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Ist das der Stromer für alle? Tesla präsentiert Massen-Model 3

Das Model 3 ist Teslas dritter Streich und soll endlich das preiswerte massentaugliche Mittelklasseauto mit Elektroantrieb sein. Es scheint mit 35.000 Dollar Einstiegspreis dieses Versprechen zu erfüllen. Und dennoch hält sich Tesla mit Details zurück.

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Elon Musk bei der Präsentation des Model 3 in Los Angeles.

Als Tesla-Chef Elon Musk die Bühne in Los Angeles betritt, ist es wie zu Zeiten von Steve Jobs, als er ein neues Apple-Gerät vorstellte. Die Meute jubelt frenetisch, wenn der Mann, der die Elektromobilität mit viel Geld und Enthusiasmus hoffähig gemacht hat, auftritt, um der Welt den dritten Schritt seines "geheimen Masterplans" zu präsentieren: das Model 3. Musks Grundgedanke ist, die Welt vor der Selbstzerstörung zu schützen, die Mobilität zu elektrisieren und so den CO2-Ausstoß zu verringern und die globale Erderwärmung zu stoppen.

Und tatsächlich scheint die Entwicklung von Tesla eine Art Blitzkarriere zu sein. Als Musk mit dem ersten Stromer, dem Roadster, auf den Markt kam, sagten viele: "Gut, das ist ein schnittiges Auto. Es fährt eine kurze Strecke schnell, sieht gut aus und wird von einem Elektromotor angetrieben. Das Problem ist nur, dass es alltagsuntauglich und extrem teuer ist." Die Antwort von Tesla war das Model S. Ein Auto, das mehr Elektroauto ist als alles, was von etablierten Herstellern bis dato auf den Markt gebracht wurde.

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Wie er außen aussieht, verraten die Bilder, der Innenraum scheint noch geheim zu sein.

Nicht nur, dass das Model S der schnellste Prototyp in der Autogeschichte ist, er ist auch - und das wundert bei einem Preis ab knapp 70.000 Euro schon - das meistverkaufte Elektroauto der Welt. Auf seiner Basis aufbauend, präsentierte Tesla im letzten Jahr sein Model X. Ein Crossover mit einem Spleen, den Musk ihm eingepflanzt hat: Flügeltüren für die Fondpassagiere. Wie der Verkauf des Model X läuft, ist wie alle Absatzzahlen ein Geheimnis von Tesla.

115.000 Stück in 24 Stunden verkauft

Letztlich scheint das für den Moment auch egal, denn entscheidend ist für Musk sein heutiger dritter Streich, das Model 3. Für 35.000 US-Dollar wird es auf den Markt kommen. Und angesichts dieses Preises und der Fangemeinde, die man sich vor allem mit dem Model S erschaffen hat, startete am Donnerstag der Vorverkauf für ein Auto, das keiner kennt geschweige denn gesehen hat. Und dennoch -  allein in den letzten 24 Stunden fanden sich weltweit 115.000 Käufer in den Tesla-Stores ein, die ein Model 3 orderten. Ein Umstand, der Musk bei der Präsentation ein herzliches "Danke" entlockt und den Hinweis: "Sie haben noch nie ein besseres Auto zu diesem Preis gekauft."

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Nach wie vor ungewohnt: die geschlossene Front ohne Kühlergrill.

Aber was haben die Massen denn nun eigentlich bestellt? Das Model 3 ist ein Kompaktwagen, dessen genaue Maße auch jetzt noch nicht bekannt sind. Nur so viel: Es soll fünf Erwachsenen bequem Platz bieten, was angesichts des Umstandes, dass es keinen Motor unter der Fronthaube gibt, plausibel erscheint. Musk meinte sogar, dass genau aus diesem Grund die Vordersitze weit nach vorn gesetzt werden konnten, was im Fond für ausreichend Platz sorgt. Raum schafft auch der Umstand, dass im Model 3 auf die klassische Anordnung im Dashboard verzichtet wurde. Rundinstrumente hinter dem Lenkrad sucht man vergeblich. Alle Informationen werden auf einen riesigen Monitor, der über der Mittelkonsole liegt, übertragen. Wie groß der Bildschirm ist und welche Features es im Detail gibt, bleibt noch unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.

Was steckt unterm Blech?

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In Los Angeles präsentiert Tesla sein Model 3. Ein Elektroauto für die Massen?

Die zwei Elektromotoren, verbaut an Front und Heck, schöpfen ihre Kraft aus hauseigenen Lithium-Ionen-Batterien. In der von Musk gebauten Ligamanufaktur sollen in Zukunft die Akkus für 500.000 Elektroautos pro Jahr hergestellt werden. Beim Model 3 sorgen sie jedenfalls dafür, dass der Wagen in etwa sechs Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigt und die Fuhre mit einer Ladung 346 Kilometer weit getragen wird. Wichtig, und das betont Musk, ist die Möglichkeit, dass die Ladung der Batterie auch über einen Supercharger erfolgen kann. Weltweit hat Tesla bereits über 3600 solcher Ladestationen gebaut. Innerhalb des nächsten Jahres soll sich die Zahl verdoppeln. Zudem gibt es bereits jetzt 15.000 normale Elektrozapfsäulen, die von Tesla aufgestellt wurden. Ob das reicht, den Anspruch, den Musk bei der Präsentation selbst formulierte, zu erfüllen, bleibt abzuwarten. "Das Wichtigste an einem Auto ist die Mobilität und die liegt vor allem in der Reichweite."

Auch bei den Sicherheitsstandards verspricht Musk fünf Sterne in allen Kategorien. Und wie macht sich das Model 3 optisch? Nun, ungewöhnlich sportlich. Ungewöhnlich, weil dort, wo Fahrzeuge mit Verbrenner den Kühlergrill und die Lufteinlässe haben, der Tesla verschlossen ist. Das sorgt mutmaßlich für eine bessere Aerodynamik und schafft den geschlossenen Stauraum unter der Fronthaube. Ansonsten ist Chefdesigner Franz von Holzhausen den dynamischen Linien treu geblieben: den kurzer Überhänge, einer extrem geschwungenen Dachlinie und einer zackigen Tornadolinie, die von darüber liegenden kurzen Sicken an Front und Heck zu Teilen überlagert wird.

Mehr kann leider auch nach der Präsentation über das Model 3 von Tesla nicht gesagt werden. Mit detailreichen Datenblättern hält sich der Elektropionier im Moment noch zurück. Insofern wird, wer sich das Fahrzeug jetzt bestellt, die Katze im Sack kaufen. Das die hinkt, ist nicht zu erwarten, aber ein gewisser Moment der Überraschung wird bleiben. Hat ja auch alles noch ein wenig Zeit, denn die Produktion des Model 3 startet erst 2017. Bis es dann bei den Käufern ist, wird es auch noch einen Moment dauern. Aber Vorfreude ist ja bekanntermaßen die schönste Freude.

Quelle: n-tv.de

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