Marktberichte

Neue Höhenflüge an der Wall Street Dax kann Dow nicht mehr folgen

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Die Kopfbedeckung sind bereit: Die Kursmarke von 19.000 Punkten ist für Dow-Anleger in Reichweite.

(Foto: AP)

Denkwürdiger Handelstag in New York: Zum ersten Mal in diesem Jahrtausend steigen gleich vier bedeutende US-Börsenbarometer auf Allzeithoch. Der Dax bleibt in seinem Seitwärtstrend stecken. Ob sich in dieser Handelswoche etwas daran ändert?

Die Richtungssuche am deutschen Aktienmarkt hat sich zu Beginn der neuen Handelswoche fortgesetzt. Angetrieben von Kursgewinnen bei Schwergewichten wie Volkswagen stabilisierte sich der Dax nach schwankendem Auftakt im Plus. Ein positiver Wall-Street-Auftakt stützte zusätzlich. "Die Verunsicherung ist zurück am Markt", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff. "Die Trump-Euphorie ist endgültig verflogen", sagte ihre Kollegin Corinna Wohlfeil.

Der Dax schloss 0,2 Prozent höher bei 10.685 Punkten. Das Tagestief markierte der Leitindex bei 10.595 Zählern, das Tageshoch bei 10.727 Stellen. Der MDax verabschiedete sich 0,4 Prozent ins Plus mit 20.599 Punkten. Der TecDax drehte 0,1 Prozent ins Plus auf 1738 Stellen.

USA: Vierfaches Rekordhoch

An der New Yorker Wall Street blicken Börsianer dagegen auf eine höchst ungewöhnliche Konstellation der Stärke: Zum ersten Mal seit 1999 erreichten im US-Handel gleich vier bedeutende Aktienindizes an einem Tag neue Rekordhochs.

Die Hoffnung auf Konjunkturanreize durch Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen sowie steigende Ölpreise bescherten dem Dow-Jones-Index, dem marktbreiten S&P-500-Index, dem Techwerte-Index Nasdaq Composite sowie dem unter Experten vielbeachteten Nebenwerteindex "Russell 2000" im Handelsverlauf am Montag frische Bestmarken. Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, die Wirtschaft mit Hilfe von massiven Konjunkturpaketen ankurbeln zu wollen.

Vor diesem Hintergrund beendet der Dow-Jones-Index den ersten Handelstag der neuen Börsenwoche 0,47 Prozent fester bei 18.956,69 Punkten. Der US-Leitindex hatte kurz zuvor bei 18.960,76 Punkten sein neues Rekordhoch erreicht.

Der S&P-500-Index rückte zum Handelsschluss um 0,75 Prozent auf 2198,18 Punkte vor. Die im Verlauf neu markierte Bestmarke liegt nun bei 2198,70 Punkten - damit blieb der Schlusskurs nur unwesentlich darunter. Beim Nasdaq Composite stand zum Feierabend ein Plus von 0,89 Prozent auf 5368,860 Punkte zu Buche.

Im Handel zu Wochenbeginn hatte der Auswahlindex der Nasdaq zuvor bei 5369,826 Punkten den bislang höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. Der Nasdaq-100-Index blieb unterdessen noch ein Stück von seinem Rekordhoch entfernt und schloss 1,06 Prozent höher bei 4858,998 Punkten.

Aktienmärkte laufen auseinander

Marktstrategen stufen die Lage an den Börsen dennoch als insgesamt sehr schwierig ein. Hintergrund ist die Tatsache, dass sich die Märkte hierzulande und in den USA komplett diametral zueinander bewegen. Während der Dow-Jones-Index jüngst mehrere Allzeithochs in Folge realisieren konnte, schaffte der Dax es nicht aus seiner seit Monaten laufenden Seitwärtsrange auszubrechen.

