Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 188 Was ist Flirten?

AP09011304369.jpg

Flirten will geübt sein.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Was ist Flirten? fragt Kevin Jung aus Dortmund.

"Das ist ja geradezu eine philosophische Frage", weist Nandine Meyden, Stil-und Benimm-Beraterin aus Berlin auf die Schwierigkeit der Beantwortung der Frage hin. "Flirten ist sehr individuell und liegt im Auge und im Ohr des Betrachters. Was der eine schon als Flirt empfindet, das ist für den anderen ein nettes Gespräch und für jemand Drittes schon eine richtige Anmache", erklärt Meyden.

Ob sich ein Mensch auf einen Flirt einlässt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Dazu können die Tagesform, der prinzipielle Umgang zum Flirten, Mentalität und kulturelle Herkunft, Selbsteinschätzung und Selbstwertgefühl gehören, um nur einige zu nennen.

Flirten ist etwas sehr Komplexes

"Flirten ist ein hochkomplexes, soziales Spiel, bei dem man sehr viel Fingerspitzengefühl entfalten sollte", so Meyden. Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen einer bloßen Anmache und einem gelungenen Flirt. Ein gelungener Flirt ist etwas, bei dem man sich auf den anderen so einschwingt, dass keine Missverständnisse entstehen, dafür aber eine gewisse Spannung erzeugt wird. Insgesamt sollte die Person, mit der geflirtet wird, ein gutes Gefühl haben und letzten Endes mehr von seinem Gegenüber erfahren wollen.

8745075.jpg

Nicht jede Frau empfindet einen unmissverständlichen Blick bereits als Anmache.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei einer Anmache hingegen wird jemand so direkt angesprochen, dass er sich überrumpelt, nicht ernst genommen oder sogar beleidigt fühlt. Einer Anmache fehlt das Feinsinnige, Zurückhaltende, das bei einem Flirt im besten Falle zu Fantasien führt oder Wünsche entstehen lässt.

Vor rund hundert Jahren waren ja noch offen ausgesprochene Flirts in der gehobenen Schicht ein Tabu. Trotzdem wurde geflirtet. Mit zahlreichen winzigen Gesten wie einem Augenaufschlag, der Haltung des Fächers oder auch Blumengeschenken zeigte man sein Interesse am anderen. "Zu dieser Zeit gab es richtige Flirt-Codes, von denen heute nur noch wenig übriggeblieben sind", erzählt Meyden. Die Anwendung dieser Flirt-Codes war zu dieser Zeit sehr wichtig, da die Menschen wesentlich weniger Möglichkeiten hatten, auf andere, potenzielle Partner zu treffen als heute. Vor allem das Leben von jungen Mädchen und Frauen aus gutsituierten Familien spielte sich hauptsächlich in der elterlichen Wohnung ab - nicht zuletzt, um sie vor standesunüblichen Romanzen zu schützen.

Modernes Flirten

22624917.jpg

Flirtportale, die sogar auf modernen Handys aufgerufen werden können, machen das Flirten einfacher.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit mit technisch ungeahnten Möglichkeiten. So wird heute besonders viel aus der (Teil-)Anonymität heraus geflirtet, also in Chats im Internet, per E-Mail oder aber auch per SMS. Sicherheit scheint als Illusion sowohl beim Flirten als auch bei der Partnersuche eine große Rolle zu spielen. So boomen Partnerbörsen, Single-Treffs und Flirtschulen. "Heute lässt man weniger Raum für Doppeldeutigkeiten oder Fragezeichen beim Flirten. Die Methoden sind wesentlich klarer und eindeutiger geworden. Viele möchten auch beim Flirten eine schnelle Klärung bzw. ein eindeutiges Ergebnis haben", erläutert die Expertin.

Ist jeder Flirt erotisch motiviert?

Die Aussagen der Flirtspezialisten dazu sind kontrovers. Einige sind der Meinung, dass Kinder zwischen ihrem ersten und zweiten Lebensjahr wahre Flirtkünstler sind. Mit ihrem Augenflirt, der typischen Kontaktaufnahme zum anderen - Ansehen, Wegsehen, wieder heimlichem Hinsehen und schließlich einem Lächeln - können sie auf unmissverständliche Art und Weise ihrem Gegenüber klarmachen, dass sie sich für sie oder ihn interessieren. Dabei gibt es keinen erotischen Moment.

Nandine Meyden wiederum geht davon aus, das jeder Flirt ein leises Knistern bzw. eine erotische Komponente enthält. "Der Begriff des Flirtens wird heute fälschlicherweise auf viele Dinge übertragen. Da heißt es etwa, jemand flirtet mit einer Kamera. Solche Äußerungen sind einfach moderne Begriffspaarungen." Jedes Flirten enthalte Meydens Meinung nach zumindest einen Hauch von Erotik. Das müsse jedoch nicht bedeuten, dass jeder, der flirtet, auch auf Sex aus sei. Genauso wie das Flirten an sich für jeden etwas anderes bedeutet, genauso unterschiedlich und individuell sind auch die Motive zum Flirten.

Blicke sagen mehr als tausend Worte

3931397.jpg

Einfach mal hinsehen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Normalerweise entsteht der erste Kontakt zwischen zwei Menschen über die Augen. Dieser erste Eindruck ist besonders wichtig für die Qualität der weiteren Interaktion. Unser Gehirn ist in der Lage, nach nur wenigen Sekunden eine Persönlichkeit - Aussehen, Kleidung, Körperhaltung, Stimme, etc.- zu erfassen und einzuordnen. Forscher konnten feststellen, dass das Gehirn nur eine Zehntel Sekunde benötigt, um das Gesicht des Gegenübers als sympathisch und vertrauenswürdig einzustufen.

Dieser erste Moment des Augenkontaktes stellt auch beim Flirten einen Schlüsselmoment dar. "Die Augen sind der Spiegel zur Seele und man erfasst auf einer bestimmten Ebene sehr viel von einem Menschen, wenn man ihm direkt in die Augen schaut", erklärt Meyden. Wie lange man jemanden anschaut bzw. den Blick erwidert, ob man lächelt oder exemplarisch wegsieht, kann schon am Anfang eines Flirts darauf hinweisen, ob man am anderen interessiert ist oder nicht. Beim Flirten passiert ganz viel auf nonverbaler Ebene.

MJ086340_pp+k.jpg

Nandine Meyden ist Etikette-Beraterin.

Die vielbeachtete Studie zu nonverbaler Kommunikation und nonverbaler Kompetenz von Albert Mehrabani mit der 55-38-7-Regel besagt, dass 55 Prozent der Außenwirkung einer Person auf Körpersprache, Gestik, typgerechtes und gepflegtes Äußeres und Augenkontakt zurückgehen, 38 Prozent entfallen auf den Klang der Stimme und nur zu 7 Prozent spielt das Gesagte eine Rolle.

Übrigens: Für Nandine Meyden ist völlig klar, dass sich die meisten Menschen in Deutschland heute zum Thema Flirten einfach zu viele Gedanken machen. "Es ist besser, sich einfach mal in das Spiel des Flirtens einzulassen und für eine bestimmte Zeit mitzuspielen. In Italien beispielsweise gibt es eine wesentlich ausgeprägtere Flirtkultur als bei uns. Dort ist das Flirten etwas ganz Normales. Beim Flirten geht es schließlich auch um Spaß und Lebensfreude."

"Flirten mit Stil" von Nandine Meyden direkt im n-tv.de Shop bestellen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema