Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 232 Macht der Weg ins Bad vergesslich?

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Die Türschwelle ist das Signal: Hier ist ein Ereignis beendet.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mein Gedächtnis funktioniert eigentlich gut und ich bin nicht das, was man schusselig nennt. Dennoch passiert mir eines immer wieder: Ich will aus einem anderen Zimmer etwas holen, aber dort angekommen, weiß ich nicht mehr, worum es eigentlich ging. Gibt es dafür eine Erklärung? (fragt Daniela K. aus Fulda)

Ja, die Ursache für dieses Phänomen ist bekannt – allerdings noch gar nicht so lange. Erst vor etwa einem Jahr haben Wissenschaftler formuliert, was es mit der von unserer Leserin beschriebenen, plötzlichen Erinnerungslücke auf sich hat. So viel vorab: Türen spielen bei dem Problem die zentrale Rolle.

Wie das menschliche Gedächtnis funktioniert, ist noch lange nicht vollständig geklärt. Doch eines weiß man: Was uns im Laufe des Tages widerfährt, speichert das Gehirn nicht als eine lineare, ununterbrochene Abfolge von Erlebnissen. Vielmehr strukturiert das Hirn die Ereignisse in einzelne Kapitel. Es schnürt Erinnerungspakete.

Forscher von der University of Notre Dame in Indiana, USA, haben nun 2011 gezeigt, dass der Inhalt der einzelnen Pakete nicht rein thematisch begründet ist. Ein Thema, ein Paket, neues Thema, neues Paket – das wäre eine logische Bündelung. Doch so geht das menschliche Gehirn nicht immer vor. Das Team um den Psychologen Gabriel Radvansky wies durch eine Studie nach, wie sehr auch Räume unsere Erinnerungen strukturieren.

"Ereignisgrenze für unser Gehirn"

Tatsächlich – so das Ergebnis der Forscher – verblasst die Erinnerung, wenn wir uns von einem Zimmer ins andere begeben. "Sobald wir durch eine Tür gehen, ist das wie eine Ereignisgrenze für unser Gehirn", sagt Radvansky. "Daher fällt es Menschen schwer, sich an Gedanken zu erinnern, die sie sich in einem anderen Zimmer gemacht haben".

Nachweislich ist es nicht der neue Raum, der unser Gedächtnis beeinträchtigt. Die Türschwelle ist das Signal. Überqueren wir diese, ist für das Gehirn ein Erinnerungspaket gefüllt. Das wird verschlossen und beiseite gestellt. Was wir eben noch getan oder entschieden haben, wird an dieser Stelle vom Folgenden getrennt, und im neuen Raum wird das nächste Paket gepackt. Wollen wir eine Verbindung herstellen, müssen wir daher mitunter "in den Kisten wühlen".

So funktioniert eben das Ordnungssystem des menschlichen Gehirns. Mit beginnender Demenz hat das nichts zu tun, nicht einmal mit Zerstreutheit.

Übrigens: Räume lassen sich auch positiv für das Gedächtnis nutzen. Wer Gegenstände oder Sinnzusammenhänge mit bestimmten Orten assoziiert, kann sich leichter an sie erinnern. Das war schon in der Antike bekannt. Mithilfe der Mnemotechnik hielten römische Redner ganze Vorträge oder sagten 200-zeilige Gedichte rückwärts auf. Doch wie so oft, wenn es um das Gedächtnis geht, gilt auch hier: Ohne Training klappt es nicht.

Quelle: n-tv.de

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