Marktberichte

Anleger "gehen vom Schlimmsten aus" Dax geht auf Konsolidierungskurs

An den Rohstoffmärkten geht die Ölpreis-Rally weiter. Doch diese positiven Signale verpuffen am deutschen Aktienmarkt. Der Grund ist ein politischer. In den USA sackt der Nasdaq Composite kräftig ab.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Donnerstag Vorsicht walten lassen. "Die Nervosität ist tatsächlich groß", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Die Kurse fielen, der Dax markierte sein Tagestief bei 10.503 Punkten - der tiefste Stand seit dem Wahlsieg Donald Trumps vor rund einem Monat. "Mit dem Bruch der 10.540er Marke wurden Stops gerissen", sagte ein Händler. Der Markt sei vorsichtig, zum einen rückt das Italien-Referendum immer näher und damit auch stärker in den Anlegerfokus. Zum anderen aber auch, weil eine Konsolidierung an der Wall Street aufgrund der überkauften Lage nicht überraschen sollte. Hier steht der ehemalige S&P-Rekord bei 2194 Punkten im Blick, ein so genanntes Rebreak könnte eine Konsolidierung auslösen

Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,0 Prozent und 10.534 Punkten aus dem Handel. Der MDax schloss 1,1 Prozent im Minus bei 20.643 Zählern. Der TecDax gab 1,3 Prozent auf 1696 Stellen ab.

Wie geht das Referendum aus?

Die Zurückhaltung vor dem am Sonntag anstehenden Verfassungsreferendum in Italien ist nach Händlerangaben groß. Es sei bemerkenswert, dass selbst die letzten Handelstage des Monats, die üblicherweise zu den stärksten gehörten, dem Dax keinen Rückenwind gegeben hätten, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die offensichtliche Vorsicht der Anleger vor dem Referendum in Italien sei angesichts der Überraschungen bei den letzten Wahlen und Abstimmungen aber "durchaus nachvollziehbar". "Man geht vom Schlimmsten aus", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Dofel. Es sei aber bereits einiges eingepreist. "Sollten die Italiener aber zustimmen, dann wäre sogar eine kleine Rally drin."

Ralph Solveen von der Commerzbank verwies zudem auf die "vergessene Wahl" in Österreich, die ebenfalls am Sonntag stattfindet. Sollte der rechtspopulistische FPÖ-Kandidat Norbert Hofer neuer Bundespräsident werden, wäre das "ein weiterer Beleg für den Vormarsch der EU-Gegner". Zwar stünde ein Austritt aus der Eurozone oder der EU wohl auch dann nicht auf der Agenda. "Die Konflikte innerhalb des Euroraums nähmen aber weiter zu und könnten langfristig den Bestand der Währungsunion gefährden", warnte Solveen.

Abgesehen davon sei die überkaufte Situation bei den US-Banken und den Zyklikern ein Indiz für Konsolidierungsbedarf am Aktienmarkt, hieß es im Handel. Ein weiteres Indiz sei die "zu gute" Marktstimmung. Zwar ist der Anteil der "Bullen" unter den US-Privatanlegern laut der neuen AAII-Umfrage um 6,1 Punkte zurückgegangen auf 43,8 Prozent, damit ist der Anteil aber immer noch hoch. Der Anteil von fast 50 Prozent "Bullen" in der vergangenen Woche war aus Sentiment-Sicht als konträres Signal aufgefasst worden.

Dax: BASF schwächer

Im Blick bei den Einzelwerten standen weiterhin Lufthansa und die Autowerte. Bei Letzteren schauten Anleger auf die Pläne Chinas, eine Sondersteuer von 10 Prozent auf Nobelkarossen einzuführen. Das betreffe in erster Linie Luxushersteller wie Ferrari und Rolls-Royce, nicht aber deutsche Autobauer wie VW und Opel, so ein Marktteilnehmer. VW, BMW und Daimler schlossen dennoch leichter. BMW gaben 0,4 Prozent ab, Daimler 0,6 Prozent und VW mehr als 1,5 Prozent.

Lufthansa gewannen 0,4 Prozent. Der Konzern leidet aber nach wie vor unter dem Arbeitskampf der Piloten. Gleichzeitig werde sich auch der steigende Ölpreis früher oder später bemerkbar machen, sagte ein Händler.

