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Könnten doch alle Männer so gut tanzen wie die Jungs von Saturday Night Fever.
Könnten doch alle Männer so gut tanzen wie die Jungs von Saturday Night Fever.
Donnerstag, 09. September 2010

Der perfekte Balztanz: So kriegt Mann die Frauen rum

Wenn Männer tanzen, schauen Frauen ganz genau hin: Bestimmte Bewegungsmuster wirken besonders attraktiv - und spielen daher eine Rolle bei der Partnerwahl. Das haben Forscher der Universität Göttingen und der Northumbria University in Newcastle herausgefunden. Sie nahmen 19 junge Männer mit Kameras auf, die auf einen einfachen Rhythmus tanzen sollten. Per Computersimulation zeigten sie die verschiedenen Tänze anschließend 35 Frauen, die über die Attraktivität der Männer urteilen sollten. Dr. Bernhard Fink ist Leiter der Forschungsgruppe "Evolutionäre Psychologie" an der Universität Göttingen und war maßgeblich an der Studie beteiligt. Im n-tv.de Interview erklärt er, wie Männer Frauen beim Tanzen am besten verführen.

n-tv.de: Was war die Idee hinter der Tanz-Studie?

Bernhard Fink: Ich forsche nun seit etwa 15 Jahren zum Thema Partnerwahl. Die meisten Studien haben sich aber mit statischen Merkmalen beschäftigt, etwa mit der Frage, was ein Gesicht oder einen Körper attraktiv macht. Wenn man aber beispielsweise an einem Samstagabend in der Disko ist, sieht man das Gesicht gar nicht so genau, da ist die Bewegung für die Attraktivität also entscheidender. Deshalb haben wir nach einem Weg gesucht, wie man Tanzbewegungen objektiv bewerten kann, ohne dass andere Aspekte, zum Beispiel der Körperbau oder das Gesicht die Bewertung beeinflussen.

Wollen Sie Männern damit helfen?

Ich würde diese Studie als Grundlagenforschung bezeichnen. Wir möchten einfach verstehen, nach welchen Mustern sich Menschen finden, wie letztlich die Partnerwahl funktioniert. Wir wissen nun schon eine Menge darüber, was ein Gesicht attraktiv macht. Die Bewegung war jetzt einfach der nächste Schritt. Wir haben uns dabei auch am Tierreich orientiert. Nehmen Sie zum Beispiel das Balzverhalten der männlichen Winkerkrabben: Die senden auch mit Hilfe bestimmter Bewegungsmuster sogenannte Come-on-Signale an ihre Weibchen. Gewisse Bewegungen werden also als attraktiv wahrgenommen, das ist auch beim Menschen so.

Er weiß wie's geht: Dr. Bernhard Fink kennt die theoretischen Geheimnisse des sinnlichen Tanzes.
Er weiß wie's geht: Dr. Bernhard Fink kennt die theoretischen Geheimnisse des sinnlichen Tanzes.

Wie haben Sie es geschafft, die Qualität eines Tänzers objektiv zu bewerten?

Wir haben den Männern, die bei der Studie mitgemacht haben, kleine reflektierenden Marken auf die Gelenke geklebt und ihre Tänze mit zwölf Kameras aufgenommen. Die Informationen über die Bewegungen haben wir dann auf neutrale Computerfiguren übertragen. Diese sogenannten Avatare sehen immer gleich aus, nur die Bewegung unterscheidet sich. So kann man sicher sein, dass Merkmale wie Kleidung, Frisur und so weiter nicht in die Bewertung einfließen.

Welcher Tanz ist denn nun attraktiv?

Entscheidend ist eine abwechslungsreiche Bewegung im Halsbereich, in der Schulter und im Rumpf. Zusätzlich ist herausgekommen, dass eine schnelle Bewegung im rechten Knie positiv wirkt, aber das ist nicht ganz so entscheidend - ich würde deshalb nicht den Männern sagen: Macht jetzt alle mal den Twist mit dem rechten Knie. Wichtiger ist, dass die Bewegungen nicht stereotyp sind, sondern variabel. Das immer gleiche Wackeln mit dem Kopf macht noch nicht attraktiv.

Ist das erotische Tanzen eine Frage der Übung?

Meiner Meinung nach ist das, was einen guten Tänzer ausmacht, nicht erlernbar. Jeder Mensch hat ein individuelles Bewegungsmuster, das nicht veränderbar ist. Diese eigene Art der Bewegung sagt vermutlich etwas über die biologische Qualität eines potenziellen Partners aus. Man kann zwar versuchen, durch Training gewisse Defizite auszugleichen. Aber in der Regel werden solche Fälschungen erkannt und wirken dann auf Frauen wiederum nicht positiv.

Wenn ein gut aussehender Mann schlecht tanzt und ein nicht so schöner Mann gut, wer bekommt dann in der Disko die Frauen ab?

Ich glaube nicht, dass man das Aussehen und den Tanzstil gegenüberstellen kann. Das ist einfach ein zeitlicher Prozess. In der Disko sehe ich zum Beispiel die Merkmale, die ein attraktives Gesicht ausmachen, in der Regel nicht. Da sind es hauptsächlich die Bewegungssignale, die ich wahrnehme und die in den Vordergrund treten. Erst wenn ich die Bewegung eines Menschen anziehend finde, wird diese Person meine Aufmerksamkeit bekommen und ich nähere mich ihm an. Dann erst spielt die Attraktivität anderer Merkmale eine Rolle.

Werden Bewegungen in allen Altersklassen gleich wahrgenommen?

Heißer Feger? Jedenfalls sehr variabel im Hals- und Rumpfbereich.
Heißer Feger? Jedenfalls sehr variabel im Hals- und Rumpfbereich.(Foto: picture-alliance/ dpa)

In unserer Studie waren die Tänzer und auch die Beobachterinnen zwischen 18 und 35 Jahre alt. Über ältere Personen kann ich also wissenschaftlich noch nichts sagen. Ich würde aber vermuten, dass sich die Bewegungsmuster mit dem Alter verändern und ebenso die Auswirkungen auf die Attraktivität eines potenziellen Partners.

Wäre ein professioneller Tänzer, der klassisch tanzt, genauso attraktiv wie der Mann in dem Video (siehe unten), der angeblich gut tanzt?

In unserer Studie haben wir Männer beobachtet, die keine professionellen Tänzer sind. Der nächste logische Schritt wäre jetzt natürlich, dass wir unsere Erkenntnisse nehmen und auf Profitänzer übertragen und dann schauen, ob die vielleicht genau diese Merkmale erfüllen, die sich bei uns als attraktiv herausgestellt haben. Das würde ich persönlich vermuten.

Was würde herauskommen, wenn Sie die Bewegungen weiblicher Tänzer untersuchen würden?

Ich bin ziemlich sicher, dass die Ergebnisse ähnlich wären. Vermutlich machen eine attraktive Tänzerin vor allem variable Bewegungen im Becken- und Hüftbereich aus.

Sind Sie denn ein guter Tänzer?

Leider nicht (lacht). Ich habe mich eher auf die Auswertung guter Tänzer spezialisiert. Aber ich versuche aufzuholen und aus dem, was wir herausfinden, auch zu lernen.

Mit Bernhard Fink sprach Leonard Goebel

Quelle: n-tv.de