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Lobbyist mit falschem Fokus ADAC hat Mitglieder viel früher verraten

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Für den ADAC sind die Enthüllungen der letzten Wochen ein harter Schlag. Aber eigentlich ist der Verein viel früher gegen die Wand gefahren.

Axel Griesch Fotografie 0171-44

Lügen, Amtsmissbrauch und Betrügereien beherrschen die Berichterstattung über den ADAC. Doch der Club ist schon seit Jahren nicht mehr das, was er ursprünglich sein wollte: Helfer und Sprachrohr der Autofahrer.

Der ADAC ist seit den Skandalen um die Wahl zum "Gelben Engel" der Hort des Bösen. Lüge, Manipulation und Vetternwirtschaft werden dem Automobilclub unterstellt. Doch die Unstimmigkeiten, der Privatflug von Verwandten zum Tauchurlaub nach Ägypten, die Dienstreise im Rettungshubschrauber, die Villa für die Geschäftsleitung oder der manipulierte Test des Dacia Logan aus dem Jahr 2005, werden alle erst jetzt aufgedeckt. Wie die Zwerge in den Minen von Moria gräbt man und hofft irgendwann auf den Balrog zu stoßen. Das Monster, was dem bösen ADAC endlich den Garaus machen kann.

Zweifelsohne sind diese Vorgänge beim ADAC mehr als verwerflich. Hier müssen Strukturen geändert werden und Köpfe rollen. Dazu gehört auch, dass Club-Präsident Peter Meyer seinen Stuhl räumt. Denn dass der Mann nichts gewusst hat, scheint mehr als unwahrscheinlich. Aber eigentlich hat der Club schon viel früher aufgegeben, auf seine Mitglieder zu hören. Vielmehr hat er sich zu einer bürokratischen Anstalt mit angeschlossenem Pannendienst gewandelt, der die Eigeninteressen weit über die der Gemeinschaft stellt. Und das ist schlimmer als jeder verfälschte "Gelbe Engel".

Autofahrer brauchen eine Lobby

Denn abseits all dieser Unglaublichkeiten ist der ADAC der größte Automobilclub Europas. Allein in Deutschland zählt er 19 Millionen Mitglieder. Das sind vor allem Autofahrer, die eingetreten sind, weil sie in erster Linie sichergehen wollen, dass sie nicht hilflos am Straßenrand stehen, wenn ihr Fahrzeug streikt. Und dieses Prinzip hat bestens funktioniert. Ein Anruf genügt und ein "gelber Engel" kommt und hilft. Das sei die Kernaufgabe, schallt es jetzt von allen Seiten, darauf soll sich der ADAC beschränken. Soll er das tatsächlich? Brauchen Autofahrer keine Lobby?

Doch, brauchen sie. Wenn es beispielsweise darum geht, zu hinterfragen, wofür denn die Mineralölsteuer verwendet wird. Im Augenblick jedenfalls nicht für den Ausbau der Infrastruktur. Aber auch hier hat sich der ADAC von seinen Mitgliedern entfernt. Plädiert er doch gegen eine Maut und für die weitere Erhöhung der Mineralölsteuer. "Wer viel fährt, soll viel bezahlen", tönte Meyer in der Diskussion mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Der E10-Verrat

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Bei der Einführung von E10 hat der ADAC nicht im Sinne seiner Mitglieder gehandelt.

Auch bei der Einführung zum Biokraftstoff E10 hat sich der Club nicht mit Ruhm bekleckert. Erst befürwortet er den umstrittenen Kraftstoff, dann erstellt er eine Liste mit Fahrzeuge, die den Sprit nicht vertragen. Es sind ausschließlich die Motoren älterer Kraftfahrzeuge. Könnte man hier vermuten, dass der Kauf eines Neuwagens forciert werden sollte? Hinzu kommt, dass der ADAC den geringen Preis des Brennstoffs lobt und den Autofahrern glaubhaft machen will, dass sie mit E10 Geld sparen. Einer eigenen Studie zu folge steigt der Verbrauch bei Fahrten mit dem Biosprit aber um 1,5 Prozent gegenüber Super. Selbst als ruchbar wird, dass die Produktion von E10 für verheerende Landbaumethoden und Nahrungsmangel in Drittweltländern sorgt, argumentiert der ADAC weiter für den Biosprit.

In einem Punkt bleibt sich der ADAC aber über die Jahre treu: Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen soll es nicht geben. Nach Untersuchungen des Clubs liegt die Zahl der Getöteten auf Autobahnen pro einer Milliarde Kraftfahrzeugkilometer in Deutschland bei rund 1,8 - Tendenz fallend. Entgegen der Annahme, ein Tempolimit führe zu weniger Toten, ist die Rate auf österreichischen Autobahnen um 1,5-mal höher als in Deutschland. In Österreich gilt ein Tempolimit von 130. Wem spielt die Argumentation in die Hände? Den Autofahrern, die einfach mal den Kick beim Kickdown haben wollen? Der Autoindustrie, die ihre fetten Boliden auf diesem Weg besser absetzen kann? Wohl kaum. PS-Monster werden vor allem in den USA verkauft und hier gelten sehr rigide Geschwindigkeitsregeln. Und abgesehen davon lassen sich auch schwächere Fahrzeuge locker an die 200 km/h-Marke treiben.

Es mag absurd klingen, aber wenn die Autofahrer nicht Spielball von Politik, Autoindustrie und Mineralölkonzernen bleiben wollen, muss es einen Verein geben, der als Gegengewicht und mit Bedacht ihre ureigenen Interessen vertritt. Welche das sind? Möge es der Verein in ehrlichen Umfragen unter seinen 19 Millionen Mitgliedern herausfinden. Bei allem Ungemach, dem der ADAC jetzt ins Auge sehen muss, könnte dies ein Neuanfang sein. Der Club könnte wieder das werden, was ihn für seine Mitgliedern wertvoll macht: ein Helfer in der Not und ihre Stimme.

Quelle: n-tv.de

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