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Auch Vögel erschnüffeln Verwandtschaft Geruchssinn schützt vor Inzucht

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Verwandt oder nicht? Zebrafinken erkennen es am Geruch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dass Säugetiere, Insekten und Fische ihre Verwandtschaft am Geruch erkennen, ist längst bekannt. Bei Vögeln ging die Forschung bisher davon aus, dass sie Inzucht anhand des Gezwitschers ihrer Verwandten vermeiden. Zebrafinken haben die Wissenschaftler jetzt eines Besseren belehrt.

Zebrafinken können das Nest ihrer Geburt erschnuppern – so erkennen sie Verwandte und vermeiden Inzucht. Dass auch ein Singvogel seine Sippe mit Hilfe des Riechsinns identifizieren kann, ist nach Angaben von Forschern der Universität Bielefeld neu. Das Team um Barbara Caspers veröffentlichte die Ergebnisse seiner Studie in dem Journal "Biology Letters".

Bislang sei der Riechsinn der Singvögel von der Wissenschaft vernachlässigt worden, erklären die Forscher. Dass andere Tiere – wie Säugetiere, Insekten und Fische – ihre Verwandtschaft am Geruch erkennen, war schon länger bekannt. Zudem ist nachgewiesen, dass etwa Albatrosse ihre Beute über weite Entfernung hinweg "erschnüffeln".

Doch nicht riechunfähig

Viele Wissenschaftler hielten die meisten Vögel bislang aber für riechunfähig. Stattdessen gingen sie davon aus, dass Singvögel ihre Familie nur anhand ihres Gezwitschers oder mit den Augen erkennen. Doch dem Bielefelder Team war aufgefallen, dass die Vögel ihre Verwandten auch erkennen, wenn sie nicht mit dem Familien-typischen Gesang aufgewachsen waren.

Mit Hilfe eines Aufzucht-Experiments erforschte die Gruppe, ob Zebrafinken (Taeniopygia guttata) zwischen den Nestern ihrer Verwandten und jenen von fremden Vögeln nur anhand des Geruchs unterscheiden können.

Familiäre Prägung im Nest

Dazu setzten Caspers und ihre Kollegen 17 frisch geschlüpfte Küken in fremde Nester mit gleich alten Zebrafinken und ließen den Nachwuchs dort groß werden. Im Alter von etwa drei Wochen begann Teil zwei des Versuches: Den "Pflege"-Finken wurden zwei Gerüche präsentiert: Einer stammte aus dem Nest, in dem Tiere geschlüpft waren. Der zweite stammte aus dem Nest der Pflegefamilie. Die jungen Vögel bevorzugten den Geruch ihrer Geburtsstätte, schreiben die Forscher nach ihrer statistischen Analyse.

Die Forscher vermuten, dass die jungen Vögel den Geruch des Nestes und damit ihrer Eltern direkt nach dem Schlüpfen verinnerlichen – als eine Art familiärer Prägung. Auf diese Weise können Zebrafinken ihren Verwandten zu Hilfe eilen und Inzucht vermeiden – selbst dann, wenn sie nicht gemeinsam aufgewachsen sind, heißt es in dem Journal.

Quelle: n-tv.de, dpa

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