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Bruch von Peru bis Feuerland Erdbeben hebt Insel an

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Knapp zwei Meter ging es mit der Isla Santa María beim Erdbeben 2010 nach oben. Die Muschelränder zeugen davon.

(Foto: M. Moreno / GFZ)

Erdbeben vorherzusagen ist auch mit modernster Technik nicht möglich. Forscher setzen daher alles daran, mehr über Spannungen in der Erdkruste zu erfahren. Eine Insel im Pazifik, die bei Beben in die Höhe schnellt, erweist sich als aufschlussreich.

Schon Darwins Kapitän Robert Fitzroy erzählte davon: Als er mit dem berühmten Naturforscher zu Beginn der 1830er-Jahre auf den Weltmeeren unterwegs war, wurden sie Zeugen eines starken Erdbebens in Chile. Danach – so die Beobachtungen des Kapitäns – ragte die Isla Santa María vor der chilenischen Stadt Concepción zwei bis drei Meter höher aus dem Wasser als zuvor.

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Die Isla Santa María: Ein Teil des Strandes wurde erst 2010 wieder sichtbar.

(Foto: M. Moreno / GFZ)

Fitzroy hatte das an riesigen Mengen toter Muscheln und abgestorbenen Seetangs erkannt, die auf einem breiten Uferstreifen lagen. Offenbar war der Strand erst vor Kurzem trockengefallen, schlussfolgerte er.

Das Beben, das die Gegend mit einer Stärke von 8,5 erschüttert hatte, sollte nicht das letzte Starkbeben an der chilenischen Küste sein. Der Boden des Pazifiks taucht hier unter den südamerikanischen Kontinent. Innerhalb von gut anderthalb Jahrhunderten bricht die gesamte Strecke von Feuerland bis Peru in einer Serie von Erdbeben einmal komplett durch, heißt es aus dem Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ). Das Beben von 1835 war der Anfang eines solchen seismischen Zyklus in Concepción. Der Zyklus endete dort 175 Jahre später.

Tektonische Platte schnellt hoch

Denn 2010 wiederholte sich ein solches Starkbeben an fast genau derselben Stelle. Die Isla Santa María war inzwischen wieder ein gutes Stück abgesunken, anderthalb Meter etwa. Das Beben von Maule im Jahr 2010 hob sie erneut um etwa zwei Meter in die Höhe. Die tektonische Platte, die sich unter der Insel befindet, war nach oben geschnellt.

An der Insel und ihrer Höhe können Wissenschaftler einiges über die Bewegungen der Erdkruste zwischen zwei großen Beben ablesen. Beobachtungen von Geoforschern aus Deutschland, Chile und den USA weisen darauf hin, dass das Absinken der Isla Santa María nach einem Erdbeben nicht gleichmäßig geschieht. Das bedeutet: Die Erdkruste entlang einer Plattengrenze sinkt in der Ruhephase zwischen zwei Starkbeben nicht wieder komplett in die alte Position zurück.

Ein Teil der Hebung bleibt

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Geoscience erläutern die Wissenschaftler, wie es zu dem Steigen und Sinken der Insel kommt: "Zwischen den großen Erdbeben verhakt sich die Platte unter der Isla Santa María unter dem Rand Südamerikas und drückt ihn, mitsamt der Insel, nach unten und zugleich nach Osten", sagt Marcos Moreno vom GFZ. Moreno ist Ko-Autor der Arbeit über die Isla Santa María und den kompletten seismischen Zyklus. "Während des Bebens", so der Forscher, "dreht sich die Bewegungsrichtung um, Südamerika springt nach oben und nach Westen".

Über die Jahrzehnte ergibt sich aus diesem Spannungsauf- und -abbau eine dauerhafte Anhebung der Isla Santa María – auch wenn sie zwischendurch immer wieder ein Stückchen in die Tiefe rutscht. Zehn bis zwanzig Prozent der seismischen Hebung könnten dauerhaft sein, sagen die Forscher.

Aus der Erfassung und Messung von Verformungen der Erdkruste über vollständige seismische Zyklen hinweg erhoffen sich die Wissenschaftler, Erdbebenrisiken entlang von Plattengrenzen besser abschätzen zu können. Eines steht fest: Beben wiederholen sich nicht in regelmäßigen zeitlichen Abständen und auch gleichmäßig wiederholte Stärken gibt es nicht. Doch wenn man über dauerhaft bleibende Reste alter Hebungen der Erdkruste Bescheid weiß, könnte das helfen, um bestehenden Spannungen auf die Spur zu kommen.

Quelle: n-tv.de, asc

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