Leben

Für immer Ordnung? Es geht auch ohne Marie Kondo

imago86347676h.jpg

Kann es eigentlich auch zu ordentlich sein?

(Foto: imago/Westend61)

Wie wurde eigentlich Ordnung gemacht, bevor die Aufräumkönigin Marie Kondo von Japan aus die ganze Welt "gekondot" hat? Und welche Strategien haben sich bewährt? Die Ordnungsexperten sind sich überraschend einig.

"Schneller putzen, besser leben", "Besser aufräumen, freier leben" oder einfach "Mühelos aufgeräumt" – Es könnte so schön sein in einer sauberen und ordentlichen Wohnung, in der es sich dann gleich einfacher und besser lebt, suggerieren viele Buchtitel. Tatsächlich aber kämpfen die meisten Menschen immer wieder mit Staubmäusen, überquellenden Schränken und sich neu ansammelnder Schmutzwäsche.

Dabei kommt kaum ein Selbstoptimierungsratgeber ohne den grundlegenden Tipp aus, dass man seine Lebensräume in Ordnung bringen soll. Schon deshalb lohnt sich ein Blick in die zahlreichen Aufräumratgeber, die jedes Jahr geschrieben werden und im Zweifelsfall die mehr oder weniger gleichen Anregungen enthalten.

ANZEIGE
Mühelos aufgeräumt!: Checklisten für den perfekten Haushalt. 1 Projekt pro Woche
EUR 12,95
*Datenschutz

Dauerhaft Ordnung zu schaffen, ist ein Prozess. Das wussten schon die Großmütter, die Sätze sagten wie: "Ordnung machen kann jeder, Ordnung halten, ist die Kunst." Darin sind sich auch bis heute die Ordnungsgurus einig: Zunächst muss man einmal die angestrebte Grundordnung herstellen. "Wenn wir uns Zeit nehmen und Zimmer für Zimmer, Raum für Raum durchgehen und uns zwingen, unsere Organisation zu Haus zu überdenken, werden wir neue Einsichten über uns selbst und die, die mit uns wohnen, gewinnen." Das schreibt die Schwedin Paulina Draganja, die als "Aufräumkönigin" bloggt, in ihrem Buch "Mühelos aufgeräumt".

"Es geht darum, sich Gedanken zu machen, was einem wirklich wichtig ist, ohne auf Wohlgefühl zu verzichten", meint Denise Colquhoun. Sie schreibt den Blog "Fräulein Ordnung" und verbindet Aufräumen mit der Idee von Minimalismus. Eher pragmatisch geht es Bestsellerautorin Courtenay Hartford in "Speed Cleaning" an. Bei spontanen Besuchsankündigungen reichen ihr zufolge acht Minuten, um zumindest den äußeren Eindruck von Ordnung zu erwecken. Aber auch sie verweist auf die "Zauberkraft" aller als ordentlich wahrgenommenen Menschen: das Entrümpeln.

Bereit für das große Wegwerfen?

*Datenschutz

Wie man das genau angeht, dafür gibt es kein Patentrezept. Für den einen ist "jeden Tag ein bisschen" der richtige Weg. Der andere funktioniert am besten mit der Tabula-Rasa-Methode. Zu unterschätzen ist die Anstrengung jedenfalls nicht, ungelesene Bücher, zu klein gewordene Hosen oder vergilbte Liebesbriefe endgültig loszulassen. Zu besichtigen ist das gerade in der Netflix-Serie "Aufräumen mit Marie Kondo", in der die japanische Bestsellerautorin ihre KonMari-Methode an US-amerikanischen Familien praxiserprobt. Da fließen Tränen, da wird gestritten, ob etwas bleiben darf, weil es glücklich macht oder eben dann doch nicht.

Kondo gehört eher in die Tabula-Rasa-Kategorie. Sie arbeitet sich einmal systematisch durch die Bereiche Kleidung, Bücher, Dokumente, Diverses und schließlich den sentimentalen Bodensatz. Alles muss aus den Schränken raus und wird nach seinem Glückswert beurteilt. Eingeräumt wird nur das wieder, was glücklich macht. Ähnlich geht es auch Denise Colquhoun an, allerdings lässt sie mit den Verkramten dieser Welt etwas mehr Gnade walten. "Beginnen Sie, indem Sie mit einem Wäschekorb durch einen Raum gehen." In den Korb kommen alle Sachen, die doppelt, unnötig oder ungeliebt sind. Mit der Methode geht es dann Schrank für Schrank, Schublade für Schublade weiter.

ANZEIGE
Ratgeber: Besser aufräumen, freier leben. Minimalismus für die Wohnung. Tipps, Anleitungen, Checklisten.
EUR 19,99
*Datenschutz

So macht es auch Draganja. Die schwedische Aufräumqueen gibt den Aufräumwilligen aber immerhin ein Jahr Zeit, sich in kleineren und größeren Projekten quer durch das Haus oder die Wohnung zu arbeiten. Manches dauert nur wenige Minuten, beispielsweise die Hausapotheke auf Vordermann zu bringen. Für andere Aktionen wie Keller aufräumen, muss man unter Umständen ein ganzes Wochenende einplanen.

Und dann?

Selbst wer sich nicht so schwer damit tut, Dinge aus Schränken oder Regalen auszusortieren, steht anschließend vor weiteren Herausforderungen. Wie wird der verbleibende Besitz verstaut und wie wird man den ausgemisteten Kram los? Für eine bleibende Ordnung empfehlen die Expertinnen übereinstimmend Körbe oder Kisten, in die man alles einsortiert. Wichtig ist dabei, dass es für jede Kategorie nur einen Platz im Haushalt gibt. Das gilt für Kleidung ebenso wie für Stifte, Pflaster, Druckerpapier, Werkzeug, Schlüssel und jedes erdenkliche andere Ding. Eine zweite Faustregel lautet, dass man sehen sollte, was man hat. Bücher in der zweiten Reihe oder Bettwäschestapel hinter dem anderen Bettwäschestapel sind nicht sinnvoll, weil man sie vergisst und deshalb auch nicht benutzt. Von den meisten Gegenständen braucht man wahrscheinlich ohnehin weniger, als man besitzt. Da hilft es, sich beispielsweise einfach mal die maximal mögliche Zahl möglicher Essensgäste zu vergegenwärtigen und die Zahl der Teller entsprechend anzupassen.

ANZEIGE
Speed-Cleaning: Schneller putzen, mehr leben – In 8 Minuten zur blitzblanken Wohnung
EUR 10,00
*Datenschutz

Auch beim Loslassen kann man sich selbst unterstützen. Natürlich ist es am schönsten, wenn etwas, das man selbst nicht mehr haben möchte, Geld bringt. Also kann der erste Schritt eine Flohmarktkiste oder eine Kleinanzeige sein. Aber die anderen haben ja auch schon alles. Was nicht weggeht, verstopft dann also die Garage oder den Keller. Das ist aber so nicht gedacht, deshalb folgt nach einer festgelegten Frist Schritt 2: Was jetzt noch übrig ist, wird verschenkt oder gespendet. Und falls das nicht geht, folgt zwangsläufig Schritt 3: Wegwerfen, auch wenn es schwer fällt. Oder wie es Colquhoun schreibt: "Wer sich von der Vorstellung verabschiedet, mit aussortierten Dingen das große Geld zu machen, wird zwar nicht reich, aber sehr viel zufriedener."

Draganja schlägt vor, diesen Zustand erstmal anständig zu feiern. Denn jetzt kommen die Mühen der Ebene. Oder wie die Bloggerin sagt: "Denn natürlich hält nichts, von dem, was wir gemacht haben, ewig." Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem die neuen Aufräumroutinen eingeübt werden. Alles kommt immer wieder an seinen Platz, für etwas Neues muss etwas Altes gehen, schmutziges Geschirr kommt gleich in die Spülmaschine, jeden Morgen werden die Betten gemacht - so herrscht immer eine gewisse Grundordnung. Dafür braucht es, wie schon erwähnt, Putzexpertin Hartford zufolge gerade mal acht Minuten. In dieser Zeit wird gelüftet, Arbeitsflächen und Tisch in der Küche abgeräumt, Gerümpel im Wohnzimmer eingesammelt, das Handtuch im Bad gewechselt, Toilette und Waschbecken frisch gemacht sowie ein paar klebrige Flecken aufgewischt. Und schon kann es losgehen mit dem guten Leben.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema