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Pressen und versenken Vorschlag gegen Klimawandel

Um den Klimawandel zu mindern, könnte der Mensch Milliarden Tonnen Stroh zu Ballen pressen und mit Steinen daran in der Tiefsee versenken. Das schlagen Forscher um Stuart Strand von der University of Washington vor. Kälte und Sauerstoffmangel am Grund sorgten dafür, dass der in den Pflanzen gebundene Kohlenstoff über tausende Jahre zuverlässig von der Erdoberfläche und aus der Atmosphäre verschwinde, schreiben die Forscher im Journal "Environmental Science & Technology". Dafür würden Strohballen in einer Tiefe zwischen 1000 und 1500 Metern versenkt.

Um auf diese Weise 100 Tonnen Kohlenstoff aus der Luft zu entziehen, sei ein Ausstoß von acht Tonnen Kohlenstoff für den Betrieb von Schiffen, Strohpressen und Lastwagen nötig. Damit ergebe sich bei diesem Verfahren eine Effizienz von 92 Prozent. Das Umwandeln des Strohs in Biosprit über die vorherige Zerlegung in Cellulose (Cellulose-Ethanol) sei nur zu 32 Prozent effizient, und bei der Speicherung des Kohlenstoffs im Boden betrage dieser Wert nur noch 14 Prozent. Womöglich könnten herabrieselnde Sedimente das Stroh oder andere Pflanzenreste zusätzlich bedecken. Auf ähnliche Weise entstanden über Jahrmillionen die heutigen Erdgas- und Erdöl-Vorkommen.

Keine "inakzeptablen" Umweltfolgen

Wenn die USA 30 Prozent ihrer Getreidereste versenken würden, fielen jährlich rund eine Milliarde Kubikmeter Stroh an. Würde dieses in einer Dicke von vier Metern auf dem Meeresboden geschichtet, ergäbe sich eine Fläche von 260 Quadratkilometern – oder 0,02 Prozent der Fläche des Golfes von Mexiko. Das Vorhaben sei wenig erforscht, aber es biete gleich mehrere Vorteile: Große Mengen Kohlenstoff könnten mit der bestehenden Technik verarbeitet und versenkt werden, es könnte sofort damit begonnen werden, und außerdem gebe es keine "inakzeptablen" Umweltfolgen.

Folgen irgendeiner Art stellten sich zwar unausweichlich ein und müssten erforscht werden, aber vermutlich verhinderten der Sauerstoffmangel in der Tiefe und der geringe Nährwert des Strohs einen schnellen Abbau. Zudem gebe es in der Tiefsee kaum Organismen, die Zellulose abbauen könnten. Falls sich dies jedoch ändert, weil Bakterien die Fähigkeit erwerben, könnte der Kohlenstoff auch wieder freigesetzt werden. Andere Vorschläge sehen vor, das Kohlendioxid beim Verheizen fossiler Brennstoffe aufzufangen, es über Pipelines unter Tage zu leiten und schließlich in geeignete geologische Formationen zu pressen.

Quelle: n-tv.de