Die Aktien von Linde profitierten weiter von Fusionshoffnungen. Sie gingen nahezu unverädnert aus dem Handel. Börsianer verwiesen auf einen Bericht im "Handelsblatt", dem zufolge Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle den neuen Anlauf des US-Industriegase-Konzerns Praxair für ein Zusammengehen mit Zugeständnissen für Lindes Hauptstandort in München begrüßte. Im Falle eines Scheiterns befürchtet Reitzle dem Blatt zufolge einen feindlichen Übernahmeversuch. Bereits am Mittwoch hatte das neue Angebot der Amerikaner Linde einen knapp fünfprozentigen Kurssprung beschert.

BASF bewegten sich auf und ab, schlossen aber leicht im Minus. Händler sind sich dennoch einig, dass die Titel bald das Jahreshoch bei 82,14 Euro testen könnten. Ein neues Jahreshoch wäre laut Marktanalysten ein Fortsetzungssignal für den Aufwärtstrend. Der Kurs könnte dann längerfristig wieder das Allzeithoch bei 97,22 Euro ansteuern. "Vorausgesetzt das Umfeld bleibt gut", so ein Marktteilnehmer.

MDax: K+S im Höhenflug

K+S setzten ihre jüngste Aufwärtsbewegung fort und stiegen mehr als 5 Prozent. Sie waren damit stärkster MDax-wert. Ein Händler verwies auf das bessere Sentiment im Rohstoffsektor, wovon auch K+S profitiere. Auch die Stimmung für den Sektor habe sich nach den jüngsten Produktionskürzungen von Potash verbessert. Daneben sei es den Aktien gelungen über die 200-Tagelinie bei 19,20 Euro zu steigen. Das zwinge einige Shorties zu Eindeckungen, erläuterte der Marktteilnehmer.

SDax: SGL unter Druck

SGL gaben etwa 2,5 Prozent ab. Grund war die Platzierung der 15,9 Millionen Bezugsrechte, die VW und Voith im Bereich zwischen 65 und 70 Cent platziert haben. Zuvor lag der Kurs des Bezugsrechts laut einem Händler bei 77 Cent. "Die Aktie könnte nun deutlich unter 8,50 Euro fallen", so der Experte mit Blick auf die zu erwartenden Arbitrage-Geschäfte.

Klöckner & Co bauten dagegen die Gewinne sukzessive aus - bis auf rund 2,5 Prozent zum Handelsende. "Klöckner mache Ernst mit der Digitalisierung", sagte ein Händler. Der Konzern hatte mitgeteilt, dass sie mit dem IT-Dienstleister Cognizant die IT und Digitalisierung des europäischen Geschäfts vorantreiben zu wollen. Dafür übernimmt Cognizant mit der KIS GmbH die IT-Tochter von Klöckner mit rund 100 Beschäftigten. "Damit spart Klöckner Personalkosten, hat gleichzeitig einen echten IT-Profi als Kooperationspartner und kennt dessen Mitarbeiter", sagte der Händler.

Rohstoffe: Ölpreis-Rally geht weiter

Der Ölpreis setzte seine Rally nach der Opec-Einigung auf eine Reduzierung der Fördermengen fort. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich bis zum späten Abend um 3,6 Prozent auf 53,72 Dollar je Fass. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 3,0 Prozent auf 50,91 Dollar.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatte am Mittwoch bekanntgegeben, erstmals seit dem Jahr 2008 wieder die Ölproduktion zu drosseln: Das Ölkartell will im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren. Russland folgt dem Beschluss der Opec.

"Vor allem psychologisch stellt die Vereinbarung einen wichtigen Meilenstein dar", meinten Analysten von HSBC Trinkaus. Schließlich habe man es geschafft, zum Teil sehr unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Marktbeobachter des Bankhauses Goldman Sachs rechnen nun ebenfalls mit einem weiteren Anstieg des Ölpreises, die US-Sorte WTI sehen sie künftig zwischen 55 und 56 US-Dollar. Die Experten von Morgan Stanley erwarten ein Preisband von 50 bis 60 Dollar.

