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Selbst nach mehreren Jahren DDT verursacht Fehlbildungen

Noch Jahre nach der regelmäßigen Anwendung des Insektengiftes DDT zur Bekämpfung von Malariamücken zeigen sich die nachteiligen Auswirkungen der Chemikalie auf die menschliche Gesundheit.

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Im Westen ist das Insektizid DDT längst verboten. Weltweit darf es nur noch zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten angewendet werden.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Mütter aus Dörfern, in denen das Mittel zwischen 1995 und 2003 regelmäßig verspritzt wurde, brachten zwischen 2004 und 2006 ein Drittel mehr Jungen mit einer Fehlbildung der Harn- und Geschlechtsorgane zur Welt als Mütter in DDT-freien Dörfern. Dies berichten Forscher im "Journal of the British Association of Urological Surgeons" ("BJUI").

Dort, wo DDT noch heute eingesetzt wird – oder wo es angesichts der wachsenden Malariagefahr wieder zum Einsatz kommen soll – müssten die Menschen über die möglichen Spätfolgen aufgeklärt werden, fordern die Wissenschaftler.

Bis zu 20 Jahre später noch Rückstände

Problematisch im Umgang mit DDT: Die Chemikalie sammelt sich im Körper. Während der Schwangerschaft gelangt sie über Plazenta und Nabelschnur in hohen Konzentrationen auch in den Embryo; auch in der Muttermilch lassen sich DDT und seine chemischen Abkömmlinge nachweisen.

Schätzungen zufolge würde es 20 Jahre dauern, bis nach einem vollständigen Stopp des Chemikalieneinsatzes die letzten Spuren aus dem Körper verschwunden sind, erklären die Forscher weiter. Im Körper greift die Substanz (Dichlordiphenyltrichlorethan) in den Hormonhaushalt ein, der auch für die Bildung der Geschlechtsorgane von großer Bedeutung ist.

Riana Bornman von der University of Pretoria in Südafrika und ihre Mitarbeiter hatten insgesamt 3310 Jungen, die in den Dörfern der Limpopo-Provinz zur Welt gekommen waren, auf das Vorhandensein sogenannter urogenitaler Fehlbildungen untersucht. In einem Teil dieser Dörfer wurde über lange Zeit, teilweise bis heute, DDT eingesetzt. In anderen Dörfern wurde das Mittel nicht verwendet.

Risiko um ein Drittel höher

Elf Prozent der untersuchten Kinder wiesen eine Fehlbildung auf, dazu gehörten unter anderem eine extreme Verkleinerung des Penis (Mikropenis), eine Vorhautverengung oder eine Hodenfehlstellung. Frauen, die in "DDT-Dörfern" lebten, hatten eine um 33 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass ihr neugeborener Sohn eine dieser Fehlbildungen zeigte. Das Risiko erhöhte sich weiter, wenn die Mutter Hausfrau war und das Haus nicht zum Studieren oder Arbeiten verließ.

DDT habe dazu beigetragen, Malaria in Afrika einzudämmen und die Zahl der Malaria-Todesfälle zu reduzieren, schreiben die Wissenschaftler. Dennoch müsse die Öffentlichkeit über mögliche Gesundheitsrisiken verbreiteter Strategien gegen die Krankheit informiert werden – insbesondere angesichts der derzeitigen Sorge, dass sich die Malariagefahr infolge des Klimawandels erhöhen wird. Auch die Langzeitfolgen des DDT-Einsatzes müssten untersucht werden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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