januar.

Auch Jörg Scherer von der HSBC misst der Marke um 10.100 Punkten eine besondere Bedeutung zu. Bei 10.109 Punkten liege das 38,2-Prozent Fibonacci-Retracement der gesamten Baisse des Jahres 2015. Diverse letzte Hochs staffelten sich bis zu der Marke bei 10.112 Punkten, darüber liege noch das Tief von Mitte Dezember bei 10.123 Punkten, erläuterte Scherer: "Oberhalb dieser Marke sehe ich das Kaufsignal."

Rohstoffe: Preisschock bei Öl

Nach dem ergebnislosen Treffen der Opec sackte der Preis für ein Barrel der US-Rohölsorte WTI zum US-Settlement auf 39,78 Dollar. Das waren zwar 1,4 Prozent bzw 0,58 Dollar weniger als zum US-Settlement am Freitag, im Tagestief war WTI aber auf 37,61 Dollar eingebrochen. Die europäische Sorte Brent ermäßigte sich um 0,4 Prozent bzw 0,19 Dollar auf 42,91 Dollar.

In Doha hatten sich am Sonntag 15 Mitglieder und Nicht-Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) getroffen, darunter die größten Ölförderer Saudi-Arabien und Russland. Sie wollten als Maßnahme gegen den enormen Preisverfall beim Öl ein Einfrieren der Ölfördermenge auf dem Niveau von Januar beschließen. Darauf hatten sich Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela im Februar geeinigt.

Nach sechsstündigen Beratungen erklärte Katars Energieminister Mohammed ben Saleh al-Sada jedoch, die betroffenen Staaten bräuchten "mehr Zeit". Nach Angaben von Teilnehmern verlangte insbesondere Saudi-Arabien die Einbindung des Iran, der keinen Teilnehmer zu dem Treffen geschickt hatte, da er ein Einfrieren der Produktion ablehnt. Im Juni solle es neue Gespräche geben.

"Die weitere Ölpreisentwicklung wird nun vor allem von den USA geprägt", kommentierte ein Händler. Dort war die Förderung zuletzt auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren gefallen. "Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte das mittelfristig auch die Ölpreise wieder stützen", ergänzte der Händler.

Dax: Banken und Autowerte gefragt

Auf Unternehmensseite blickten die Anleger zunächst auf die Banken. Durch den fallenden Ölpreis könnten einigen Instituten durch mögliche Pleiten von Ölfirmen Ausfälle drohen, hieß es am Markt. Am Nachmittag verflog die schlechte Laune, auch weil Morgan Stanley besser als erwartet abschnitt. Deutsche Bank zogen rund 2 Prozent an, Commerzbank 2,5 Prozent. Sie gehörten damit zu den größten Dax-Gewinnern.

Auch die Autowerte zeigten sich deutlich fester, allen voran BMW, die etwa 3 Prozent zulegten. Der Rückgang der Eigenkapitalrenditen sei inzwischen mehr als angemessen eingepreist, schrieb Goldman-Analyst Stefan Burgstaller zu BMW. Daimler gewannen rund 2 Prozent. Selbst VW, lange Zeit im Minus gelegen, beendete den Handel mit einem Aufschlag von rund 1,5 Prozent.

Siemens gewannen 0,6 Prozent. Der Konzern erhielt einen Auftrag für ein Onshore-Windkraftwerk im Norden der japanischen Insel Honshu. Die Order von Japans größtem Wind-Entwickler Eurus Energy umfasst 13 direkt angetriebene Windenergieanlagen vom Typ SWT-3.2-101 mit je 3,2 MW Leistung. Die Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2018 vorgesehen. Die Bestellung umfasst Wartung und Instandhaltung über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Versorger deutlich leichter

Für Deutsche Börse ging es dagegen nach unten: Die Titel schlossen rund 0,4 Prozent schwächer. Börsenchef Carsten Kengeter machte den Aktionären Hoffnung auf eine höhere Dividende, wenn sie der Fusion mit der Londoner Börse zustimmen. "Wenn London und Frankfurt zusammengehen, wird das neue Unternehmen hochprofitabel und könnte dann auch den Aktionären entgegenkommen", sagte Kengeter dem "Tagesspiegel".

Noch deutlicher ging es zum Teil für die deutschen Versorger nach unten: RWE büßten rund 1,7 Prozent ein, Eon 0,3 Prozent. Hier verwiesen Händler auf den schwachen Ölpreis, der Rohstoffwerte belastete. Da es diese im Dax nicht gebe, gerieten die Versorger in Mitleidenschaft, so die Erklärung aus dem Handel.

TecDax: Dialog bekommt Probleme

Einem Medienbericht zufolge verkauft sich Apples iPhone nicht so gut wie erhofft. Der US-Konzern werde daher auch im laufenden Quartal reduzierte Stückzahlen produzieren, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Dies gehe aus einer Mitteilung des Unternehmens an Zulieferer hervor. Das seien schlechte Nachrichten für Dialog Semiconductor, sagte ein Händler. Schließlich mache das Unternehmen einen Großteil seines Umsatzes mit Apple. Dialog-Titel sackten in der Spitze mehr als 4 Prozent ab und schlossen fast 3 Prozent leichter.

