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Europäisches Programm endet Letzter ESA-Raumtransporter erreicht ISS

Zum letzten Mal macht ein europäischer Raumtransporter an der ISS fest. An Bord unter anderem: "sehr viel Kaffee" und Käsespätzle. Schwierigste Phase der Operation ist das Andocken - bei einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde.

Kiloweise Kaffee für die Astronauten im All und etwas Wehmut auf der Erde: Der letzte europäische Raumtransporter "Georges Lemaître" hat an der Internationalen Raumstation ISS festgemacht. Er ist mit fast sieben Tonnen Ausrüstung, Lebensmittel, Treibstoff, Wasser und Atemluft beladen. Das Versorgungsschiff wird in etwa sechs Monaten zur Erde zurückkehren und beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Damit endet eine Ära in der europäischen Raumfahrt: Die europäische Weltraumorganisation Esa stellt das drei Milliarden Euro teure ATV-Programm nach fünf Starts ein.

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Die Mitarbeiter von Airbus Defence & Space, der für das ATV-Cargo zuständige Rachid Amekrane (l) und der stellvertretende ATV-Programmleiter Michael Teichwart kommentieren in Bremen den Dockingvorgang von "Georges Lemaitre" an die ISS.

(Foto: dpa)

Der nach dem belgischen Begründer des Urknalltheorie benannte Raumfrachter war Ende Juli vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana mit einer Ariane-Rakete abgehoben. "Das Festmachen ist der schwierigste Teil der Mission. Es ist jedes Mal spannend", sagte der stellvertretende Programmleiter Thomas Teichwart von Airbus Defence and Space. Zahlreiche Mitarbeiter verfolgten das Manöver auf einer großen Leinwand im Bremer Werk, wo alle fünf Raumtransporter gebaut wurden. Zentimeterweise näherte sich "Georges Lemaître" der fußballfeldgroßen ISS. Der Raumtransporter musste bei einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde einen nur 15 Zentimeter großen Andockpunkt treffen.

Nationale Vorlieben

Die sechs Besatzungsmitglieder der ISS sollen die Fracht in den nächsten Tagen entladen. "Diesmal war sehr viel Kaffee dabei", sagte Rachid Amekrane, der bei Airbus fürs Beladen verantwortlich ist. "Fast 40 Kilo." Aus den Frachtlisten kann er jedes Mal die persönlichen Vorlieben der Astronauten rauslesen: Die US-Amerikaner bestellen gerne Tortillas, die Italiener Spaghetti. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst kann sich über Käsespätzle, Grießflammeri und neue Sportkleidung freuen. An Bord ist auch ein Schmelzofen für die Materialforschung, den Gerst auf der ISS einbauen und testen soll.

Etwas wehmütig sind Teichwart und Amekrane schon, dass die ATV-Ära nach sechs Jahren wieder vorbei ist. Trotzdem freuen sie sich auf ihre neue Aufgabe: Auf Basis der ATV-Technik sollen sie ein Servicemodul für das "Orion"-Raumschiff der US-amerikanischen Nasa entwickeln. "Das erste Ziel ist der Mond. Jeder in meiner Generation träumt natürlich davon", sagte Teichwart. Als Junge hat er die erste Mondlandung erlebt und wollte seither in die Raumfahrt. In der nächsten Woche sollen die Vorbereitungen für das Servicemodul in Bremen beginnen. Mitte bis Ende 2015 wollen Teichwart und seine Kollegen es zusammenbauen.

Quelle: ntv.de