Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 1 Wieso Rabenmutter?

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Ihr schlechter Ruf eilt ihnen zu Unrecht voraus.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Wer sich tatsächlich oder nur dem Anschein nach nicht ausreichend um seinen Nachwuchs kümmert, hat schnell den Stempel "Rabenmutter" an der Backe. Warum eigentlich? (fragt Elisabeth Schneider aus Langenfeld)

In der Tat: Raben genießen bei uns keinen guten Ruf. Neben den Rabeneltern sprechen wir beispielsweise auch von Unglücksraben oder vom Galgenvogel. Zu Unrecht, meint Dr. Wolfgang Epple - und das schon seit Jahrhunderten. Bereits in der Antike war die Vorstellung weit verbreitet, dass Rabenvögel ihre Jungen nicht ausreichend versorgen würden, erläutert der Biologe. "Selbst Aristoteles, eigentlich ein scharfer Beobachter der Natur, kolportierte diese Legende. Ein wichtiges Zitat findet sich auch im Alten Testament, im Buch Hiob (38,41). Gott selbst stellt dem hadernden Hiob Fragen zum Geheimnis der Schöpfung, darunter diese: "Wer bereitet dem Raben die Nahrung, wenn seine Jungen umherirren ohne Futter?"

Wolfgang Epple

Wolfgang Epple weiß, dass Rabenvögel sich besonders um ihren Nachwuchs kümmern.

Dabei seien gerade Rabenvögel unter den Singvögeln diejenigen, die besonders viel in einen "qualifizierten" Nachwuchs investieren, so Epple.

Und sein Kollege Hans-Wolfgang Helb von der Universität Kaiserslautern ergänzt: "In Wirklichkeit sind alle Rabenvögel besorgte und ausgesprochen liebevolle Eltern. Sie verteidigen das Nestrevier schon im Winter gegen alle Feinde, die frühzeitig wissen sollen: Hier haltet euch fern. Sie ziehen ihre Jungen mit dem besten Futter groß. Sie tragen es ihnen im Kehlsack ins Nest."

"Fehlinterpretation"

Irgendwann werden die Jungen flügge, sie verlassen das Nest. Allerdings werden sie noch von den Eltern gefüttert, tapsen in dieser Zeit meist recht unbeholfen über den Boden und erscheinen als alleingelassen bzw. zu früh sich selbst überlassen.

Hans-Wolfgang Helb

Hans-Wolfgang Helb beschreibt die Raben ebenfalls als liebevolle Vogeleltern.

"Dieses scheinbare (immer nur kurzzeitige) Alleinsein von ausgeflogenen, aber noch einige Wochen von den Eltern fütterungsabhängigen und die Selbständigkeit lernenden Jungvögeln wurde gesehen und fehlinterpretiert", sagt Helb.

Und er ergänzt: "Auch jede junge Kohlmeise oder ein junges Rotkehlchen müssen samt den Nestgeschwistern mal kurzzeitig warten, bis die gestressten Eltern für jeden wieder etwas Nahrung herbeigeschafft haben. Das wird aber meist nicht gesehen oder erkannt. Dabei kann man hier auch die zunehmend lauter werdenden Standort- oder auch Bettellaute der Jungen gut hören und mitverfolgen. Wird der Hunger größer, werden die Laute kräftiger und dadurch auch die Chance erhöht, beim nächsten Nahrungsanflug eines Elternteils mit den Leckereien wie kleinen Heuschrecken oder Schnaken versorgt zu werden."

Quelle: n-tv.de