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Ärzte verteidigen OP Gesicht transplantiert

Als "ungewöhnlichen Schritt in einer ungewöhnlichen Situation" haben Mediziner aus Amiens und Lyon ihre weltweit erste großflächige Gesichtstransplantation verteidigt.

Der umstrittene Eingriff sei notwendig gewesen, weil der betroffenen Patientin nicht anders hätte geholfen werden können, sagte der Leiter des ausführenden Krankenhauses, Philippe Domy, am Freitag in Lyon. Die 38-Jährige habe 24 Stunden nach der Operation ihr Bewusstsein wiedererlangt. Ihr erstes Wort an die Ärzte sei "Danke" gewesen.

Die Frau, die durch Hundebisse vollkommen entstellt worden war, erhielt am vergangenen Sonntag in Amiens Nase, Lippen und Kinn einer hirntoten Spenderin. Chefchirurg Jean-Michel Dubernard räumte ein, dass er vor dem Eingriff Bedenken gehegt habe. Aber nachdem er den Zustand der Patientin gesehen habe, habe er keine Sekunde mehr gezögert.

Nach Ansicht des französischen Chirurgen Laurent Lantieri wurde bei der Transplantation gegen die Weisung der Ethikkommission des Landes verstoßen. Man habe gar nicht erst versucht, das Gesicht der Patientin mit konventioneller plastischer Chirurgie zu rekonstruieren, sondern sofort nach einer Spenderin gesucht, sagte Lantieri. Andere französische Mediziner sehen die einschlägigen Ethikregeln gewahrt, weil die Patientin kein komplettes neues Gesicht erhalten habe.

Die Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen verwies am Donnerstag auf die Risiken des Eingriffs. Um eine Abstoßungsreaktion zu vermeiden, müsse die Patientin ein Leben lang starke Medikamente nehmen, die wiederum Infektionen begünstigten und zu bösartigen Tumorerkrankungen führen könnten. Deshalb könne die Gesichtstransplantation wohl niemals ein Routineeingriff werden.

Quelle: ntv.de