Wissen

Trotz aller Technik Erdbeben weiter nicht vorhersagbar

seismograph.jpg

Details, die für die exakte Vorhersage eines Erdbebens nötig wären, bleiben offen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Forscher können auf Messwerte eines ganzen Jahrhunderts und auf Radar- und Satellitendaten zurückgreifen. Dennoch lassen sich Erdbeben nicht exakt vorhersagen. Warum nicht?

Erdbebenmessungen gibt es seit rund 100 Jahren. Als der Geowissenschaftler Alfred Wegener in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Theorie der Kontinentalverschiebung begründete, zog er seine Rückschlüsse noch aus genauen Beobachtungen und Berechnungen. Später unterstützten Seismographen Wegeners Theorie.

Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten

Der Seismograph verwandelt Schall- und Erschütterungswellen in elektrische Signale, die sich aufzeichnen lassen. Gemessen werden sowohl die Stärke der Wellen als auch ihre Geschwindigkeit und Beschleunigung. Aus diesen Daten lassen sich unter anderem das Zentrum des Bebens und die dabei freigesetzte Energie ableiten. Seismographen dokumentieren auch Beben, die so schwach sind, dass Menschen sie nicht fühlen können. Auch minimale Plattenbewegungen können auf diese Weise veranschaulicht und nachvollzogen werden. Zusätzlich kommen Radar- und Satellitensysteme bei der Erdbebenforschung zum Einsatz.

luehr.jpg

Lühr forscht im Bereich Erdbebenrisiko und Frühwarnung am Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam.

(Foto: gfz-potsdam)

Dennoch ist es auch heute noch unmöglich, ein Beben zuverlässig vorherzusagen und Menschen rechtzeitig zu warnen. "Dafür fehlen uns", wie Erdbebenexperte Dr. Birger Lühr vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ) erklärt, "zahlreiche Details." "Wir können Probabilitäten angeben, Wahrscheinlichkeiten", sagt Lühr. So sind sich die Wissenschaftler einig, dass es mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2025 zu einem starken Beben in Istanbul kommen wird.

Vorbeugen bleibt überlebenswichtig

Wie Lühr veranschaulicht, basieren die Wahrscheinlichkeiten auf einer Kombination aus Messungen, Erfahrungswerten und Berechnungen: "1751 gab es das letzte große Beben auf Haiti. Wir wissen, dass sich die Karibische Platte in dieser Gegend jährlich rund acht Millimeter ostwärts bewegt. In 260 Jahren sind das rund zwei Meter." Aus solchen Berechnungen lassen sich gewisse Schlussfolgerungen ziehen. Aber wie der Experte betont, weiß man dabei zum Beispiel nicht, "ob sich die aus der Plattenbewegung entstehenden Spannungen abrupt in einem großen oder etwas sanfter in mehreren kleinen Beben entladen werden." Immerhin sind sich Wissenschaftler einig, dass es mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2025 zu einem starken Beben in Istanbul.

Erdbeben lassen sich also nicht exakt vorhersagen, und sie lassen sich erst recht nicht verhindern. Umso wichtiger ist es, in stark erdbebengefährdeten Gebieten vorzubeugen und sich darüber zu informieren, wie man sich im Falle eines Bebens verhalten sollte. Das GFZ hat zu diesem Zweck ein Merkblatt auf seiner Homepage veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema