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Seltener Nachwuchs Vogel mit der "Todeskralle"

Noch wirkt der kleine Helmkasuar im Vogelpark Niendorf niedlich. Doch schon bald werden ihm bis zu zwölf Zentimeter lange dolchförmige Krallen wachsen - er wird nicht umsonst der Vogel mit der "Todeskralle" genannt. Ausgerechnet im nicht gerade tropischen Timmendorfer Strand hat der vom Aussterben bedrohte größte Regenwaldvogel der Welt nun Nachwuchs bekommen. Ausgewachsen ist der Kasuar gefährlich und angriffslustig, weiß Parkleiter Klaus Langfeldt zu berichten: "Vor 30 Jahren hat ein Kasuar im Londoner Zoo sogar zwei Tierpfleger getötet."

Der neue Stolz des Vogelparks, der die Zahl der dort lebenden Helmkasuare nun auf drei erhöht hat, sieht aus wie ein Frischling: hellbraun-dunkelbraun gestreift, mit einer Platte auf dem Kopf, wo ihm später der "Helm" wächst - ein mit Horngewebe überzogener Auswuchs. Sinn und Zweck der natürlichen "Kopfbedeckung" sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Man vermutet, dass es dem Kasuar beim schnellen Lauf durch das Dickicht zum Schutz dient, sagt Langfeldt. Denn Helmkasuare können Geschwindigkeiten bis zu fünfzig Kilometer pro Stunde erreichen und über meterhohe Hindernisse springen.

Gefährliche Art

Ausgewachsen kann der Helmkasuar bis zu 1,70 Meter groß und knapp 60 Kilogramm schwer werden. Fühlt er sich bedrängt, werden seine Krallen zu einer furchtbaren Waffe: "Er läuft auf den Gegner zu, springt hoch und stößt mit ihnen zu", erzählt Langfeldt. Allein durch sein Gewicht von bis zu 60 Kilogramm können die messerscharfen Krallen große, manchmal auch tödliche Wunden reißen.

In seiner Heimat - den Regenwäldern Nordaustraliens und Neu- Guineas - gilt er als gefährdet. Sollte er aussterben, würde es schwere Folgen für die Wälder bedeuten: Der Kasuar kann nämlich auch große Früchte im Stück verschlucken. Die Kerne werden später wieder unbeschädigt ausgeschieden. Experten schätzen, dass er für die Verbreitung der Samen von mehr als 70 Baum- und Pflanzenarten sorgt. Doch die Nachzucht in Tierparks ist schwierig und gelingt nur selten, erzählt Langfeldt.

"Man kann sie nur isoliert halten, denn der Kasuar ist ein Einzelgänger." Lediglich in der Brutzeit duldet der Hahn kurzzeitig eine Henne in seinem Revier. Dort legt sie in das vom Männchen in einer Bodenmulde aus Blättern und Gräsern gebaute Nest ihre Eier, um gleich wieder zu verschwinden. Das Männchen brütet dann alleine zwei Monate lang die Eier aus und zieht die Küken anschließend ebenfalls alleine neun Monate lang groß.

Der Kasuar-Hahn im Vogelpark Niendorf hatte die ersten Eier zertreten, so dass Klaus Langfeldt die restlichen in eine Brutmaschine packte. "Aus dem siebten Ei schlüpfte ein Küken."

Seitdem hat der Parkleiter für den kleinen Helmkasuar die "Vater- Rolle" übernommen. "Er frisst nur, wenn ich dabei bin." Mit dem Zeigefinger tippt er auf den Tellergrund, als wäre es ein Schnabel, um das Vogeljunge zum Fressen zu animieren: Äpfel, Bananen, Gurken und Melone stehen auf seinem Speiseplan, dazu noch einige Brocken Hundefutter "Die frisst er am liebsten."

Wolfgang Runge, dpa

Quelle: ntv.de

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