In Europa blicken Investoren mit wachsender Sorge auf das am 4. Dezember anstehende Referendum in Italien. Einige Analysten rechnen daher damit, dass Europas Aktien in Zukunft zum großen Underperformer werden könnten. "Daher greift auch der übliche Börsen-Mechanismus nicht mehr, dass ein schwacher Euro die Aktien stützt", sagte ein Händler.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte die Tatsache, dass die Tokioter Börse am Mittwoch und die Wall Street am Donnerstag geschlossen bleiben werden. Zudem findet am Freitag an den US-Börsen nur ein verkürzter Handel statt. Damit rücke der deutsche Aktienmarkt und auch die Börsen in Europa in dieser Woche in den Blickpunkt der Investoren, hieß es am Markt. Für Auftrieb sorge das bisher aber nicht.

Devisen: Euro über 1,06

Der zuletzt an zehn Handelstagen in Folge gefallene Euro erholte sich zum Wochenstart etwas. Im frühen Handel hatte er noch unter der Marke von 1,06 Dollar notiert. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0633 Dollar und damit 0,4 Prozent mehr als noch am Freitagabend. Dennoch liegt der Euro damit weiterhin nur knapp über seinem elfmonatigen Tiefstand von vergangener Woche. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0631 Dollar fest nach 1,0629 Dollar am Freitag..

Der US-Dollar gab zu allen wichtigen Währungen nach. Händler erklärten das mit einer Gegenbewegung nach dem jüngsten Höhenflug der US-Währung. Impulse für den Devisenhandel gab es am Montag aber kaum. Sowohl in der Eurozone als auch in den USA wurden keine marktbewegenden Konjunkturdaten veröffentlicht. Devisenexperten erwarten jedoch keine Trendwende am Devisenmarkt. "Die Dollar-Stärke ist dauerhaft, kann sich sogar weiter fortsetzen", erwartet Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Charttechnisch steht es um den Euro Analysten zufolge auch nicht gut. "Der Euro ist gerade dabei, aus einer Bären-Flagge nach unten auszubrechen", kommentierte ein Händler die "desaströse charttechnische Lage". Chris Weston vom Broker IG sieht kurzfristig zwar eine Stabilisierung bei der zentralen Unterstützung des Euro bei 1,05 Dollar. Unter diesen Tiefständen vom März, April und Dezember 2015 werde die Parität zum Dollar aber immer wahrscheinlicher: "Das ist bei jedem Händler auf dem Schirm und die Markthaltung (für den Euro) ist so negativ, wie sie nur sein kann."

Dax: Müller verdirbt die Stimmung

Bei den Einzelwerten im Dax schauten die Börsianer vor allem auf die Autowerte, allen voran auf VW. Die Titel gewannen etwa 2,5 Prozent und waren damit größter Gewinner im Dax - den Aussagen von Konzernchef Müller zum Trotz. "Es ist schlimm genug, dass VW-Käufer in Europa genauso betrogen worden sind wie die in den USA. Aber den Kunden dann auch noch zu sagen, ihnen seien doch keine Nachteile entstanden, grenzt an Zynismus", sagte ein Händler dazu. Entsprechend kräftig falle in den sozialen Medien der "Shitstorm" zu Müller aus. Der Händler sprach von "schwer erträglicher Arroganz" des Top-Managers.  Müller tue seinem Arbeitgeber einen "Bärendienst", kommentierte ein anderer Marktteilnehmer.

Auch Daimler und BMW konnten deutliche Gewinne verbuchen: BMW-Titel verbesserten sich etwa 1,5 Prozent, Daimler-Papiere schafften 0,3 Prozent. Hier dürfte auch ein sich auf Branchenkreise berufender Bericht des "Manager Magazins" eine Rolle gespielt haben. Darin hieß es, dass der Fahrt aufnehmende Umbau der Branche hin zu mehr Elektromobilität bis 2025 mehr als 100.000 Stellen in Deutschland kosten könnte.

