Leben

Tiny, aber robust Das Eigenheim aus dem Seecontainer

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In Rostock steht ein ganzes Hotel aus Containern.

(Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

Wohnraum wird immer teurer, ob gekauft oder gemietet. Langsam setzen sich auch in Deutschland Alternativen zum klassischen Ein- oder Mehrfamilienhaus durch. Eine davon sind Häuser aus Überseecontainern. Durch sie kann der Traum vom Eigenheim wahr werden.

Matthias Meinecke wohnt in Berlin, im Stadtteil Mitte. Auch wenn es ihm dort gefällt, wird der Lärm doch lästig. "Sobald man auf die Straße tritt, sind da Touristenhorden. Nebenan sind ein Hostel und eine Baustelle." Deshalb wollen er und seine Familie raus aus der Stadt. Für ihre Zuflucht auf dem Land haben sie sich etwas Besonderes ausgesucht: einen Schiffscontainer, der in eine kleine Wohnung umgebaut wird. Der soll zwar erst mal als Feriendomizil herhalten, kann aber auch als Erstwohnsitz dienen.

"Schiffscontainer fanden wir cool. Die haben irgendwie einen gewissen Charme", sagt Meinecke. Als Basis nutzt er einen 28 Quadratmeter großen Container, eine von zwei möglichen Größen. Nach dem Umbau bleibt eine Wohnfläche von 25 Quadratmetern.

20191218-13-27-37.jpg - bitte nur für den Wohncontainerartikel verwenden - Prota-Foto

Für den Umbau eines Seecontainer ist vor allem eines nötig, weiß Meineck inzwischen: Planung.

Ihren ersten Container-Umbau präsentieren Meinecke und seine Familie auf tinyway.de, denn Tiny Houses sind der Wohn-Trend, dem er damit folgt. Die globale Bewegung, die auch in Deutschland angekommen ist, verbindet minimalistisches Wohnen mit einem bezahlbaren Eigenheim. Viele lassen sich ihr Tiny House bauen, mittlerweile haben sich einige Firmen in Deutschland darauf spezialisiert. Von den üblichen Miniaturhäusern, die zumeist aus Holz und zwecks Mobilität auf Rädern gebaut werden, unterscheidet sich ein Containerhaus aber wesentlich.

Der Traum vom selbst gebauten Haus

Mit einem Schiffscontainer als Basis rückt den Traum vom selbst gebauten Eigenheim in greifbare Nähe. Auch ohne handwerkliche Ausbildung, glaubt Meinecke. Er hat Wirtschaft studiert und führt eine IT-Firma, seine Frau ist Kinderkrankenschwester. Trotzdem ist er überzeugt, dass er das hinbekommt. "Was man an handwerklichen Fähigkeiten braucht, ist relativ übersichtlich. Man baut ja kein Haus, bei dem man die Statik einwandfrei planen muss. Der Container besitzt schon eine eigene, stabile Statik", sagt er. "Man muss allerdings mit Holz arbeiten und einen Fußboden legen können." Er selbst holt sich dazu Unterstützung aus der Familie.

Dafür sind Planung und das Aneignen von Fachwissen umso wichtiger. Zum Beispiel muss in dem luftdichten Container die Bildung von Kondenswasser verhindert und die Ausdehnung des Metalls im Sommer berücksichtigt werden. Meinecke ist nach rund einem Jahr Arbeit schon bei Entwurf Nummer fünf angelangt. "Man muss die Verrücktheit haben, sich in etwas so sehr reinzuknien, dass man darin versinkt", sagt er. Geholfen hat ihm auch der Austausch mit anderen Container-Häusle-Bauern. "Je mehr ich telefoniere, desto mehr lernen wir und desto genauer werden die Planung und das Bild von dem Container. Die Lernkurve ist steil, so etwas macht mir Spaß."

Robust und wandelbar

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Wenn die Türen wieder geschlossen werden, ist von der Wohnung im Inneren nicht mehr viel zu erkennen.

(Foto: Containermanufaktur Berlin)

Für Meinecke ist auch die Haltbarkeit des Materials wichtig. "So ein Container hält 30 Jahre, wenn er vorher nicht viel Zeit auf dem Meer verbracht hat. Die Container sind ja für die Belastung durch Salzwasser auf hoher See ausgelegt.", sagt Ingenieur Nils Clausen von der Containermanufaktur in Berlin. Seine Firma hat sich auf den Umbau von Seecontainern spezialisiert. Seit Jahren baut er daraus alles Mögliche, zum Beispiel eine mehrstöckige mobile Bar. Auch mit dem Umbau in Wohnungen hat er Erfahrung und verschickt die Tiny Houses in die ganze Welt.

"Container sind so robust und gleichzeitig so wandelbar", sagt Meinecke. Er plant Wände auf einem Schienensystem. Diese lassen sich mit wenigen Schrauben lösen und längs im Container verschieben und teilen ihn so auf. Dadurch kann er einzelne Räume individuell vergrößern, verkleinern oder zusammenlegen. "Am Ende kann man das auch als Studio oder Wochenendhaus nutzen. Oder vielleicht will das eigene Kind mal dort einziehen. Das ist ja die Schönheit an dem Ganzen", schwärmt Meinecke.

Nachträglich sind Seecontainer-Häuser sogar erweiterbar, falls etwa ein Kinderwunsch die Familie vergrößert. "Bis zu fünf Stück können ohne Probleme aufeinandergestapelt werden", sagt Nils Clausen. Allerdings muss dann doch die Statik des Aufbaus berechnet werden. Wer ein bisschen mehr Geld in die Hand nimmt und mehr Platz braucht, kann sich außerdem zwei Container bei einer Firma wie der Containermanufaktur verbinden und die Zwischenwände herausnehmen lassen.

Eine große Preisspanne

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Sieht von innen doch fast wie ein normales Zimmer aus.

(Foto: Containermanufaktur Berlin)

Selbst im Eigenbau wird Meinecke sein Häuschen rund 70.000 Euro kosten. Das ist allerdings schon an der oberen Grenze, der Preis richtet sich ganz nach der Ausstattung. "Die Kosten können deutlich reduziert werden. Der größte Kostenfaktor ist der spezielle Container, den wir uns bestellt haben. Mit einem Standardcontainer wäre es günstiger.", sagt er. Außerdem verbaut er viel Technik, zum Beispiel eine Fußbodenheizung mit Smart-Home-Funktion.

Auch bei der Containermanufaktur rechnet Nils Clausen mit etwa 60.000 Euro für ein solches Containerhaus. "Bei dem Preis kann ich allerdings auch zaubern", sagt er. Das heißt, es geht noch deutlich günstiger. Die Internetseite Pocketcontiner.de zum Beispiel beziffert die Kosten für einen mit dem nötigsten ausgebauten Seecontainer nur auf etwa die Hälfte. Sie bietet auch direkt den passenden Bauplan für einen solchen Ausbau an.

Zu guter Letzt stellt sich noch die Frage nach dem Standort. Wer ein solches Seecontainer-Haus baut, muss bereit sein, es auf längere Zeit irgendwo hinzustellen. Denn für den Transport ist ein Lkw notwendig und der ist teuer. Außerdem wird eine Baugenehmigung benötigt und das Haus muss dem Bebauungsplan entsprechen.

Das ist bei der Optik der Seecontainer nicht immer einfach, aber Meinecke ist optimistisch. "Gerade auf dem Land, wenn die Städte dort jedes Jahr weitere Abwanderung haben, sind die Menschen sehr flexibel". Weil aber jede Region ihre eigenen Bauverordnungen hat, sollte man, bevor man mit einem solchen Projekt beginnt, ganz genau recherchieren. Falls Meinecke keine Stadt für seinen Container findet, macht er es sich einfach. "Wenn man ihn völlig in die Pampa stellt, dann klappt das auch. Vielleicht machen wir das, nur, um ihn zeigen zu können."

Quelle: ntv.de