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Mond, Mars, ISS Obama und die Raumfahrt

Eigentlich müsste die Raumfahrt geradezu ein Lieblingskind des neuen US-Präsidenten Barack Obama sein. Schließlich geht es um eine Zukunftsindustrie, einen High-Tech-Sektor, in dem die Amerikaner noch die Nase vorn haben. Und es geht um tausende Jobs.

Doch statt eitel Sonnenschein herrscht derzeit das große Zittern bei der US-Weltraumbehörde NASA. Ihr Chef Michael Griffin hat bereits den Hut genommen, führungslos treibt die Behörde dahin. Die große Frage, die derzeit niemand so recht beantworten kann, lautet: Wie hält es Obama mit der Raumfahrt?

Als Nachfolger Griffins ist unter anderem der Ex-Kampfpilot Jonathan Scott Gration im Gespräch - ein Mann, der teilweise im afrikanischen Kongo aufwuchs und Obama schon im Wahlkampf als Berater in Militärfragen zur Seite stand. Aber in Sachen Raumfahrt sei er unbeleckt, heißt es in der NASA mit kritischem Unterton. "Gration wäre der erste NASA-Chef, der Kisuaheli spricht", witzelte die "Washington Post".

"Bush-Doktrin" auf dem Prüfstand

Ausgerechnet in den nächsten Monaten stehen bei der NASA strategische Schlüsselfragen zur Entscheidung an. Die wichtigste: Wird Obama die bisherige Weichenstellung beibehalten und im nächsten Jahr die betagten Shuttles einmotten? Und, wichtiger noch, vor allem für Deutsche und Europäer: Was wird aus der Internationalen Raumfahrtstation ISS?

Die Regierung von Präsident George W. Bush hatte recht unverhohlen signalisiert, dass sie kein längerfristiges Interesse an der ISS hat. Stattdessen sollten die Astronauten zum Mond und zum Mars fliegen - jetzt steht die "Bush-Doktrin" auf dem Prüfstand.

Dagegen scheint im Obama-Lager Skepsis gegenüber dem Abenteuer bemannter Mond- und Mars-Missionen zu herrschen. Zu teuer, zu riskant - außerdem könnten Roboter die Arbeit viel besser tun, lauten die Argumente. So herrsche im Obama-Lager die Tendenz vor, die Entwicklung der neuen "Ares"-Rakete, des Herzstücks der ehrgeizigen Mars- und Mondpläne, auf Eis zu legen, schreibt die "Washington Post".

Doch viel brennender ist die Frage mit den Shuttles. Um Geld für die Mars- und Mondfahrt zu gewinnen, hatte Griffin bestimmt, die altersschwachen Raumfähren "Atlantis", "Discovery" und "Endeavour" nach über einem Vierteljahrhundert im Mai 2010 aus dem Verkehr zu ziehen. Der Haken dabei: Erst 2015 soll es Ersatz geben.

Auf Russland angewiesen

Fünf Jahre lang wären amerikanische, europäische und deutsche Astronauten, die zur ISS wollen, auf "Mitfahrgelegenheiten" der Russen angewiesen - für viele ein unbehaglicher Gedanke, nicht zuletzt angesichts jüngster russischer Muskelspiele, etwa beim Erdgas. Nach Angaben des Fachblatts "Space News" will das Obama-Lager zumindest den Zeitraum der Abhängigkeit verkürzen. Griffin warnte davor, die Shuttles länger fliegen zu lassen. Sie gelten als "Risikofaktoren".

Schon geht die Sorge um, ob die ISS "überhaupt fertiggestellt werden kann", schrieb unlängst die Raumfahrt-begeisterte Zeitung "USA Today". "Die Shuttle-Flüge könnten enden, bevor die Station fertig ist." Die Internationale Raumstation, ein 100-Milliarden-Dollar teurer "weißer Elefant" im All? Misslich wäre das vor allem für die Europäer.

Erst vor einem Jahr konnte die Europäische Raumfahrtorganisation ESA ihr Weltraumlabor "Columbus" auf der ISS installieren. Das Juwel der europäischen Raumfahrt hat rund zehn Jahre Lebensdauer. Dagegen ist die "Laufzeit" der ISS derzeit nur bis 2015 geplant. Noch hat das Obama-Team seine Karten in Sachen Raumfahrt nicht auf den Tisch gelegt. Ein Grund dürfte auch die Wirtschafts- und Finanzkrise sein. Immerhin schlägt der jährliche NASA-Etat mit rund 17 Milliarden Dollar zu Buche.

Quelle: n-tv.de, Von Peer Meinert, dpa

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