Bayer schlossen 0,7 Prozent leichter. Der Konzern erwartet trotz des jüngsten Rückgangs der eigenen Aktie keine Finanzierungsprobleme für die Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto. "Die Finanzierung steht", sagte Bayer-Vorstandd Dieter Weinand dem "Tagesspiegel". Um die 66 Milliarden Dollar teure Monsanto-Übernahme zu finanzieren, hatten die Leverkusener vergangene Woche eine Pflichtwandelanleihe über vier Milliarden Euro platziert. Daraufhin war die Bayer-Aktie um mehr als vier Prozent abgesackt.

Deutsche Bank verzeichneten Aufschläge von 0,3 Prozent. Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner tritt erneut an. "Es ist richtig, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bank Paul Achleitner einstimmig zur Wiederwahl in den Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung im Mai 2017 nominiert hat", so ein Banksprecher.

TecDax: Unsicherheit bei Aixtron

Aixtron sackten erneut mehr als 10 Prozent ab. "Es ist völlig ungewiss, ob die Übernahme durch den chinesischen Investor noch zustande kommt", sagte Harald Schnitzer von der DZ Bank. Das geschäftliche Engagement von Aixtron in den USA sei "beträchtlich". Es habe den Anschein, dass die Technologie von Aixtron in den USA militärisch verwendet werde. Eine fundamentale Bewertung der Situation sei unverändert schwierig. Die Aixtron-Titel hatten in den Vorwochen eine Berg- und Talfahrt hingelegt.

SDax: BVB legt zu

Die Aktien von Borussia Dortmund gewannen rund 2 Prozent. Sie waren damit einer der größten Gewinner im Kleinwerteindex. Der BVB hatte am Wochenende den deutschen Rekordmeister und Dauerrivalen Bayern München geschlagen. Zudem fand die Hauptversammlung statt.

Für Sixt-Titel ging es dagegen fast 5 Prozent abwärts. Die Geschäftszahlen in der vergangenen Woche hätten gezeigt, dass sich das Wachstum im Mietgeschäft verlangsamt habe, hieß es im Handel. Angesichts einer Jahresperformance von fast 17 Prozent gebe es derzeit keine guten Kaufargumente für die Aktien.

Rohstoffe: Leichte Erholung

Der Ölpreis kletterte im Handelsverlauf auf den höchsten Stand seit drei Wochen. So kostete am Abend ein Fass der europäischen Sorte Brent 48,26 Dollar. Das waren rund 3 Prozent mehr als noch am Freitag. Der Preis für die US-Sorte WTI stieg 3,4 Prozent auf 46,86 Dollar.

Hintergrund ist ein Treffen der Opec in der kommenden Woche, auf dem die Mitgliedsländer eine Drosselung der Förderung beschließen könnten. Auch die günstigere US-Währung lässt die Ölpreise steigen, weil der Rohstoff auf dem Weltmarkt in Dollar abgerechnet wird.

Asien: Nikkei und Shanghai Composite fester

Die Aktienmärkte in Fernost zeigten sich zum Wochenstart uneinheitlich. So kletterte der Tokioter Nikkei-Index um 0,8 Prozent auf 18.106 Punkte. Insbesondere Exportfirmen profitierten vom schwächeren Yen. Der Yen gab zum Dollar bis auf 111,12 Yen nach. Vor zwölf Tagen hatte er noch bei 101,86 Yen gestanden.

Auch in China setzten Anleger darauf, dass ein Nachgeben der Landeswährung Yuan die Ausfuhren des Landes steigern werden. Dies trieb den Shanghai Composite auf den höchsten Stand seit Anfang Januar. Dagegen gab der MSCI-Index für Asien-Aktien außerhalb Japans leicht nach.

"Die chinesische Wirtschaft hat sich stabilisiert und ist aus der Deflation herausgekommen", so Erwin Sanft, bei der australischen Macquarie-Bank zuständig für die Anlagestrategie in China. "Die fundamentalen Trends sind gut", sagte er. Auf der Gewinnerseite standen die Aktien der Versicherungsunternehmen an der Spitze, zusammen mit Schiffsbauern und Titeln der Bauindustrie.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa