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Mercedes' neue Körperkultur C-Klasse fit gegen 3er und A4

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Trotz des um vier Zentimeter gewachsenen Überhangs wirkt die neue C-Klasse dank des steil im Wind stehenden Grills mit Zentralstern extrem sportlich.

(Foto: Holger Preiss)

Mercedes kann nur als AMG sportlich? Denkste! Mit der neuen C-Klasse haben die Stuttgarter einen Kompakten auf die Räder gestellt, der jetzt in einem Atemzug mit 3er BMW und Audi A4 genannt werden dürfte.

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Die C-Klasse vereint alle Tugenden der anderen Modellreihen in sich.

Sportlich konnte Mercedes in der Mittelklasse bis dato nicht wirklich mithalten. Wenn die Rede auf die Stuttgarter kam, war hausbacken noch das Netteste, was man hörte. Andere Premiumhersteller hatten hier die Nase vorn. Aber diese Zeiten sollen jetzt ein für alle Mal vorbei sein. Die Stuttgarter haben bereits mit der A-Klasse Zeichen in Richtung Jugendlichkeit und Dynamik gesetzt. Mit der S-Klasse eröffneten sie den Reigen neuer Assistenzsysteme, genannt Intelligent Drive, und auch die E-Klasse wurde mit einem aufwendigen Facelift dem neuen Gesamtbild angepasst.

Ein Sport-Stern geht auf

Jetzt soll mit der C-Klasse ein neuer Stern aufgehen. Sie vereint unter ihrem Blech alle eben beschriebenen neuen Tugenden, die Daimler in die schon erwähnten Baureihen gepackt hat. Aber dazu später, denn das Entscheidende ist, dass sich BMW 3er und Audi A4 warm anziehen müssen, denn die C-Klasse kann jetzt auch sportlich. Nicht nur, dass das Fahrwerk neu abgestimmt wurde, die Karosserie 100 Kilogramm leichter geworden ist und dass die Zeichnung dem folgt, was der CLA als außergewöhnlich erfolgreicher Versuchsballon vorgegeben hat. Nein, auch überarbeitete Motoren und der von vielen so gewünschte Fahrmodischalter sind jetzt in der C-Klasse verfügbar. Wer das adaptive Fahrwerk für den Ahnen des 1982 erstmals präsentierten "Baby-Benz" wählt, kann sich von Eco, über Komfort bis hin zu Sport und Sport + tasten. Wem das nicht reicht, dem spielt der Modus "Individuell" in die Hände. Hier können die einzelnen Einstellungen kombiniert und auf die jeweiligen Bedürfnisse des Piloten zugeschnitten werden. Noch einen Zacken komfortabler fährt, wer sich für die in dieser Klasse bis dato einzigartige Luftfederung, die Airmatic, entscheidet. Sie ist der S-Klasse entlehnt, kostet 1416 Euro Aufpreis und kann natürlich auch die fünf Fahrmodi.

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Die geschickte Linienführung lässt das Heck kurz und knackig wirken.

(Foto: Holger Preiss)

Auf Sportlichkeit hat sich Mercedes bei der C-Klasse auch im Innenraum eingeschossen. Die Sitzposition ist für Stuttgarter Verhältnisse extrem tief. Natürlich kann man die Polster je nach Ausstattung manuell oder elektrisch nach oben pumpen. Aber welcher Sportfreund will das schon? Allerdings fordert die Dynamik im Zusammenspiel mit dem ausgesprochen gelungenen Design ihren Preis. Die Armatur baut sehr hoch und geht nahtlos in die Schulterlinie über, die sich zur B-Säule schwungvoll öffnet. Das sieht Klasse aus, führt aber dazu, dass der ambitionierte Pilot leicht die Übersicht über die Dimensionen seines Fahrzeuges verliert. Und noch etwas wird deutlich, wenn man die vorderen Plätze entert. Der Innenraum baut auf Qualität, aber nicht auf Raumgefühl. Vielmehr ist es, als würde man sich einen eleganten Lederhandschuh überstreifen. Wobei die breit in den Innenraum fließende Mittelkonsole mit ihrer verchromten Schalterreihe direkt unter den drei Luftaustrittsdüsen von dem einen oder anderen Beifahrer als störend empfunden werden könnte. Drückt sie doch beim Aufstellen der Beine gegen das Knie.

CarPlay erst ab Ende des Jahres

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Die Mittelkonsole läuft breit in den Innenraum.

Allerdings steckt in dem Mittelkanal nicht nur die Kardanwelle, sondern auf ihr thront auch das neu entwickelte Touchpad, das jetzt auch Fingergesten erkennt. Das besteht aus einer Art Maus mit Touch- und Druckfunktion und einem darunterliegenden Scroll-Rad. Sämtliche Funktionen der Head-Unit lassen sich darüber steuern und werden  auf einem mindestens sieben Zoll großen und freistehenden Monitor angezeigt, der wohl nicht umsonst an gängige Tablets erinnert. Was zum Marktstart der C-Klasse noch nicht verfügbar ist, ist das in Genf vorgestellte und gemeinsam mit Apple entwickelte System "CarPlay", das die Apps und Teile des iOS-Betriebssystems auf den Monitor der C-Klasse bringt. Dieses Feature wird wohl frühestens Ende des Jahres verfügbar sein. Neu in der C-Klasse sind Komfort- und Sicherheitselemente wie das Head-up-Display, das wichtige Informationen farbig in die Windschutzscheibe spiegelt, aber mit 1700 Euro extra bezahlt werden muss. Schon in der Basis sind hingegen Müdigkeitswarner, Spurhalteassistent und Kollisionswarner zu finden. Der Bremsassistent kann jetzt sogar stehende Fahrzeuge und Fußgänger erkennen und bremst bei ausbleibender Reaktion des Fahrers in einem Bereich von 7 bis 200 km/h automatisch.

