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Kampf gegen Übergewicht: Wenn Fettzellen Kalorien fressen

Übergewicht gilt als Verursacher zahlreicher Zivilisationskrankheiten. Doch die ungeliebten Fettpolster können in kalorienverbrennende Kraftwerke umgewandelt werden. Die richtige Einstellung des heimischen Thermostats kann dabei helfen.

Bisher galt das Dogma, dass Ernährung und Energiestoffwechsel hauptsächlich von Gehirn und Hormonsystem gesteuert werden. Dieses Bild gerät nun jedoch zunehmend ins Wanken. Wie zwei Forschergruppen im Fachmagazin "Cell" berichten, hat auch das Immunsystem maßgeblichen Einfluss darauf, welche Fettdepots ein Körper anlegt. Vor allem im Kampf gegen Übergewicht ist das eine wichtige Erkenntnis.

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Denn Fett ist nicht gleich Fett. Sowohl beim Menschen als auch bei Mäusen wird zwischen braunen, weißen und seit einigen Jahren auch beigen Depots unterschieden. Diese haben grundlegend unterschiedliche Eigenschaften. Weißes Fettgewebe macht sich in Form von Bierbäuchen und Hüftpolstern bemerkbar. Hier wird Energie gespeichert. In braunem und beigem Fett hingegen werden Kalorien verbrannt. Babys haben große Mengen brauner Fettzellen, die sie vor Kälte schützen: Energie wird hier in Form von Wärme freigesetzt. Auch das beige Fett, welches sich aus dem weißen entwickelt, verbrennt Kalorien.

Großer Nutzen für die Medizin

Für die Medizin ist das beige Fett besonders interessant. Denn wenn die ungeliebten Energiedepots des Körpers in kalorienfressende Fettzellen umgewandelt werden können, purzeln die Pfunde. Doch wie wird ein solcher Prozess angestoßen? Studien zeigen, dass Menschen, die in 16 bis 17 Grad kühlen Räumen leben, statt die Heizung auf Wohlfühl-Temperatur zu stellen, vermehrt die beigen Energieverbrenner produzieren. Warum dies so ist, war bisher jedoch unklar.

Eine Gruppe um Bruce Spiegelman vom Dana-Farber-Krebsinstitut und der Harvard Medical School in Boston untersuchte nun die Rolle des kürzlich entdeckten Proteins PGC-1alpha4, das beim Muskelwachstum bedeutsam ist und sie wurde fündig: Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler stimuliert das Protein die Freisetzung eines neu identifizierten Hormons, des Metrnl. In Muskeln wird es nach körperlicher Anstrengung, in Fettgewebe hingegen in kalter Umgebung gebildet.

Dieses Hormon sorgt dafür, dass weißes in beiges Fett umgewandelt wird. Damit steigt der Energieverbrauch - im Tierversuch schrumpften die Fettdepots übergewichtiger Mäuse. Die Wirkung des Hormons geht auf Bestandteile des Immunsystems zurück: Es aktiviert den Botenstoff Interleukin-4 sowie Fresszellen im Fettgewebe.

Botenstoff gegen weißes Fett

Auch die Ergebnisse eines Forscherteams um Ajay Chawla von der University of California in San Francisco belegen, dass das Immunsystem auf Kälte mit einer Aktivierung des braunen Fettgewebes reagiert. Ihre Analyse zeigt die Bedeutung des Botenstoffs Interleukin-4 für diesen Prozess. Mäuse mit gestörten Signalwegen des Immunsystems produzieren demnach weniger beiges Fett, setzen weniger Energie um und können ihre Körpertemperatur schlechter an Kälte anpassen. Wird ihnen Interleukin-4 verabreicht, verringern sich diese Effekte.

Die Forscher hoffen, die Umwandlung weißen zu beigen Fetts künftig über Schaltstellen im Immunsystem auch beim Menschen gezielt und ohne Kälteeinfluss in Gang setzen zu können. Das wäre ein neuer Ansatzpunkt gegen Übergewicht und damit verbundene Folgeleiden wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Arteriosklerose. Studien weisen darauf hin, dass Übergewichtige kaum braunes Fettgewebe besitzen.

"Wenn man den Energieverbrauch um einige Prozent steigern könnte, würde das über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren schon einen großen Unterschied machen", sagt Chawla. Ein Pluspunkt sei, dass sich das Immunsystem wahrscheinlich leichter manipulieren lasse als das Nervensystem.

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Quelle: n-tv.de

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