Devisen: Euro mit Achterbahnfahrt

Der Euro legte zunächst zu, gab einen Großteil der Gewinne am Nachmittag nach starken US-Konjunkturdaten allerdings wieder ab. Am Abend ging es dann wieder aufwärts. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,0655 Dollar. Das waren 0,6 Prozent mehr als am Mittwochabend. Im Tagestief hatte der Euro bei 1,0584 Dollar gelegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0627 Dollar fest nach 1,0635 Dollar am Mittwoch.

Robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone hatten den Euro am Vormittag gestützt: Die Arbeitslosenquote in der Eurozone war im Oktober auf den tiefsten Stand seit über sieben Jahren gefallen. Zudem hatten sich die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie in Italien und Spanien im November deutlich besser entwickelt als erwartet.

Der wichtigste Konjunkturindikator für die US-Wirtschaft hatte dann am Nachmittag belastet: Der Einkaufsmanagerindex ISM für die Industrie stieg von 51,9 Punkten im Vormonat auf 53,2 Punkte. Bankvolkswirte hatten im Schnitt nur mit 52,5 Punkten gerechnet. "Der erneute Anstieg ist erfreulich und so wird das Szenario eines fortgesetzten Wirtschaftswachstums untermauert", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die Daten.

USA: Technologiewerte unter Druck

Der Höhenflug des Ölpreises hat die US-Börsen auch am Donnerstag gestützt. Neben den Aktien von Ölkonzernen legten auch Banken-Titel zu, weil die Anleger von einer US-Zinsanhebung noch in diesem Monat und dem Abbau von Regulierungen für die Branche durch den designierten US-Präsidenten Donald Trump ausgehen.

Technologiewerte verloren indes zum Teil kräftig. Händler sagten, nach den teils rasanten Kursanstiegen in der Branche in den letzten Jahren würden nun mehr und mehr Anleger dort aussteigen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann 0,4 Prozent und schloss bei 19.192 Punkten. Der S&P-500 verlor 0,4 Prozent auf 2191 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sackte um 1,4 Prozent auf 5251 Stellen ab.

Bei den Energiewerten gewannen Exxon 0,3 Prozent und Chevron 1,7 Prozent. Die Papiere der großen US-Autobauer General Motors und Ford legten 5,3 beziehungsweise 3,4 Prozent zu. Die Branche hat im November dank kräftiger Preisnachlässe ihren Absatz gesteigert. GM verkaufte in dem Monat rund zehn Prozent mehr Autos, Ford fünf Prozent.

Aktien von Delta Air Lines verloren 1,1 Prozent. Die Piloten der Fluggesellschaft haben dem neuen Tarifvertrag zugestimmt, der ihnen 30 Prozent mehr Geld binnen drei Jahren einbringt. Zudem bleiben sie weiter am Gewinn beteiligt. Zu dem Kursrückgang trug aber auch der Ölpreis-Anstieg bei. Er verteuert den Treibstoff für die Flugzeuge und schmälert damit den Gewinn der Airlines.

Bei den Technologiewerten verloren Apple 1,1 Prozent. Microsoft verbilligten sich um 1,9 Prozent. Facebook rutschten um 2,9 Prozent ab.

Asien: Gute Stimmung bei den Anlegern

Die Opec-Einigung und der damit einhergehende Ölpreis.-Anstieg verhalf den Börsen in Fernost zu Aufschlägen. Der japanische Leitindex Nikkei stieg 1,1 Prozent auf 18.513 Punkte. Das war der höchste Stand seit einem Jahr. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte 0,6 Prozent zu. Der Shanghai Composite schloss 0,7 Prozent fester bei 3274 Punkten.

Anleger hätten im Vorfeld des Opec-Treffens allgemein lediglich eine "lose Vereinbarung" erwartet, sagte Marktstratege Chris Weston vom Broker IG in Melbourne. "Was wir jedoch bekommen haben, ist echtes Fleisch am Knochen."

Gefragt an den Börsen in Fernost waren vor allem Energiewerte. Die Aktien des Ölkonzerns Japan Petroleum Exploration schossen 12 Prozent in die Höhe. In Hongkong verteuerten sich die Papiere der chinesischen Ölriesen Sinopec, PetroChina und CNOOC um 3, 5 und 6 Prozent.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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