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Tuberkulose bricht nicht aus Impfstoff wirkt nach Ansteckung

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Tuberkulose-Kontrolltests im Labor.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Möchte man sich vorbeugend vor einer Krankheit schützen, braucht es eine gewisse Zeit, bis der Körper nach einer Impfung immun ist. Forschern gelingt es nun mit einem neuen Impfstoff, nicht nur Vorsorge zu betreiben, sondern sogar nach einer Infektion die Tuberkuloseerreger im Körper in Schach zu halten - zumindest in Laborversuchen mit Mäusen.

Ein experimenteller Tuberkulose-Impfstoff kann den Ausbruch der Krankheit auch dann noch verhindern, wenn bereits eine Infektion stattgefunden hat. Bei Mäusen gelang es Forschern mit diesem Impfstoff, die Zahl der Tuberkulose-Bakterien im Körper zu reduzieren und sie im so genannten latenten Stadium zu halten, in dem sie keine Symptome verursachen. Der Impfstoff schütze aber auch vor einer Tuberkulose-Infektion, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Medicine". Sie wollen den Impfstoff jetzt für klinische Untersuchungen am Menschen weiterentwickeln.

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Nahaufnahme einer Mykobakterium-tuberculosis-Kultur.

(Foto: wikipedia)

Tuberkulose wird von verschiedenen Mykobakterien hervorgerufen, beim Menschen am häufigsten vom Mycobacterium tuberculosis. Die Bakterien können eine aktive Tuberkulose auslösen, bei der die Patienten die Erreger auch ausscheiden und damit Andere anstecken können. Die Bakterien können aber auch in einer Art Ruhezustand für Jahre oder Jahrzehnte im Körper überdauern. Diesen Zustand nennen Fachleute Latenz. Die Krankheit kann dann wieder ausbrechen, wenn das Immunsystem der Infizierten geschwächt wird, etwa durch eine andere Infektion wie HIV.

Erreger bleiben in der Latenzphase

Als einziger vorbeugender Impfstoff für den Menschen ist der so genannte BCG (Bacillus Calmette-Guérin)- Impfstamm zugelassen. Aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit und den vorhandenen Impfkomplikation wird er von der Ständigen Impfkomission am Robert Koch-Institut in Deutschland aber nicht mehr empfohlen. Forscher arbeiten deswegen verstärkt an besseren Impfstoffen. Alle derzeit in Tests befindlichen Impfstoffe werden aber nur zur Vorbeugung entwickelt, das heißt, sie sollen vor einer Ansteckung schützen. Die Forscher um Claus Aagaard vom Staatlichen Impf-Institut in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen untersuchten nun einen Impfstoff, der zusätzlich bei bereits infizierten Menschen die Reaktivierung einer latenten Infektion verhindern soll.

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Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkuloseerregern infiziert.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sie kombinierten dazu in dem Impfstoff mehrere Antigene. Antigene sind diejenigen Eiweiße, auf die der Körper nach einer Impfung mit einer Immunantwort reagiert, unter anderem mit der Bildung von Antikörpern. In der Regel sind die Antigene einzelne Bestandteile des Krankheitserregers. Der Körper wird so auf eine "echte" Infektion vorbereitet, denn es stehen dann bereits Antikörper für die Abwehr der Bakterien zur Verfügung. Bei den Antigenen des neuartigen Impfstoffs handelte es sich um Eiweiße, die von den Tuberkulosebakterien zu verschiedenen Zeiten der Infektion gebildet werden, also zu Beginn und auch dann, wenn sie sich im Ruhezustand befinden.

Es zeigte sich, dass der Kombinationsimpfstoff bei Mäusen eine Immunreaktion auf alle Antigen-Bestandteile hervorrief. Folglich schützte die Impfung einerseits gesunde Mäuse, die noch nicht mit dem Tuberkulose-Erreger in Berührung gekommen waren. Bei bereits infizierten und latent erkrankten Mäusen wurden die Bakterien andererseits durch die Impfung so in Schach gehalten, dass es nicht zu einem akuten Ausbruch der Krankheit kam.

Quelle: ntv.de, dpa

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