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Freitag, 08. August 2014

Wenn nichts mehr hilft: Tiefe Hirnstimulation lindert Depression

Der Schrittmacher fürs Hirn wird bereits erfolgreich bei Parkinson-Patienten und Betroffenen mit Bewegungsstörungen eingesetzt. Nun soll er auch Menschen mit schweren Depressionen helfen, bei denen alle anderen Therapien nichts ausrichten.

Patient mit Elektroden im Hirn.
Patient mit Elektroden im Hirn.(Foto: Schläpfer/Bonn/DGKN)

Die Vorstellung, dass ein kleines Kästchen Strom tief ins Hirn leitet, ist eigentlich unheimlich. Die Technik, die seit den 1990er-Jahren bei Patienten mit schweren Bewegungsstörungen, wie beispielsweise bei Parkinson-Patienten, zu erfreulichen Effekten führt, wird nun auch bei Patienten mit chronischen, therapieresistenten Depressionen im Rahmen einer Studie eingesetzt. "Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend", sagt Studienleiter Professor Thomas Schläpfer von der Uniklinik Bonn in einem Gespräch mit n-tv.de.

Bei der sogenannten Tiefen Hirnstimulation (THS) werden dem Patienten minimalinvasiv Elektroden ins Hirn implantiert. Diese sind mit einem Impulsgeber verbunden, der in der Brust eingesetzt wird. Durch die leichten Stromstöße, die der Impulsgeber abgibt, kann das Funktionieren bestimmter Bereiche im Gehirn beeinflusst werden. Auf der Suche nach dem geeigneten Zielbereich bei Patienten mit chronischer Depression konnten die Ärzte den schnellsten und  besten antidepressiven Effekt feststellen, wenn sie den sogenannten supero-lateralen Bereich des medialen Vorderhirnbündels (sIMFB) stimulierten. Diese Hirnstruktur wird in Verbindung mit depressiven Symptomen gebracht.

Impulse sind regulierbar

 "Ob die Elektroden genau positioniert sind und die gewünschten Hirnareale stimulieren, wird kurz nach der Operation mit Magnetresonanztomographen überprüft", so Schläpfer. Bisher wurden im Rahmen der Studie 40 Patienten mit therapieresistenter Depression mit der THS behandelt, bei der Stimulation des slMFB konnten 80 Prozent der Patienten davon signifikant profitieren. "Das Ausmaß der Linderung der depressiven Symptome nahm mit der Dauer der Behandlung zu", erklärt Schläpfer weiter. Auch eventuelle Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen, die durch THS auftreten können, seien durch die Regulierung der Stimulation beeinflussbar. Der Taktgeber im Körper kann von außen mit einem Computer individuell programmiert werden.

Trotz aller Vorteile sei es dennoch zu früh, um eine allgemeine Aussage zur Wirkung der THS bei therapieresistenter chronischer Depression zu machen, betont der Forscher. An der noch laufenden Studie dürften nur Patienten mit chronischer Depression teilnehmen, bei denen weder Medikamente noch Therapien geholfen haben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift der DGKN "Klinische Neurophysiologie".

Quelle: n-tv.de

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