Leben

Rente mit 40 als Ziel Das Leben eines Frugalisten

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Dominik Fecht ist Diplom-Finanzwirt und schon immer sparsam.

(Foto: Melanie Trimborn)

Dominik Fecht lebt in einer kleinen Wohnung in Köln, hat gebrauchte Möbel statt neuer und legt lieber sein Geld an, als es auszugeben. Für ihn ist das kein Verzicht, sondern Freiheit.

Elfter Stock, Blick auf den Rhein. Silvester - sagt Dominik Fecht und zeigt auf das Panorama der Stadt - hat er die beste Sicht auf das Feuerwerk. Und er muss noch nicht einmal etwas dafür bezahlen. Freunde und Familie seien schon bei ihm zu Besuch gewesen, erzählt er stolz. Sparen und trotzdem etwas erleben, das ist Fecht wichtig.

Er ist 23 Jahre alt, wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Köln und hat beim Zoll dual studiert. Schon mit Beginn der Ausbildung und gerade einmal 19 Jahren hat sich Fecht in den Kopf gesetzt, mit 35 oder 40 so viel gespart zu haben, dass er davon gut leben kann. Damit gehört er einer losen Bewegung an, die sich als Frugalisten bezeichnen.

"Ich glaube, ich habe das sparsame Leben vom Elternhaus mitbekommen", erinnert er sich. Geld zum Fenster rauszuwerfen sei nie sein Ding gewesen. Aber irgendwann fing er an, sich auch damit zu beschäftigen, was die Ersparnis einbringen kann. Er las Finanzbücher und fand einen Blogger aus den USA, der finanzielle Freiheit erreicht hatte. Der Funke sprang über. "Da ist jemand, der konnte mit Anfang 30 aufhören zu arbeiten, obwohl man sonst immer hört: Du arbeitest bis 67 und es gibt keine Alternative."

Frugal bedeutet sparsam, genügsam. Ein Blick in Dominik Fechts Wohnung zeigt: Das hat er auch verinnerlicht. Gebrauchte und wenige Möbel, kein Fernseher. "Ich kaufe mir nicht so viele materielle Sachen, weil ich gemerkt habe, dass sie mich nicht viel glücklicher machen." Also spart er das Geld lieber.

Verzicht ein ganzes Leben?

Zwar hat Fecht nur durchschnittlich verdient, aber dafür wenig ausgegeben und ein Vermögen von über 60.000 Euro angespart - und das mit gerade mal 23 Jahren. Das Geld hat er zum größten Teil in Aktien und ETFs gesteckt. Mit 500.000 Euro Vermögen könnte er sich 20.000 Euro jährlich auszahlen. Für ihn würde das reichen, um seine Kosten zu decken. Damit würde er sich jährlich vier Prozent seiner Geldanlage auszahlen, ohne dass sie ausgeht.

Nach dem Prinzip leben viele Frugalisten. Die meisten treibt das Ziel an, schon vor dem Rentenalter nicht arbeiten zu müssen. Sie leben extrem sparsam, um das erreichen zu können. Finanzexperten warnen vor einem Irrglauben, man könne damit auch reich werden. Der Verzicht ginge weiter. "Eigentlich muss man diesen frugalen Lebensentwurf ab 45 weiter fortsetzen - also auch dann sehr sparsam leben und das auch mit 90 Jahren noch wollen", erklärt Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

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Daher setzt Dominik Fecht auch jetzt nicht auf völligen Verzicht - im Gegenteil. Auch er geht mal etwas essen und mit Freunden aus. Dadurch gibt er auch etwas mehr aus als viele in dieser Bewegung. "Es gibt die einen, die das meiner Ansicht nach total übertreiben und jeden Cent zur Seite legen, zu denen ich eindeutig nicht dazu gehöre", so Fecht. Er könne auch mit anderen Lebensumständen frugalistisch leben, erklärt er.

Und so setzt der 23-Jährige vor allem auch auf steigende Einnahmen. Aktuell hat sich Fecht selbstständig gemacht, bloggt, schreibt Bücher und veröffentlicht Youtube-Videos zu dem Thema, mit dem er sich nun seit seiner Jugend beschäftigt: Finanzen. Er will anderen sein Wissen weitergeben. Das macht ihm Spaß. Diesen Schritt habe ihm auch sein Finanzpuffer ermöglicht. "Mein Ziel ist es, sowohl im Jetzt als auch in der Zukunft glücklich zu sein."

Quelle: ntv.de