Rund 2 Prozent nach oben ging es im Gegenzug für Siltronic. Für Mainfirst-Analyst Jürgen Wagner nähert sich der Lagerabbau in der Halbleiter-Industrie dem Ende, das spreche für eine steigende Nachfrage. Das Umfeld für den Sektor dürfte sich im ersten Quartal verbessern. Zudem befinde sich ein großer der Branche, Sunedison Semi, auf der Suche nach Übernahmezielen.

USA: Dow erstmals seit Juli auf über 18.000 Punkten

Auch an der Wall Street beschäftigte der Ölpreisverfall die Anleger - aber nur vorübergehend. Dann rückten Morgan Stanley in den Blick. Der Dow-Jones-Index schloss erstmals seit Juli bei über 18.000 Punkten. Zum Handelsschluss stand er 0,6 Prozent im Plus bei 18.004,16 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 präsentierte sich zum Handelsschluss 0,65 Prozent fester bei 2094,34 Zählern. Der Nasdaq100 verbesserte sich 0,58 Prozent auf 4569,38 Stellen.

Die Aktie von Morgan Stanley gab anfängliche Gewinne ab und sank um 0,1 Prozent. Zwar brach der Gewinn der Bank im ersten Quartal um 53 Prozent ein, doch lag das Ergebnis über den Erwartungen der Analysten.
Auch Snack- und Getränkehersteller Pepsico hatte im ersten Quartal einen Umsatz- und Gewinnrückgang verbucht. Die Markterwartungen wurden aber dennoch übertroffen. Gleichwohl büßte die Aktie 0,1 Prozent ein. Der Kurs von Walt Disney stieg um 2,9 Prozent und führte damit die Gewinner im Dow-Jones-Index an. Die Neuverfilmung des "Dschungelbuchs" hatte am Wochenende einen vielversprechenden Kinostart hingelegt.
Dank Disney übertraf auch der Spielzeughersteller Hasbro im ersten Quartal mit Umsatz und Ergebnis die Erwartungen. Hatten im vergangenen Quartal noch Produkte zum jüngsten Star-Wars-Film das Wachstum angetrieben, waren es diesmal der Verkauf der Disney-Prinzessin und Produkte zu dem Disney-Film "Eiskönigin - Völlig unverfroren". Für die Hasbro-Aktie ging es um 5,8 Prozent nach oben.
 

Yahoo standen im Fokus mit dem Auslaufen der Angebotsfrist für eine Übernahme des zum Verkauf stehenden Internetunternehmens. Die besten Chancen scheint derzeit aus einer Reihe von Interessenten Verizon zu haben. Yahoo schloss mit 0,03 Prozent im Plus etwa auf dem Niveau von Freitag. Nachbörslich sollte IBM seine Zahlen präsentieren.

Devisen: Euro deutlich über 1,13

Der Euro konnte im Handelsverlauf zulegen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,1329 Dollar. Das waren rund 0,3 Prozent mehr als noch am Freitag. Im Tagestief lag der Euro aber bei 1,1273 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1306 Dollar fest nach 1,1284 Dollar am Freitag und 1,1252 Dollar am Donnerstag.

Devisenexperten der HSBC Trinkaus-Bank rechnen in den kommenden Handelstagen aber eher mit Kursverlusten beim Euro: "Kurzfristig muss mit nachgebenden Notierungen der Einheitswährung gerechnet werden", hieß es in einer Analyse.

Die gescheiterten Verhandlungen der Ölförderländer belasteten indes die Währungen von Rohstoffländern. So gaben der kanadische und der australische Dollar nach. Kursverluste musste auch der russische Rubel einstecken, wobei sich die Auswirkungen des gescheiterten Treffens in Grenzen hielten. 

Asien: Dickes Minus beim Nikkei

Der Misserfolg des Doha-Treffens schickte bereits die Kurse an den ostasiatischen Aktienmärkten auf Tauchstation. Der Tokioter Nikkei-Index schloss 3,4 Prozent tiefer bei 16.276 Punkten. Der breiter gefasste Topix sackte 3,0 Prozent auf 1320 Zähler ab.

"Die Stimmung wird vor allem bestimmt von den Neuigkeiten ums Öl, sagte Alex Wijaya, Händler bei CMC Markets, denn vor dem Wochenende seien die Märkte noch zuversichtlich gewesen, dass eine Einigung kommen könne. Auch die starken Erdbeben im Südwesten des Landes lasteten auf den Aktienkursen. Ministerpräsident Shinzo Abe deutete laut Medien einen Nachtragshaushalt an, um die Notfall- und Wiederaufbaumaßnahmen in der Katastrophenregion zu finanzieren. Der starke Yen drückte ebenfalls auf die Kurse. Er verteuert Japans Exporte.

In China fiel der Shanghai Composite 1,4 Prozent, in Hongkong ging es für den HSI im späten Handel ebenfalls um 1,4 Prozent und in Seoul für den Kospi 0,3 Prozent nach unten. Der S&P/ASX200 in Sydney hielt sich mit einem Abschlag von 0,4 Prozent mit am besten. Hier stützte etwas, dass sich der Austral-Dollar leicht abschwächte. 

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts/DJ/AFP

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