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Gefährliche Werbekampagne Kann "Outox" nüchtern machen?

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Die Homepage von "Outox" hat große Lücken.

"Outox" verhindert nach Alkoholgenuss den Kater und kann sogar helfen, die Fahrtüchtigkeit zu erhalten. Mit diesen Versprechungen jedenfalls bewirbt der Hersteller seine süße Sodamischung zur Produkteinführung in Frankreich und erntet damit Misstrauen und Auflagen.

"Outox" heißt eine orange Wunderbrause in Büchsen, die den Kater nach einer Feier verhindern und den Blutalkohol so schnell abbauen kann, dass die Fahrtüchtigkeit erhalten bleibt. Das jedenfalls hatte der Luxemburger Hersteller Outox International zur Einführung des magischen Getränks am 18. Juni 2010 in Frankreich versprochen und bezeichnete seine Sodamischung auch gleich als "Outox – the Safety Drink" – ein Sicherheitsgetränk.

Seitdem gibt es viel Gegenwind für das Unternehmen. Lebensmittelexperten und Ärzte melden sich zu Wort und zweifeln lautstark die Wirkung von "Outox" an, da die Zusammensetzung aus Mineralwasser, Fruktose, Zitronensäure, Apfelsäure, Antioxidationsmittel, Ascorbinsäure, Aroma, Stabilisatoren (E414,E915) und Farbstoffen(E160a, E160e) auf keinerlei Wunderwirkungen im menschlichen Körper schließen ließe, sondern lediglich an eine ganz normale Brause mit reichlich Kalorien erinnere. Einzig der Zucker könne die Aufnahme von Alkohol im Körper verlangsamen, allerdings nur, wenn das Getränk vor dem Alkohol verzehrt würde. Das wiederum widerspricht der Gebrauchsanleitung von Outox.

Nicht schütteln und kühl aufbewahren

Auf der offiziellen Homepage wird ganz genau erklärt, dass das magische Getränk erst 15 Minuten nach dem letzten Glas Alkohol langsam getrunken werden soll. Schon 45 Minuten danach, soll der Abbau von Alkohol nachweisbar sein. Der Endokrinologe und Ernährungsberater Magali Cocaul erklärt diesen Vorgang als physikalisches Phänomen, bei dem Fruktose und Ascorbinsäure direkt auf die Leber wirke, so dass diese vermehrt Enzyme produziere, die wiederum den Alkohol auf natürliche Weise zersetzten.

Die 250 Milliliter-Büchse dürfe vorher jedoch nicht geschüttelt und müsse an einem sauberen und trockenen Ort aufbewahrt werden. Um die Wirkung von "Outox" optimal zu nutzen, solle man eine ganze Büchse der Sodamixtur mit Tutti-Frutti-Geschmack leeren. Die Antwort, wie viel Alkohol eine Büchse "Outox" wie schnell abbauen kann, bleibt der Hersteller jedoch schuldig.

Kein Sicherheitsgetränk

Solche Werbeversprechungen wollen glauben machen, dass nach dem Verzehr von "Outox" die Wirkungen von Alkohol vollständig aufgehoben werden. Wegen der vielfältigen Gefahren, die in solch trügerischen Zusagen stecken, hat sich in Frankreich die Generaldirektion Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) eingeschaltet und erwirkt, das "Outox" nicht mehr den Namenszusatz "the Safety Drink" tragen darf. Zudem mussten alle strittigen Bemerkungen und irreführenden Texte von der "Outox"-Homepage beseitigt werden.

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Maurice Penaruiz bei der Einführung von "Outox" in Paris.

(Foto: Reuters)

Aber nicht nur die Rubriken "es wirkt" oder "man gewinnt" können bisher nicht angeklickt werden. Auch der Presse-Bereich der "Outox"-Seite ist nicht aktiviert, obwohl es in französischen Zeitungen zahlreiche Meldungen zu "Outox" gegeben hat. Die Tageszeitung "Libération" titelte beispielsweise: "Outox, détox ou intox ?" (Outox, Entgiftung oder Schwindel?). Diese Art von Presse allerdings lässt die Absatzzahlen keineswegs steigen. Bis zum Ende des Jahres will das Unternehmen allerdings 250.000 Büchsen verkauft haben.

Verbraucher-Argwohn ist gesund

Selbst als unvoreingenommener Verbraucher ist es schwierig, den Ausführungen des Firmenchefs Maurice Penaruiz Glauben zu schenken. So beteuerte er bei Einführung von "Outox", dass dieses Getränk nichts mit dem "Outox" zu tun habe, dessen Verkauf vor sechs Monaten in Kanada, Spanien, Japan und Ungarn eingestellt worden war. Auch die Tatsache, dass auf der "Outox"-Internet-Seite über die Gefahren des Alkoholkonsums aufgeklärt wird, kann nicht über die zweifelhafte Werbestrategie der "Outox"-Hersteller hinweg helfen.

"Wenn jemand ein Produkt erfindet, das wirklich in der Lage ist, den Blutalkoholspiegel zu senken, verdient er den Nobelpreis", bemerkt Alain Rigaud, Präsident der Nationalen Vereinigung gegen Alkohol- und Drogensucht ironisch. Wer trotz allem die Wirkung von "Outox" im Selbstversuch testen will, der muss tief in die Tasche greifen. Bestellen kann man das Sodagetränk über das Internet. Bisher ist man jedoch gezwungen, mindestens vier Büchsen für 21,58 Euro plus Versandkosten zu ordern.

Quelle: n-tv.de

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