Leben

Zu Fuß statt mit dem Flugzeug Der Wander-Trip gegen den Corona-Blues

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Wandern fördert die Gesundheit und kann auch in der Corona-Krise die Psyche entlasten.

(Foto: imago images/Action Pictures)

Zurzeit ist ein Wandertrip in Deutschland oder in den Nachbarländern für viele eine echte Alternative zur Fernreise. Social Distancing fällt in den Bergen leichter und Bewegung streichelt die krisengeplagte Seele. Wander-Experten wie Manuel Andrack sehen darin sogar eine Art "Corona-Prophylaxe".

Ein Flugzeug voller Menschen, ein Timeslot für den Strandzugang, Plexiglaswände im Hotel: Urlaub in Corona-Zeiten ist mit vielen Umstellungen verbunden und damit für eher risikoscheue Menschen eine große Herausforderung. Deshalb könnte vor allem der Wanderurlaub noch beliebter werden.

Gründe dafür gibt es mehrere: "Flugreisen gibt es eher nicht, Fernreisen auch nicht - und nun entdecken die Menschen so ein wenig ihre Heimat neu", erklärt Autor und Wanderexperte Manuel Andrack im Gespräch mit ntv.de.

Dabei sei ihm bereits im Frühjahr aufgefallen, dass deutlich mehr Menschen als sonst auf den Wanderwegen unterwegs waren. Seiner Meinung nach müsse man nicht immer auf Mallorca und Madeira wandern, denn es gibt auch tolle Landschaften in Deutschland. "Es gibt immer noch viele Menschen, für die Eifel und Hunsrück noch unbekannt sind." Nun sei eine gute Gelegenheit, genau diese Regionen einmal genau zu betrachten und dort die Natur zu entdecken.

Zur Krisenbewältigung genau das Richtige

Für Andrack haben Wandertouren - und damit frische Luft, Bewegung und das Gefühl von Freiheit - auch zur persönlichen Bewältigung der aktuellen Corona-Krise beigetragen. Er hat gleich mehrere positive gesundheitliche Auswirkungen bei sich beobachtet: "Ich kann nicht genug betonen, dass Wandern eine Art Corona-Prophylaxe ist. Wenn man viel an der frischen Luft ist und das Virus dennoch bekommt, dann hat man wahrscheinlich einen guten Verlauf. Durch die frische Luft wird unser Immunsystem gestärkt", erklärt er ntv.de.

"Wandern macht glücklich und wird teilweise als Therapie gegen Depressionen eingesetzt, weil man eben am Ende einer Wanderung immer besser drauf ist als am Anfang. Gerade wenn man berufliche Probleme wegen Corona hat und der Kopf rattert, dann ist es genau das Richtige, so oft wie möglich rauszugehen."

Die stimmungsaufhellende Wirkung ist auch wissenschaftlich bewiesen: Forscher aus den USA konnten feststellen, dass Menschen, die in der Natur unterwegs waren, einen niedrigeren Spiegel des Stresshormons Cortisol als diejenigen hatten, die sich drinnen sportlich betätigten. Wandern kann die mitunter schlechte Stimmung in der großen Krise tatsächlich - zumindest zeitweise - aufhellen.

"Das Wandern wird eine besonders gefragte Urlaubsaktivität sein, auch für Menschen, die bisher nicht oder nur selten gewandert sind", sagte kürzlich die Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbands, Ute Dicks. Einfach planlos loszulaufen, sollte man jedoch vermeiden: Denn auch in Zeiten von Corona sollten sich Neulinge informieren und auf die wichtigen Pandemie-bedingten Bestimmungen achten, erklärt der Wanderverband, der viele Informationen rund um Routen und Karten bereithält.

Massenaufläufe verhindern

Die Experten raten derzeit dazu, Nebenwege und keine Wander-Hotspots zu nutzen, denn gerade an solchen Orten könnte es in den Sommermonaten und besonders zur Ferienzeit voller werden. Das Gleiche gilt auch für Hütten- und Übernachtungsplätze an beliebten Zielen.

Jens Kuhr vom Deutschen Wanderverband rät deshalb, Routen frühzeitig zu planen und Übernachtungen schnell zu buchen. Aufgrund der steigenden Nachfrage in Deutschland könnte es sonst bei der Reiseplanung schwierig werden. Weil jedes Bundesland die Corona-Maßnahmen unterschiedlich handhabt, ist eine Beratung vor Ort der beste Weg, um sich über Einschränkungen oder mögliche Sperrungen zu informieren. Lokale Wandervereine oder Touristeninformationen geben Auskunft.

Über seine eigenen Wandererfahrungen schreibt Andrack, der früher an der Seite von Harald Schmidt bekannt wurde, regelmäßig Bücher und gibt in einem Blog Einblicke in seine persönlichen Erlebnisse. In einem Eintrag hält er fest: "Darum geht es beim Wandern: Um lustvolle Bewegung an der frischen Luft, die wahrscheinlich bald als Corona-Prävention offiziell von (Bundesgesundheitsminister Jens , Anm. d. Red. ) Spahn anerkannt werden wird." Andracks Lieblingsrouten aus der Corona-Zeit sind übrigens "die Oppig Grät im Nordsaarland, traumhafte Schlucht mit extrem hohem Erlebniswert" und der Felsenweg in Waldhölzbach.

Mehr Informationen erhalten Sie unter anderem auf der Informationsseite Wanderbares Deutschland.

Quelle: ntv.de