Wirtschaft
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Freitag, 25. November 2016

Zwischen Jubel und Langeweile: Dow im Rekordfieber, Dax in Trauerlaune

Der "Black Friday" hat den Dow Jones in Rekordlaune versetzt. Anleger können kräftige Gewinne einfahren. Währenddessen schmort der Dax am letzten Handelstag der Woche im eigenen Saft.

In der zurückliegenden Handelswoche ist der Dax gestiegen und gefallen. "Im Laufe der Woche hat sich unterm Strich aber nichts getan." Das ist das Fazit des n-tv-Börsenexperten Frank Meyer zur Entwicklung am deutschen Aktienmarkt. Vielmehr setzte sich die diametrale Entwicklung zwischen Dow und Co. sowie den deutschen Leitindices auch zum Wochenschluss fort. "Wir wissen nicht, wo wir hinwollen. Der Dax schmort in seinem eigenen Saft", so Meyer. Am Ende schloss der Dax minimal fester, der Dow erkoim erneut ein Allzeithoch. Zurück blieb Verunsicherung. Die sei vor allem dem bevorstehenden Verfassungsreferendum in Italien geschuldet, erläuterte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

Der Dax beendet den Handel mit 10.699 Punkten, ein Plus von 0,1 Prozent. Das Tageshoch steht bei 10.710, das Tagestief bei 10.649 Stellen. Am Montag, Dienstag und Donnerstag konnte der Leitindex leichte Gewinne verbuchen, am Mittwoch standen Abgaben in den Handelsbüchern. Der MDax schloss 0,6 Prozent fester bei 20.912 Zählern. Der TecDax gab dagegen 0,1 Prozent auf 1727 Stellen ab.

"Black Friday", Trump und Renzi

"Zwischen Trump und Renzi scheint der Dax völlig eingeschlafen zu sein", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Lediglich politische Ereignisse scheinen ihn Ende 2016 aus der Reserve zu locken, selbst die Bekenntnisse und Ansagen von Janet Yellen sind langweilig, da bekannt und eingepreist." Für Saurenz bleibt die große verbleibende Frage, ob der Dax sein Jahr im Plus beenden kann und noch die Jahresendrally folgt. "Wir glauben, dass er noch für rund 500 Punkte gut ist, was ihn wenigstens oberhalb der 11.000 schieben wurde. Darüber dürfte der Deckel drauf sein."

Manfred Bucher von der BayernLB verwies angesichts des lahmenden Marktumfelds darauf, dass die derzeit eigentlich positiven Voraussetzungen am Markt von den politischen Risiken in Europa überschattet werden. Er befürchtet, dass das am 4. Dezember anstehende Referendum in Italien bei einem negativen Votum den Anti-EU-Kräften Auftrieb verleihen könnte. Bei der Abstimmung deutet sich eine Schlappe für Premierminister Matteo Renzi an, der sein Amt an einen Erfolg geknüpft hat.

Als positiven Impuls werteten Marktteilnehmer die anhaltende Dollar-Stärke. Händler sahen im Umkehrschluss vor allem den schwachen Yen als gutes Vorzeichen, da ein starker Yen die Flucht in sichere Häfen signalisiere. "Der Markt signalisiert damit, dass er weiter im Risk-On-Modus ist und nach oben will", so ein Händler.

Devisen: Euro fester

Der Euro zeigte sich zum Wochenschluss indes etwas erholt von seinen Tiefständen in dieser Woche. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,0602 Dollar. Das waren etwa 0,4 Prozent mehr als noch am Donnerstag. Da war der Euro noch auf den tiefsten Stand seit März 2015 gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0595 Dollar fest nach 1,0548 Dollar am Donnerstag.

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Der Yen gab wiederum weiter nach, ein Dollar kostete 113,72 Yen  und lag damit in der Nähe seines Achtmonatshochs. Die Aussicht auf Konjunkturprogramme in den USA trieb dort die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe, dazu kommt die Erwartung einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Dezember.

Dax: Lufthansa bekommt Probleme

Thyssenkrupp verloren 3,5 Prozent und waren damit größter Dax-Verlierer. Ein Händler sprach von Nachwirkungen auf die durchwachsen ausgefallenen Quartalszahlen vom Donnerstag. Die Aktie hatte sich am Donnerstag im späten Handel noch überraschend deutlich erholt und war nur mit einem Minus aus dem Handel gegangen. Daneben hatte S&P-Global am Morgen eine Verkaufsempfehlung für die Aktien ausgesprochen. Die Analysten halten das Papier für zu hoch bewertet.

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Bei den Einzelwerten im Dax blickten Anleger zudem auf die Titel der Lufthansa. Sie gaben 0,6 Prozent nach, nachdem die Piloten auch am Samstag streiken wollen. "Es ist unverschämt den Kunden gegenüber, an einem Advents-Wochenende für die Erhöhung von Luxuslöhnen zu streiken", kommentierte ein Händler. Damit beschädigten die Piloten den Ruf der Fluggesellschaft. Die Kosten eines Streiktages würden am Markt mit bis zu 10 Millionen Euro kalkuliert.

Die Gewinnmitnahmen in Infineon setzen sich ebenfalls fort, die Titel waren mit einem Abschlag von rund 2 Prozent auf knapp 16 Euro zweitgrößter Verlierer im Dax. Die näher rückende 16-Euro-Marke wird von Händlern dabei als wichtige Unterstützung gesehen. "Sollte die nicht halten, kann es schnell einen halben Euro runtergehen", warnte ein Händler.

