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Das E-Bike Live Wire soll bereits 2019 von Harley-Davidson angeboten werden.
Das E-Bike Live Wire soll bereits 2019 von Harley-Davidson angeboten werden.
Montag, 06. August 2018

Streetfighter und Reiseenduro: Harley-Davidson mit neuer Mittelklasse

Nur mit seinen Chopper-Modellen kann und will Harley-Davidson nicht in die Zukunft gehen. Deshalb haben die US-Amerikaner das Projekt "More Roads to Harley-Davidson" ausgerufen. Drei neue Bikes zeigen, wohin die Reise geht.

Wer an Harley-Davidson denkt, der denkt an fette V2-Motoren, Bikes mit einem Kampfgewicht nicht unter 300 Kilogramm, überlange Ape-Lenker, eben jene Chopper, die die US-Marke über Jahrzehnte prägte. Doch auch in Milwaukee muss man umdenken. Und das liegt nicht nur an der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. In den letzten Jahren hatte Harley mit einem ständigen Auf und Ab bei den Verkäufen zu rechnen, der Run auf die dicken Feuerstühle ist längst nicht mehr so groß wie zur Hochzeit der Marke.

Von Streetfighter bis E-Bike

Mit der Pan America 1250 hat Harley-Davisdon ab 2020 auch eine Reiseenduro im Programm.
Mit der Pan America 1250 hat Harley-Davisdon ab 2020 auch eine Reiseenduro im Programm.

Bis 2022 wollen die US-Amerikaner sich über ein erweitertes Portfolio mit vier verschiedenen Hubräumen zwischen 500 und 1250 Kubikzentimetern Hubraum neue Märkte erschließen. Zur Umsetzung seiner Pläne für eine neue "Mittelklasse" wird Harley eine Kooperation mit einem asiatischen Volumenhersteller eingehen, um ein preiswertes Motorrad mit 250 bis 500 Kubik zu entwickeln, das vor allem für den indischen Markt gedacht ist.

Auch einen echten Streetfighter wird es im Harley-Portfolio geben.
Auch einen echten Streetfighter wird es im Harley-Portfolio geben.

Bis 2019 wird auch das erste Elektro-Motorrad mit Namen Live Wire serienmäßig angeboten, dem bis 2022 weitere leichte, kleine und preiswerte E-Modelle folgen sollen. Die neue Mittelklasse-Baureihe zielt auf drei verschiedene Marktsegmente: Dazu gehören die vor allem in Europa stark gefragten Reiseenduros. Hier will man bereits 2020 die Pan America 1250 serienreif haben.

Zudem soll es bis dahin auch ein Custom-Modell mit 1250 Kubik-Motor sowie für die sportliche Fraktion eine Streetfighter mit 975 Kubikzentimetern Hubraum geben. Das Triebwerk könnte auf dem bereits seit 2014 in Indien gebauten wassergekühlten 60-Grad-V2-Motor der "Street" basieren, die sich bis heute bei den Käufern nicht durchsetzen konnte.

KTM und BMW haben es vorgemacht

Große Hoffnungen setzen die US-Amerikaner auf die beabsichtigte Zusammenarbeit mit einem asiatischen Konzern. Vorbild für dieses Konzept sind KTM und BMW, die beide einen indischen Partner gefunden haben, der die in Mattighofen beziehungsweise München entwickelten Fahrzeuge baut. Die Kosten für das unter dem Motto "More Roads to Harley-Davidson" laufende Projekt sollen zwischen 450 und 550 Millionen US-Dollar liegen und vollständig durch umfassende Kostensenkungen und die Neuzuweisung von zuvor geplanten Investitionen aufgebracht werden. Bis 2022 will Harley-Davidson einen jährlichen Einnahmenzuwachs von mehr als einer Milliarde US-Dollar generieren.

Mit dem Custombike bleiben die US-Amerikaner dicht an ihren Wurzeln.
Mit dem Custombike bleiben die US-Amerikaner dicht an ihren Wurzeln.

Harley-Davidson leidet seit Jahren unter stark schwankenden Absatzzahlen. Ausgehend von 2006, dem verkaufsstärksten Jahr der Motor Company, sank die Zahl der verkauften Motorräder binnen vier Jahren von knapp 350.000 Einheiten um 40 Prozent auf 210.500 Stück. In den folgenden vier Jahren ging es wieder um 29 Prozent bergauf (knapp 271.000 Stück), seit 2014 sinkt der Absatz jedoch kontinuierlich; für 2018 werden lediglich rund 232.000 verkaufte Motorräder erwartet. Während in vielen Märkten die Zahlen steigen, belastet vor allem die negative Entwicklung in den USA die Harley-Statistik. Auch der europäische Markt könnte als Folge der aktuellen Strafzoll-Debatte erheblich leiden.

Zu den vor Kurzem veröffentlichten Plänen, als Folge der Strafzölle die Produktion von Motorrädern teilweise aus den USA abzuziehen, gibt es keine neuen Stellungnahmen. Demnach ist vorgesehen, bereits im vierten Quartal 2018 mit einer Produktion in Thailand zu beginnen, auch wenn das dortige Werk noch nicht seinen Endausbau erreicht hat. Künftig sollen in den USA nur noch die Motorräder für den Heimatmarkt gebaut werden; alle anderen Fahrzeuge sollen außerhalb des Landes montiert werden. In Deutschland bewerben sich bereits das brandenburgische Eisenhüttenstadt und die Bundeshauptstadt Berlin als Produktionsstandort um die Gunst von Harley.

Quelle: n-tv.de