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EU hebelt deutsches Gesetz aus Weichmacher in Spielzeug

Plastikspielzeug soll nach EU-einheitlichem Recht weniger gesundheitsschädlich sein. Ab Mitte Juli ist die Verarbeitung von sechs Weichmachern (Phthalate) verboten, die Leber und Nieren schädigen sowie die Fortpflanzungsfähigkeit reduzieren können. Hersteller und Handel haben jedoch noch ein halbes Jahr Zeit, die Stoffe aus der Produktion zu nehmen. Bis dahin wird die Ware weiter mit den gesundheitsschädlichen Weichmachern verkauft.

Doch das Paradoxe: Für Babyspielzeug wie Beißringe, Greifhilfen oder Badetiere sind in Deutschland schon sämtliche gesundheitsschädlichen Weichmacher verboten. Aber dieses Verbot wird Mitte Januar 2007 durch das neue EU-Recht wieder aufgehoben und nur auf die sechs Weichemacher beschränkt. Also ein Rückschritt.

Phthalate finden sich vor allem in Spielzeug aus PVC. Aber nicht nur das. Da Roh-PVC ein höchst instabiles Produkt ist, das durch Licht und Wärme zersetzt wird, müssen dem Kunststoff Stabilisatoren (vielfach das Schwermetall Blei) zugesetzt werden. In den USA und Kanada wurden in zahlreichen PVC-Artikeln für Kinder die giftigen Schwermetalle Cadmium und Blei gefunden.

Außer Phthalaten und Schwermetallen braucht PVC aber noch viele andere Zusätze, z.B. Nonylphenole, die östrogen wirken und in Fischen die Samenproduktion reduzieren können oder ein Mittel gegen Pilzbefall, das Fungizid Folpet, das bei Mäusen Krebs auslösen und bei Ratten und Kaninchen zu Missbildungen führen kann. Folpet reizt außerdem die Haut und die Schleimhaut und kann Allergien auslösen.

Die Problematik des Weich-PVC Spielzeugs für Babys und Kleinkinder macht deutlich: PVC verursacht schon bei der Produktion seiner Ausgangsprodukte, durch seine Zusatzstoffe und bei seiner Entsorgung so viele Probleme, dass im Sinne des Umwelt- und Gesundheitsschutzes nur der generelle Ersatz von PVC durch andere umweltfreundliche und gesunde Materialien in Frage kommt.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sollte daher Qualitätsspielzeug aus hartem Plastik gewählt werden. Es ist zwar teurer, dafür aber aus PVC-freiem Kunststoff ABS.

Quelle: ntv.de