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Sonntag, 24. Oktober 2010

Streusalz statt Meer: A 40 beheimatet seltene Pflanzen

Für die einen war das "Still-Leben A 40" die längste Tafel der Welt, für die anderen eine einmalige Gelegenheit zu forschen: Botaniker machen eine erstaunliche Entdeckungen am Rande der Autobahn im Ruhrgebiet.

Günstige Gelegenheit für die Wissenschaftler: Die Autobahn 40 wurde im Rahmen der Aktion "Still-Leben Ruhrschnellweg" am 18. Juli 2010 zwischen Duisburg und Dortmund für den Kraftfahrverkehr gesperrt.
Günstige Gelegenheit für die Wissenschaftler: Die Autobahn 40 wurde im Rahmen der Aktion "Still-Leben Ruhrschnellweg" am 18. Juli 2010 zwischen Duisburg und Dortmund für den Kraftfahrverkehr gesperrt.(Foto: APN)

Die Autobahnparty "Still-Leben A 40" war im Juli gewiss eines der spektakulärsten Ereignisse der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Das Straßenfest auf 60 Kilometern Autobahn zog mehr als drei Millionen Besucher an. Darunter waren auch 70 Wissenschaftler, die nur kamen, um entlang der gesperrten Fahrbahnen Pflanzen zu erfassen. Das erstaunliche Ergebnis: Mehr als 440 verschiedene Arten wachsen am Ruhrschnellweg, der zwischen Duisburg und Dortmund doch nur durch Industriestädte führt. Darunter sind seltene Pflanzen wie das Mauerglaskraut, das eigentlich eher in bäuerlicher Kulturlandschaft vorkommt. Auch der Krähenfuß-Wegerich tauchte auf. Er ist sonst eher an Nord- und Ostsee zu finden.

Es sei nur zu erahnen, wie diese Pflanzen an die Autobahn kommen, sagte Corinne Buch von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet. "Der Krähenfuß-Wegerich ist zum Beispiel eine Salzpflanze. Da spielt Streusalz eine Rolle", sagte die Forscherin, für die ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Seit langem hätten Forscher immer mal wieder bei Staus oder an Tankstellen versucht, die Arten entlang des Ruhrschnellweges entlang zu erfassen. "Als wir dann vom Still-Leben erfahren haben, war sofort klar: Da müssen wir hin."

Lange Reise

Dabei finden sich an der Autobahn auch eingewanderte Pflanzen wie das Schmalblättrige Greiskraut, das aus Südafrika kommt und wahrscheinlich am Lastwagenreifen anreiste. Und es wachsen Stockrosen an der Autobahn, die sonst oft in Bauerngärten stehen. "Die könnten dahin gekommen sein, weil Menschen sie die Böschung runtergekippt haben. Das ist aber eigentlich verboten", sagte die Forscherin.

An dem Projekt waren neben Wissenschaftlern der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet und des Bochumer Botanischen Vereins auch Forscher der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Duisburg-Essen, der Universität Köln, des Ruhr Museums und von verschiedenen Naturschutzverbänden beteiligt. Die Ergebnisse sollen Anfang Dezember in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden.

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Quelle: n-tv.de