Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 112 Gibt es Frühlingsgefühle?

Gibt es beim Menschen tatsächlich Frühlingsgefühle oder ist das alles nur Einbildung? (fragt Peter B. aus Detmold)

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Das Paar genießt gemeinsam die ersten Sonnenstrahlen in Berlin.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Natürlich gibt es die, sonst hätten wir ja gar kein Wort dafür", wundert sich Prof. Till Roenneberg, Chronobiologe an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Die Frage, die Ihr User sicher stellen wollte, müsste eher lauten: Gibt es eine wissenschaftliche Erklärungsmöglichkeit für das, was wir spüren, wenn die Tage wieder länger werden?" präzisiert Roenneberg. Die Antwort darauf lautet: "Ja, es gibt sie."

Grundsätzlich passt sich die innere Uhr des Menschen an den 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt an. Das passiert mit Hilfe des Tageslichts. Wir Menschen reagieren sehr stark auf Licht und dabei nicht nur auf die Lichtintensität, sondern eben auch darauf, wie lange wir Licht ausgesetzt sind.

Besonderheiten im Frühling

Viele Menschen ändern im Laufe des Jahres bewusst oder unbewusst ihr Ess-, Schlaf- und Bewegungsverhalten ebenso wie ihre Stimmung. "Zudem", so Roenneberg, " gibt es auch Jahreszeiten, in denen beispielsweise das Empfangen und Zeugen von Kindern mehr Erfolg hat als sonst. Das gilt umso mehr für Menschen, die viele Stunden täglich im Freien sind und so den natürlichen Jahresverlauf der Tageslängen und der Lichtmengen direkt mitbekommen."

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Jedes Jahr am letzten Sonntag im März wird die Uhr von zwei auf drei gestellt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die sogenannten Frühlingsgefühle beruhen auf einem komplexen Vorgang im menschlichen Körper, der mehr ist als die Ausschüttung von Hormonen und bis heute wissenschaftlich nicht vollständig erklärt werden kann. Zudem können nicht alle Menschen im Frühling von Frühlingsgefühlen profitieren. Einige klagen eher über Antriebslosigkeit oder Frühjahrsmüdigkeit.

Sommerzeit verstellt innere Uhr

Wenn wir nicht durch Weckerklingeln fremdgesteuert werden, dann gelingt es dem Körper, das Schlafverhalten mit dem Aufgang der Sonne zu synchronisieren. Das heißt nicht, dass jeder Mensch bei Sonnenaufgang wach wird. Es bedeutet, dass wir - so wie die Sonne täglich etwas früher aufgeht - täglich etwas früher aufwachen.

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Die Umstellung auf Sommerzeit bringt unsere innere Uhr aus dem Takt.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Mit der Einführung der Sommerzeit hört diese Synchronisation abrupt auf. Menschen können sich dann bis zu Umstellung auf die Winterzeit nicht wieder zeitlich anpassen. Erst mit der Winterzeit fangen wir wieder an, unseren Schlaf-Wach-Rhythmus der Jahreszeitenuhr anzupassen. Jeder Zweite kämpft nach der Zeitumstellung, die weder biologisch noch umweltbedingt notwendig wäre, mit Schlafproblemen. Diese können natürlich auch negative Auswirkungen auf die Frühlingsgefühle und die Stimmung haben.

Übrigens: Natürliches Licht ist wichtig für die innere Uhr. In einem gut ausgeleuchteten Raum bekommen Menschen ungefähr 400 Lux (Einheit für Beleuchtungsstärke). Im Freien an einem bewölkten Tag hingegen ist man einer Beleuchtungsstärke von ungefähr 10.000 Lux ausgesetzt. Je größer die Städte sind, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit für die Einwohner, natürliches Licht tanken zu können. Durch das Aufhalten in Räumen und Verkehrsmitteln mit künstlichem Licht werden viele Städter immer spätere Chronotypen, das heißt: ihr Tag fängt später an und hört auch später auf.

Quelle: n-tv.de

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