Wissen

Neue Ära der Erdbeobachtung Europäischer Satellit startet Reise ins All

43664399.jpg

Der rund 2,3 Tonnen schwere Satellit soll die Erde in etwa 700 Kilometern Höhe umrunden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem Sentinel-1A schickt die ESA ein weiteres Flaggschiff der europäischen Weltraumpolitik ins All. Der Satellit soll Aufschluss über das Polareis geben und Naturkatastrophen ins Visier nehmen. Doch das Hightech-Instrument kann noch mehr.

Start frei für Europas Weltraum-Wächter: Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana soll am Donnerstag der erste Satellit des ehrgeizigen europäischen Copernicus-Programms zur Erd- und Umweltbeobachtung abheben. Eine Sojus-Trägerrakete bringt den Satelliten Sentinel-1A in den Erdorbit, aus dem er mit seinem High-Tech-Radar die Oberfläche unseres Planeten bei allen Wetterlagen abtasten wird. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse dienen wissenschaftlichen Zwecken, etwa der Erfassung der Eismassen an den Polen. Die Sentinel-Daten können aber auch bei Naturkatastrophen wie Überflutungen die Arbeit von Rettungskräften unterstützen.

43657021.jpg

Das Radarinstrument wird mit 560 Einzelantennen ausgestattet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sentinel-1A ist der erste Satellit in einer ganzen Satellitenflotte der europäischen Weltraumagentur ESA, die in den kommenden Jahren im Zuge des Copernicus-Programms ins All geschossen wird. Hinter Copernicus, einem Gemeinschaftsprojekt von Europäischer Kommission und ESA, verbirgt sich das größte bislang entworfene Erdbeobachtungsprogramm. Sein Ziel ist, den aktuellen Zustand des blauen Planeten kontinuierlich zu erfassen und Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landoberflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln - und diese Daten dann zeitnah Behörden, Unternehmen, Umweltämtern und Bürgern zur Verfügung zu stellen.

Nach dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo gilt Copernicus als zweites Flaggschiff der europäischen Weltraumpolitik. Dabei werden Sentinel-1A und sein baugleicher Schwester-Satellit Sentinel-1B, der im kommenden Jahr starten soll, eine große Rolle spielen: Die beiden Sentinel-1-Satelliten werden unter anderem vulkanische Aktivitäten in ihr Radar-Visier nehmen, außerdem Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen. Zudem werden sie das Meer beobachten, um Behinderungen durch Meereis oder Ölverschmutzungen frühzeitig zu erkennen und damit die Schifffahrt sicherer zu machen.

Nichts kann Blick trüben

Die Daten der Satelliten dürften sich bei Katastropheneinsätzen als ausgesprochen hilfreich erweisen. Denn wenn bei humanitären Hilfseinsätzen Informationen in kurzer Zeit benötigt werden, können die innerhalb von 60 Minuten verfügbaren Sentinel-1-Bilddaten wichtige Aufschlüsse über die aktuelle Lage und Entwicklung geben. Auch trüben weder Tageszeit noch Wetter den Radar-Blick der Satelliten - bei Wolken und Regen kann das moderne Radarinstrument an Bord der Satelliten ebenso Aufnahmen der Erdoberfläche fertigen wie in der Dunkelheit.

Wenn beide Sentinel-1-Satelliten im Erdorbit sind, werden sie innerhalb von sechs Tagen einmal die komplette Oberfläche des Planeten erfassen. Ihre Daten schicken sie zur schnellen Verarbeitung an Bodenstationen rund um den Globus. In den Folgejahren starten dann weitere Sentinel-Satelliten, die unser Wissen über die Umwelt und drohende Umweltprobleme vertiefen sollen: Die Sentinel-Missionen 2 bis 4 werden künftig unter anderem hochauflösende Kameraaufnahmen der Erdoberfläche sowie Messungen der Temperatur und Farbe der globalen Meeresoberflächen liefern.

Auch die Sentinel-5-Mission ist bereits beschlossene Sache: Vom Jahr 2021 an soll im Zuge dieses Projekts ein Spektrometer vom Weltraum aus ständig die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren. Dabei bestimmt das Gerät unter anderem den Gehalt an Spurengasen und Aerosolen - beide sind wichtig für das Klima und die Luftqualität.

Quelle: ntv.de, Richard Heister, AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen