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Vor 125.000 bis 110.000 Jahren Urmenschen durchquerten Sahara

Sand und Hitze, wohin das Auge reicht: Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Wiege der Menschheit südlich der größten Trockenwüste der Erde lag. Die Menschen mussten sich also von dort über den Erdball verbreiten. Doch wie? Neue Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass unsere Vorfahren die Sahara einfach durchquerten.

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Die Sahara-Wüste bietet wohl eine der lebensfeindlichsten Umgebungen für uns Menschen.

(Foto: REUTERS)

Die Analyse alter Wasserwege und Seen zeigt, wie der Mensch einst die heute unüberwindlich erscheinende Sahara überquert haben könnte, um sich über die Welt zu verbreiten. Wenn Fische durch das damals verzweigte Netz aus Flüssen und Seen quer durch die Sahara schwammen, konnte auch der Mensch sie überqueren, argumentiert eine Gruppe um Nick Drake vom King’s College London in den "Proceedings” der US-Akademie der Wissenschaften. Einer zweiten Hypothese, derzufolge der Mensch vom Süden Afrikas entlang des Nils nach Norden gelangte, gewinnen die Forscher dagegen nur wenig ab.

Es häufen sich die Belege, dass die Wiege der Menschheit südlich der Sahara stand, wie Drake und seine Kollegen betonen. Die Sahara gelte dabei vielen als gravierendes Hindernis für die Menschheit auf dem Weg nach Norden. Heute ist es kaum vorstellbar, dass unsere Vorfahren durch das schier endlose Sandmeer der Wüste gelangen konnten – aber die Sahara war nicht immer eine todbringende Region, argumentieren die Wissenschaftler. Vielmehr lässt die Verteilung von Schnecken und Fischen darauf schließen, dass es einst ein weit gespanntes Netz aus Flüssen und Seen gab. Dafür spreche auch, dass Nilkrokodile selbst in abgelegenen Oasen der Sahara vorkommen.

Nur wenige nutzten "Nilkorridor"

Drakes Team trägt zahlreiche Hinweise für einst bestehende Verbindungen zusammen, so etwa, dass viele Tierarten sowohl nördlich als auch südlich der Sahara leben. Wenn Fische und Schnecken die Sahara überqueren konnten, dann war auch der Mensch dazu in der Lage, schlussfolgern die Autoren. Sie stützen sich unter anderem auf Bohrkerne und auf Satellitenaufnahmen, mit denen sich die mutmaßliche Lage einstiger Wasserwege und Seen rekonstruieren ließen. Auch Angaben zu archäologischen Funden wurden einbezogen. Unter anderem zeigten alte Felszeichnungen, dass es im Bereich der Sahara einst viele andere Tiere gegeben haben muss als heute.

Es deute viel darauf hin, dass die Sahara einst den Charakter einer Savanne hatte. Die Analyse der Verteilung der Tierwelt (Zoogeographie) der Sahara zeige, dass mehr Tiere die heutige Wüste überquerten als den Nilkorridor benutzten. Und die Datierung von See-Sedimenten belege, dass die Wüste auch zur wahrscheinlichen Auswanderungszeit der Menschen aus Afrika im letzten Interglazial, der Eem-Warmzeit vor etwa 125.000 bis 110.000 Jahren, grüne Korridore für eine Überquerung bot.

Quelle: n-tv.de, dpa

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