Wissen

Klimawandel vernichtet Lebensraum Tiere wandern zu langsam

5409367.jpg

Eine Maskenspitzmaus.

picture-alliance / dpa

Viele Tierarten sind bei der Verlagerung ihrer Lebensräume aufgrund der Erderwärmung nicht schnell genug. Das ist das Ergebnis einer Computersimulation. Vor allem die Arten im Amazonas und in Zentralamerika sind nach den neuen Berechnungen gefährdet.

Einer Computersimulation zufolge können viele Säugetiere nicht schnell genug wandern, um sich angesichts des Klimawandels geeignete neue Lebensräume zu erschließen. Besonders stark betroffen sind die Primaten Zentralamerikas sowie des Amazonas-Gebietes. Das berichtet ein Team um Carrie Schloss von der University of Wisconsin in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Als sehr gering gelten hingegen jene Probleme, die auf umherstreifende Fleischfresser im Osten Kanadas zukommen werden.

28426159.jpg

Das ausgetrocknete Flussbett der Donau.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schloss und ihre Kollegen untersuchten 493 Säugetiere, die in der westlichen Hemisphäre vorkommen. Dazu unterteilten sie die Erde in ihrem Computermodell in zahlreiche kleine, 0,5 mal 0,5 Grad messende Felder und bestimmten, wie sich diese im Lauf der Zeit durch den vom Menschen verstärkten Treibhauseffekt erwärmen werden. Dazu gibt es zahlreiche Simulationen und Vorhersagen. Eine pessimistische geht von bis zu 6,4 Grad mehr im Jahr 2100 aus als zu Beginn der Industrialisierung etwa im Jahr 1850.

Vor der neuen Analyse war bekannt, dass Tiere mit einer Verlagerung ihres Lebensraumes reagieren, wenn es wärmer wird. Zumeist verläuft diese Bewegung in Richtung der Pole (im Durchschnitt 6,1 Kilometer pro Jahrzehnt) und in den Bergen in größere Höhen (6,1 Meter pro Jahrzehnt). In beiden Fällen kann es naturgemäß Probleme geben: Ist ein Berggipfel erreicht, geht es nicht weiter hinauf.

Auch Pflanzen betroffen

Einen solchen Fall – allerdings für Pflanzen – hatte etwa eine Gruppe um Stefan Dullinger vom Vienna Institute for Nature Conservation and Analyses kürzlich im Journal „Nature Climate Change“ vorgestellt. Das Team unterteilte die europäischen Alpen im Rechner in 20 Millionen kleine Teilstücke und berücksichtigte darin für 150 Arten Zusammensetzung, Höhe und viele Informationen mehr. Der Rechner simulierte dann, wie sich die Lebensbedingungen für die Arten mit der steigenden Temperatur ändern.

Die durchschnittliche Verkleinerung des Lebensraumes liegt demnach zwischen 44 und 50 Prozent. Zumeist werden die Pflanzen in größere Höhen und damit kühlere Standorte ausweichen, notieren die Forscher. Dies habe sich in der Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt. Die nach oben kegelförmig zulaufenden Gipfel bieten aber naturgemäß weniger Lebensraum.

Im Durchschnitt 9,2 Prozent betroffen

Aber, zurück zu den Tieren und Carrie Schloss. Ihre Simulation berechnete für zehn verschiedene Klima-Zukunftsmodelle, welche Tiere mit den steigenden Temperaturen Schritt halten können. Im Durchschnitt schaffen es pro 0,5 mal 0,5-Grad-Zelle 9,2 Prozent der Arten nicht. In einigen Gebieten sind es bis 39 Prozent der Säugetiere, die nicht hinterherkommen. In einigen der untersuchten Klimamodelle sind es bis zu 50 Prozent.

Arten im westlichen Amazonasgebiet sind mit 14,5 Prozent stark betroffen. Einigen Arten werden Verlagerungsgeschwindigkeiten von 1 Kilometer pro Jahr zugetraut, aber die Folgen des Klimawandels schreiten mit bis zu 8 Kilometern pro Jahr voran, schreibt Schloss. Die Resultate zeigen, dass Primaten sowie insektenfressende Säuger (Gattung: Eulipotyphla, etwa Mulle oder Spitzmäuse) am wenigsten werden Schritt halten können. Paarhufer, Fleischfresser sowie den sogenannten Nebengelenktiere – Ameisenbären, Gürtel- und Faultiere – werden die besten Aussichten auf die Verlagerung ihres Lebensraumes zugestanden.

Zu den Problemen für die Primaten gehört unter anderem, dass ihr Lebensraum bereits jetzt stark geschrumpft ist. Zudem sind viele Waldgebiete voneinander getrennt, oft liegen große, vom Menschen bearbeitete Landstriche dazwischen. Über solche Areale ist die Wanderung schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Daher empfiehlt das Team unter anderem, geeignete Korridore stehen zu lassen – oder zu schaffen.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema