Leben

Nachhaltig und pragmatisch Eine normale Familie - nur fast ohne Plastik

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Unverpackt direkt vom Markt in den Kühlschrank.

(Foto: Maik Meuser)

Die Berge von Plastikmüll, die die Deutschen täglich produzieren, sind eine riesige Umweltbelastung. Kann man ganz darauf verzichten? Die Familie von Maik Meuser probiert das aus.

An der Frischetheke brauchen Maik Meuser und seine Frau Nicole einen langen Atem. Wochenlang erklären sie freundlichen, aber sichtlich irritierten Verkäufern im örtlichen Supermarkt immer wieder, wie sie den Käse und die Wurst in die mitgebrachten Boxen füllen und auf Einwegplastiktüten verzichten könnten. Dass das keineswegs gegen Hygiene- oder sonstige Vorschriften verstoße. Irgendwann erreichen sie einen Teilerfolg: Die Boxen werden gefüllt, aber anschließend in Papiertüten verpackt und mit dem Kassenzettel versehen. Daraufhin hinterlässt Meuser in der Kommentarbox des Supermarktes einen Zettel. Mit einem ausdrücklichen Lob für das Entgegenkommen und dem Wunsch, dass man doch auch die überflüssigen Papiertüten weglassen könne.

Und dann eines Tages die große Überraschung: An der Käsetheke steht ein großer Aufsteller: "Frischhaltedosen mitbringen und befüllen lassen. So einfach geht's". Die Supermarktmitarbeiter haben die für sie zunächst befremdliche Idee der Meusers nicht nur akzeptiert, sondern werben sogar bei allen Kunden dafür!

Als Meuser, von Beruf Nachrichtenmoderator bei RTL, das Schild im Supermarkt entdeckt, ist es Ende Mai. Knapp fünf Monate zuvor, in der Silvesternacht, hatte er mit seiner Frau und den drei Kindern spontan beschlossen, der Umwelt zuliebe auf Plastik zu verzichten - und zwar ab sofort. Die erste Ernüchterung folgte am Neujahrsmorgen. "Mit Schrecken haben wir festgestellt, welche Unmengen von Plastik wir im Haus haben", erzählt Meuser. "Aber statt mit einem 'oh Gott, das schaffen wir nie' zu resignieren, haben wir das als Chance begriffen, eben besonders viel Müll zu reduzieren." Um sich selbst anzuspornen, richten Meuser und seine Frau den Blog "Familie minus Plastik" ein, auf dem sie regelmäßig über ihre Erfahrungen berichten.

Nach einem halben Jahr zieht Meuser nun eine positive Bilanz. Im Bad sei beispielsweise rund 80 Prozent des Plastiks inzwischen verschwunden. Die Zahnbürsten der Familie sind jetzt aus Bambus. Statt Pasta aus der Tube gibt es Zahnputz-Kautabletten. Das Duschgel in Plastikflaschen sei noch nicht ganz aufgebraucht, erzählt Meuser. Aber nachgekauft wird nur noch Seife im Stück. Shampoo und Spülmittel hat die Familie sogar schon selbst hergestellt.

Befreiung vom Konsum

Der Erfolg ist vor allem beim Müll sichtbar: Statt drei bis vier Säcken Verpackungsmüll holt die Müllabfuhr alle zwei Wochen nur noch einen einzigen ab. Und der ist meist nicht einmal halb gefüllt.

Vieles vom plastikfreien Einkauf bis zum Herstellen des eigenen Shampoos sei gar nicht so aufwendig wie oft befürchtet, sagt Meuser. "Doch wir haben uns auch Grenzen gesetzt" - aus pragmatischen Gründen. So muss das neue, plastikfreie Leben mit dem Alltag zweier berufstätiger Eltern vereinbar sein. Die Einkäufe müssen weiter auf dem Markt und den Geschäften des Wohnortes zwischen Köln und Düsseldorf möglich sein. "Nur noch in speziellen verpackungslosen Geschäften in Köln einzukaufen, ist für uns nicht drin." Der Plastikverzicht soll nicht zum "einzigen Lebensinhalt" der Familie werden.

Auch für die drei Kinder im Alter zwischen drei und neun Jahren gelten Ausnahmen. So müssen sie nicht auf Lego oder Playmobil verzichten. Auch die Fußballtrikots des Lieblingsvereins der Familie gibt es nun einmal nur aus Kunstfasern. Ansonsten seien die Kinder aber mit Begeisterung dabei, selbst wenn weniger Süßigkeiten oder Joghurts in Plastikverpackungen gekauft würde, berichtet Meuser.

Er selbst erlebe die Einschränkungen etwa beim Einkaufen als "Befreiung". "Ich war auch ein wenig ein Konsumjunkie und habe im Supermarkt oft gedankenlos zugegriffen, wenn es irgendwelche Angebote oder etwas Neues gab. Jetzt kommt das meiste davon nicht mehr infrage für mich, weil es in Plastik verpackt ist."

Quelle: n-tv.de

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