TecDax: Abwärtspotenzial bei Aixtron

Die Übernahme von Aixtron durch die chinesische Grand Chip Investment wird zunehmend ausgepreist. Damit ergibt sich für das Papier allerdings erhebliches Abwärtspotenzial, denn die Kursziele vieler Analysten liegen deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. So nennen Hauck & Aufhäuser ein Kursziel von 2,90 Euro je Aktie. Nach Einschätzung von H&A sieht die Zukunft für Aixtron ohne eine starke Mutter trübe aus. Das Unternehmen benötige einen "weißen Ritter". Aixtron rutschten mehr als 4 Prozent ab, waren größter Index-Verlierer.

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Evotec drehten im Handelsverlauf eicht ins Plus und schlossen dort auch. Die Titel gehören d im laufenden Jahr zu den großen Gewinnern. Seit dem Jahrestief am 9. Februar hat sich die Aktie mehr als verdoppelt, seit Jahresbeginn notiert die Biotech-Aktie 40 Prozent im Plus und auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren.

Europa: Biotech-Fantasien

Die anhaltenden Berichte über eine mögliche Übernahme der schweizerischen Actelion trieb deren Kurs über 11 Prozent an. "Actelion ist immerhin das größte europäische Biotechnologieunternehmen und mit 17 Milliarden Dollar bewertet, mit den aktuellen Übernahmeprämien könnte da schnell ein 22-Milliarden-Deal daraus werden", sagte ein Händler.

USA: Back to record!

An der Wall Street ist die Rekordjagd in eine neue Runde gegangen. Nach der feiertagsbedingten Pause am Vortag erreichten der Dow Jones Industrial, der breite S&P-500-Index, das Techwerte-Barometer Nasdaq Composite und der Nebenwerte-Index Russell 2000 Bestmarken.

Der Dow schloss auf dem historischen Höchststand von 19.152,14 Punkten, was ein Plus von 0,36 Prozent bedeutete. Auf Wochensicht ergibt sich ein Gewinn von 1,51 Prozent. Auch der breite S&P-500-Index schwang sich zu einem Rekordhoch auf, und zwar bei 2213,35 Punkten. Bis zum Handelsschluss ergab sich so ein Plus von 0,39 Prozent.

Der Nasdaq Composite schloss ebenfalls auf einem Rekordhoch. Am Ende rückte der Index um 0,34 Prozent auf 5398,92 Punkte vor. Der Nasdaq-100-Index legte um 0,33 Prozent auf 4870,02 Punkte zu. Er ist noch gut 40 Punkte von einer Bestmarke entfernt.

Im Fokus standen Einzelhandelsaktien wie Amazon, Alibaba Group Holding und Wal-Mart Stores, nachdem die Erlöse des Online-Einzelhandels an "Thanksgiving" um 13,6 Prozent im Jahresvergleich nach oben geschnellt sind, wie der Branchendienst Adobe Digital Insights ermittelte. Die Anleger warten nun auf Mitteilungen der Branchenunternehmen über die Umsätze in den Geschäften. Damit ist aber erst zum Ende des Wochenendes zu rechnen, darauf gehandelt werden wird also vermutlich erst in der kommenden Woche.

Rohstoffe: Opec-Entscheidung rückt näher

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Der Ölpreis gab deutlich nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 47,81 Dollar. Das waren 2,4 Prozent weniger als am Donnerstagabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel 2,8 Prozent auf 46,76 Dollar.

Vor einem wichtigen Treffen der Opec richteten die Investoren alle Augen auf das Ölkartell, hieß es am Markt. Am kommenden Mittwoch gilt es für die Opec. Dann will das Ölkartell über die Aufteilung einer bereits beschlossenen Förderkürzung beraten. Das Unterfangen ist heikel, weil es keine einheitliche Linie innerhalb der Opec und keine umfassende Unterstützung von außerhalb der Opec gibt. Deshalb wollen sich die Opec-Staaten im Vorfeld mit Russland, das dem Kartell nicht angehört, treffen. Der Förderriese will seine Produktion bislang nicht verringern, sondern lediglich einfrieren - auf rekordhohem Niveau.

Asien: Positiver Wochenschluss

Die asiatischen Aktienmärkte legten zum Wochenschluss zu. In Tokio schloss der Nikkei-Index angesichts der anhaltenden Dollar-Stärke den siebten Tag in Folge fester. Vor allem die Exportwerte profitierten von der schwächeren Landeswährung, die Ausfuhren verbilligt und die Gewinne im Inland in die Höhe treibt. Der Index gewann 0,3 Prozent auf 18.381 Punkte. Auch der breiter gefasste Topix stieg, den elften Tag in Folge - so lange ging es seit Mai 2015 nicht mehr nach oben.

"Die Investoren treiben den Markt in die Höhe, weil die Schwächephase des Yen anhält", sagte Kazuhiro Takahashi, Aktienstratege bei Daiwa Securities. Nur wenige Anleger hätten erwartet, dass der Yen zum Dollar so sehr an Wert verliert.

Bei den Einzelwerten setzten in Tokio die Exportwerte ihre Rally fort. Toyota gewannen 2,5 Prozent, Honda etwa 4 Prozent, Panasonic ebenfalls. Bankaktien gaben dagegen nach.

Auch in anderen Ländern der Region legten die Kurse zu. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gewann 0,4 Prozent. Der HSI in Hongkong kletterte in etwa auf dem gleichen Niveau. Der Shanghai Composite hielt sich etwas mehr zurück. In Sydney rückte der S&P/ASX200 0,4 Prozent nach oben.

Quelle: n-tv.de