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Auswirkungen von Narkosen Bienen bekommen "Jetlag"

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Eine Honigbiene mit reichlich gesammelten Blütenpollen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um die Wirkungen von Narkosen zu untersuchen, betäuben Forscher Honigbienen für sechs Stunden und lassen sie dann frei. Die Tiere starten verspätet zu ihren Flügen und verlieren zudem über einen gewissen Zeitraum ihren sonst so hervorragenden Orientierungssinn.

Auch Bienen können eine Art Jetlag haben: Eine Vollnarkose bringe ihre Innere Uhr durcheinander, berichten Forscher. Die Insekten seien nach mehrstündiger Narkose verspätet zu ihren Erkundungsflügen aufgebrochen, berichtet das Team in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Zudem sei ihr Orientierungssinn gestört gewesen. Auch vom Menschen ist bekannt, dass eine Narkose Schlafstörungen und eine veränderte Zeitwahrnehmung zur Folge haben kann – ähnlich wie bei einem Jetlag.

Honigbienen (Apis mellifera) orientieren sich bei ihren Flügen zwischen Bienenstock und Futterquelle am Stand der Sonne. Wegen der Drehung der Erde verschiebt sich die Position der Sonne um etwa 15 Grad pro Stunde. Diesen Zeitfaktor können Bienen dank ihrer Inneren Uhr berücksichtigen. James Cheeseman von der University of Auckland und seine Mitarbeiter hatten Honigbienen nun für sechs Stunden mit dem auch beim Menschen verbreitet eingesetzten Narkosemittel Isofluran betäubt. Dann beobachteten sie, welche Richtung die Tiere bei ihrem Rückflug von einer Futterquelle zum Stock einschlugen.

Innere Uhr gestoppt

Es zeigte sich, dass die Narkose die Zeitwahrnehmung der Bienen durcheinandergebracht hatte. Ihre Innere Uhr war während der Narkose quasi angehalten, so dass sie nach dem Aufwachen in eine falsche Richtung flogen. Nicht betäubte Bienen fanden auch nach sechs Stunden den Weg zurück zum Stock. In einem weiteren Experiment zeigten die Forscher, dass die Tiere nach einer mehrstündigen Narkose verspätet zu ihren Nahrungsflügen aufbrachen – auch dies ein Beleg für eine Störung der Inneren Uhr. Der Effekt hielt auch drei Tage nach der Narkose noch an.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Narkose die Aktivität mehrerer sogenannter "Uhren-Gene" beeinflusste. Diese Gene bilden ihre Protein-Produkte normalerweise in einem strengen 24-stündigen Rhythmus, der durch äußere Reize gesteuert wird – etwa durch Licht. Einige Gene bilden zum Beispiel morgens große Mengen Protein, im Laufe des Tage sinkt dann die Produktionsmenge, andere werden erst später am Tag "angeschaltet". Auf diese Weise wird die Innere Uhr gestellt. Die Narkose löste nun eine Phasenverschiebung in der Aktivität der Uhren-Gene aus – allerdings nur, wenn die Tiere tagsüber betäubt wurden. Eine nächtliche Narkose beeinträchtigte die Genaktivität – und damit die Innere Uhr – nicht.

Womöglich löst Isofluran eine Überaktivierung des Rezeptors für den Hirnbotenstoff GABA aus, berichten die Forscher weiter. Dieser sei bekanntermaßen an der Aufrechterhaltung eines 24-Stunden-Rhythmus bei Insekten und Säugetieren beteiligt. Weitere Untersuchungen seien nötig, um herauszufinden, ob sich mit Medikamenten oder auch mit Lichtreizen die Wirkung des Narkosemittels auf die Innere Uhr aufheben lässt.

Quelle: n-tv.de, dpa

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