Marktberichte

Corona-Sorgen halten an Tech-Werte bluten an der Wall Street erneut

imago0103308097h.jpg

Düstere Stimmung: Dieser Trader ist vermutlich froh, dass die trübe Woche vorüber ist.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Vor allem in Europa ziehen die Corona-Zahlen wieder an und gefährden die wirtschaftliche Erholung. An der Wall Street bleiben die Anleger deshalb vor dem Wochenende vorsichtig. Der technologielastige Nasdaq kassiert deshalb den dritten Verlusttag in Folge.

Die von Corona-Sorgen geplagten Anleger an der Wall Street haben sich vor dem Wochenende zurückgezogen. Der Dow-Jones-Index verlor 0,9 Prozent auf 27.657 Punkte, während der S&P-500 um 1,1 Prozent fiel. Wie in den vergangenen Tagen blieb der technologielastige Nasdaq weitgehend hinter den anderen Indizes zurück. Zeitweise brach er um über 2 Prozent ein, letztendlich beendete er den Handelstag mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 10.936 Zähler. Es war bereits der dritte Verlusttag in Folge.

Nasdaq 100
Nasdaq 100 11.350,74

"Es gibt keine dringlichen Kaufgründe für Aktien, denn viele Menschen haben viele Fragen zum Coronavirus, den Wahlen, der Federal Reserve und dem Mangel an fiskalischen Anreizen plus die Fragezeichen beim Thema Bewertungen", sagte Investmentstratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter SlateStone Wealth.

Weltweit haben sich inzwischen mehr als 30 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert und fast eine Million sind gestorben. Die USA bleiben mit rund 6,7 Millionen bestätigten Fällen und fast 200.000 Toten das am stärksten betroffene Land. Auch an Europas Börsen trübten die steigenden Corona-Infektionszahlen in vielen Ländern die Stimmung.

Gold profitiert

S&P 500
S&P 500 3.283,55

"Wenn die Fallzahlen so steigen, dass die Lockdowns so weit verschärft werden müssen, dass sie die wirtschaftliche Erholung zum Entgleisen bringen, dann wird es zu einem Risikofaktor", sagte Anlageexperte Mobeen Tahir vom Investmenthaus Wisdom Tree.

Die geringere Risikofreude der Anleger kam dem in Krisenzeiten begehrten Gold zugute. Das Edelmetall legte nach seinem Schwächeanfall am Donnerstag etwas zu. Der Preis blieb aber innerhalb seiner volatilen Seitwärtsbewegung zwischen 1.920 und 1.980 Dollar, in der er sich seit fast vier Wochen befindet. Die Feinunze stieg um 0,4 Prozent auf 1.951 Dollar.

Tech und Tourismus unter Druck

Apple
Apple 115,32

Die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Technologietitel wie Apple, Microsoft, Amazon.com und Alphabet gaben bis zu 3 Prozent ab. Vor allem Technologieaktien bekämen es zu spüren, wenn es Anzeichen für eine schleppende Konjunkturerholung gebe, sagte Thomas Hayes vom Vermögensverwalter Great Hill Capital.

Auch die von Pandemie-Einschränkungen am stärksten betroffenen Sektoren zählten zu den Verlierern. Kreuzfahrtschiff-Betreiber wie Carnival und Royal Caribbean gaben mehr als 5 Prozent nach. Auch Aktien von Fluggesellschaften wie American Airlines, Hawaiian Holdings oder United sackten mehr als 3 Prozent ab.

Die Oracle-Aktie verlor 0,7 Prozent. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass die Tiktok-Seite für US-Nutzer ab dem 12. November blockiert wird. Der chinesische Tiktok-Eigner Bytedance hatte eine Partnerschaft mit Oracle angestrebt. Laut der US-Administration könnte Tiktok für US-Nutzer verfügbar bleiben, wenn in dem Deal mit Oracle die Datensicherheit gewährleistet sei. Bytedance verhandelt derzeit mit Oracle als Technologiepartner für das US-Geschäft von Tiktok.

Sonoma Pharma stiegen um 5,6 Prozent nach oben, nachdem ein Flächendesinfektionsmittel des Unternehmens im Rahmen der Corona-Pandemie von der kanadischen Gesundheitsbehörde zugelassen wurde.

Derweil hat die Restaurantkette J. Alexander's das Schlimmste überstanden, wie CEO Mark Parkey verkündete. Im dritten Geschäftsquartal wird das Unternehmen voraussichtlich wenigstens einen ausgeglichenen, vielleicht sogar einen leicht positiven Cashflow erzielen. Die Aktie sprang um 21,0 Prozent nach oben.

Dollar ohne Erholung

Am Devisenmarkt konnte der Euro gegen den Dollar seine Vortagesgewinne leicht ausbauen. Am Vortag war der Dollar unter Druck geraten, weil die Aussagen der US-Notenbank auf den zweiten Blick nun als doch recht taubenhaft gesehen wurden. Der Euro notierte bei 1,1851 Dollar gegenüber 1,1820 am Donnerstagabend.

Zwischen einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung und leichten Gewinnmitnahmen pendelten die Ölpreise hin und her. Treibende Faktoren waren sinkende Lagerbestände in den USA, ein tendenziell schwacher Dollar und die Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko. Am Vortag wurde der Preis auch von der saudischen Mahnung gestützt, alle Opec+-Mitglieder müssten sich an vereinbarte Produktionsobergrenzen halten. Der Preis für das Barrel der Sorte WTI verlor 0,2 Prozent auf 40,90 Dollar, Brent gab 0,6 Prozent nach auf 43,04 Dollar.

Quelle: ntv.de, chr/rts