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Mercedes' zweiter Aufschlag eCitaro - Nahverkehr mit Brennstoffzelle

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Der Mercedes eCitaro könnte in Zukunft mit Batterie und Brennstoffzelle zur emissionsfreien Personenbeförderung beitragen.

(Foto: Daimler AG)

Wer den Nahverkehr in den Städten emissionsfrei gestalten will, setzt momentan auf batteriegetriebene Busse. Deren elektrische Reichweite ist aber für den Alltagsbetrieb in der Regel zu gering. Die Brennstoffzelle soll hier in Zukunft Abhilfe schaffen.

Immer mehr Autohersteller haben in jüngerer Vergangenheit angekündigt, der Brennstoffzellentechnik mehr Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Dazu gehört auch der Brennstoffzellenpionier Mercedes. Immerhin forschen die Stuttgarter schon seit 1994 an der Technologie. Mit mehr oder weniger großem Enthusiasmus. Denn selbst der im März 2018 vorgestellte GLC F-Cell wurde nicht für den Verkauf freigegeben. Warum nicht? Nun, zu teuer wären die Brennstoffzellen, zu gering der globale Bedarf im privaten Bereich und auch das Tankstellennetz ließe zu wünschen übrig.

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Der Mercedes GLC F-Cell: es gibt ihn, aber eigentlich auch nicht.

(Foto: Daimler AG)

Doch jetzt versuchen die Stuttgarter, wie Hyundai, erneut einen Aufschlag im Nutzfahrzeugbereich. Ab 2022 will Mercedes den ÖPNV-Bus eCitaro mit einer Brennstoffzelle als Range-Extender ausstatten. An der Entwicklung beteiligt sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) mit 3,3 Millionen Euro. Fragt sich nur, wer im Nachhinein für die Tankstellen auf den Höfen der Verkehrsbetriebe aufkommt. Aber diese Frage klärt sich dann wohl im zweiten Schritt.

Momentan ist nur so viel bekannt: Die Brennstoffzelle soll im Fall des eCitaro zusätzlich zur großen Traktionsbatterie installiert werden, um so das Reichweitenpotenzial zu steigern. Bislang kann ein eCitaro mit einer 292-kWh-Batterie zwischen 170 und 280 Kilometer mit einer Ladung fahren. Mit einer Brennstoffzelle als Range-Extender soll sich der eCitaro laut Mercedes für jedes Einsatzszenario eignen. Ein ähnliches Konzept verfolgt Renault bei seinen bereits in wenigen Monaten verfügbaren Kleintransporter-Modellen Kangoo Z.E. und Master Z.E. Im Fall des Master Z.E. Hydrogen sorgt eine Brennstoffzelle für ein Reichweitenplus von 120 auf 350 Kilometer.

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Der "Vision F-Cell" von der Konzerntochter Fuso wurde auf der Toyota Motor Show vorgestellt.

(Foto: Daimler AG)

Der eCitaro mit Brennstoffzelle ist Teil einer groß angelegten Dekarbonisierungsstrategie von Daimlers Nutzfahrzeugsparte. Auf dem Deutschen Logistik-Kongress in Berlin hat Daimlers Lkw-Vorstand Martin Daum Ende Oktober angekündigt, bis 2039 in Europa, Nordamerika und Japan ausschließlich lokal emissionsfrei fahrende Lkw und Busse anbieten zu wollen. Zum Erreichen dieses Ziels wird auch der Brennstoffzelle eine wichtige Rolle zukommen. Als einen neuen Vorboten dieser wasserstoffgetriebenen Nutzfahrzeugzukunft hat die Konzerntochter Fuso jüngst auf der Tokyo Motor Show den 7,5-Tonner "Vision F-Cell" vorgestellt. Dieser soll wie der eCitaro dank einer Kombination von Batterie und Brennstoffzelle 300 Kilometer Reichweite bieten.

Hyundai scheint hier mit seiner Lkw-Studie HDC-6 Neptune schon einen Schritt weiter. Die Koreaner setzen in Gänze auf die Brennstoffzelle und verzichten auf zusätzliches Gesicht und zusätzliche Ladezeiten. Details hat auch Hyundai noch nicht bekannt gegeben, aber die Technik dürfte der des Wasserstofflasters H2 Xcient entsprechen, der mit zwei 95 kW leistenden Brennstoffzellen-Stacks und einem 35 Kilogramm fassenden Wasserstoff-Tank gerüstet ist. Damit sollen pro Tankfüllung 400 Kilometer Reichweite möglich sein.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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