Verneigung vorm Design

Im Vergleich zur alten C-Klasse ist der Neue aber nicht nur in seinen technischen Annehmlichkeiten gewachsen. In der Länge hat der Stuttgarter um zwei Zentimeter zugelegt. In Breite und Höhe ist er fast tupfengleich in den Maßen des Vorgängers geblieben. Das sind jetzt keine riesigen Sprünge, aber dank der geschickt gesetzten Sicken steht der Mittelklässler wesentlich bulliger als sein Vorgänger da. Noch dazu, wenn die optional verfügbaren 18 Zöller in die Radhäuser geschmiedet werden. Auch für die Fondpassagiere gibt es jetzt etwas mehr Kniefreiheit. Zwar muss man beim Einstieg in die zweite Reihe als Erwachsener den Kopf ein wenig neigen, um ihn sich nicht am Dachlauf zu schlagen, aber nehmen wir das als Verneigung vor den Designern um Gordon Wagner, die hier etwas geschaffen haben, was Vorstandschef Thomas Weber veranlasst von der "schönsten C-Klasse aller Zeiten" zu schwärmen.

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Eine Querstrebe über der Hinterachse lässt im Kofferraum einen kleinen Anstieg entstehen.

Schön ist sie wahrlich, denn durch die geschickte Linienführung wirkt das Heck, trotz eines immerhin im Vergleich zum Vorgänger um 20 auf 480 Liter angewachsenen Kofferraums, kurz und knackig. Schiebt man aber sein Köfferchen in das Gepäckabteil, wundert man sich, warum es einem wieder entgegenrutscht. Die Erklärung ist einfach: Über der Hinterachse ist eine Verstrebung zur Stabilisierung der Karosserie verbaut, die den Kofferraumboden etwas anhebt.

Ansonsten lässt Mercedes den Käufern bei der Optik die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Fronten. Der in der Ausstattungslinie Avantgarde eingelassene Sportgrill mit eingeschlossenem Zentralstern ist für die Fraktion der Dynamiker. Wer die klassische Linie Exclusive wählt, erhält den Stern auf der Motorhaube und einen etwas größeren, den Status der Limousine betonenden Kühlergrill. Bei dieser Formgebung können für 120 Euro extra auch die Lamellen komplett geschlossen werden, was bei flotter Fahrt den cW-Wert drückt und immerhin 0,1 Liter Sprit auf 100 Kilometer bringen soll.

Drei Motoren zum Einstieg

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In der Ausstattungslinie Avantgarde wirkt die C-Klasse deutlich sportlicher.

(Foto: Holger Preiss)

Nun wissen wir natürlich, dass Schönheit nicht alles, aber ein guter Teil der Miete ist. Zum Marktstart am 15. März offeriert Mercedes drei Motoren, zwei Benziner und einen Diesel. Wobei die erste Empfehlung für sportliche Fahrer der C 200 mit 184 PS ist. Selbst als Handschalter macht der Benziner reichlich Spaß. Haben doch die Ingenieure die Schaltung für Stuttgarter Verhältnisse richtig knackig gemacht und den Freunden eines fetten, brabbelnden Sportsounds Drosselklappen in die Endrohre gezaubert. Leider überträgt sich dieser feine Klang nicht in den Innenraum.

Hier bleibt die Tonalität eher zurückhaltend. Den Verbrauch geben die Stuttgarter mit 5,3 Litern an. Auf der ersten Testfahrt waren es knapp 7,0 Liter. Dieselseitig ist zum Einstieg der C 220 mit seinen 170 PS in der neuen Baureihe erhältlich, dessen Verbrauch mit 4,0 Litern im Datenblatt vermerkt ist. Hier lag der Wert bei einem ersten Ritt knapp 1,5 Liter über den Angaben. Preislich steigt der kleinste Benziner, der C 180, mit 33.558 Euro ein, für den C 220 werden mindestens 38.675 Euro fällig. Wer aber die Vielzahl der für die C-Klasse verfügbaren Annehmlichkeiten haben möchte, sollte sich auf einen Preis nicht unter 45.000 Euro einstellen.

Vielfahrer dürfen sich ab Herbst auf den C 300 als Dieselhybrid mit 204 PS  und einem 27 PS dazu boostenden Elektromotor freuen. Hier verspricht Mercedes einen Verbrauch von lediglich 3,6 Liter  und einen CO2-Ausstoß von 99 Gramm. Im Dezember folgt dann die AMG-Version. Ein Höhepunkt in der Antriebspalette wird der Plug-in-Hybrid sein, der für 2015 erwartet wird und vermutlich etwa 50 Kilometer rein elektrisch zurücklegen kann. Auch die  Karosserievarianten werden in Zukunft weiter ausgebaut. Zunächst kommt im Herbst die Kombi-Version der C-Klasse, die bereits im Juni auf der AMI in Leipzig ihre Weltpremiere feiern wird. Und auch ein Coupé wird es in absehbarer Zeit geben.

Mit der neuen C-Klasse hat Mercedes weiter an seinem Image gefeilt und den Blinker links gesetzt, um auf die Überholspur zu wechseln. Perspektivisch dürfte das die Konkurrenz aus Ingolstadt und München zum Handeln zwingen, denn jetzt stellt sich die C-Klasse tatsächlich in eine Reihe mit dem BMW 3er und dem Audi A4.

Quelle: n-tv.de

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